Menschen-Transport-Gerät

Amazon: Gruseliges Patent sollte Mitarbeiter in Käfige sperren

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mobiler Arbeitsplatz? Arbeitskäfig? Eiserne Jungfrau auf Rädern? Amazon hat sich ein Transportvehikel für Mitarbeiter patentieren lassen, das an Zynismus kaum zu überbieten ist. Der Gruselkäfig ging zum Glück nie in die Produktion.

Wann immer Amazon kommuniziert, man erwäge die Eröffnung eines neuen Logistikzentrums oder eines sonstigen Firmenstandorts in dieser oder jener Kommune, wird der Konzern ja bekanntlich fast unterwürfig von der Lokalpolitik hofiert. Kompromisse werden gemacht, ganze Gewerbegebiete neu erschlossen, der rote Teppich ausgerollt. Alles, damit sich Amazon für Region A und nicht für Region B entscheidet. Schließlich schafft das Versandimperium jede Menge Arbeitsplätze in Region A. Bei der nächsten Kommunal- oder Landtagswahl kann man sich das dann ans eigene Revers heften - ein zumindest zweifelhafter Verhandlungserfolg.

Denn für paradiesische Arbeitsbedingungen war Amazon noch nie bekannt, immer wieder tauchen Medienberichte oder Undercover-Storys auf, die von unterdurchschnittlichen Löhnen und einem"irrsinnigen" Arbeitsalltag berichten. Ein Patent, das Amazon bereits 2016 gewährt wurde und jetzt der Seattle Times auf den Schreibtisch geflattert ist, passt in die Kategorie "Irsinn", wie die neue Handyhülle in die Versandverpackung: Ein fahrender Käfig für Mitarbeiter in roboterisierten Produktionshallen.

Der Arbeiter wird Teil eines Maschinen-Balletts, er wird aufrecht in einem Käfig gehalten, der seine Bewegungen vorschreibt und einschränkt.

Anatomy of an AI System; Crawford, Joler

Die dem Patent beigefügten Skizzen, wie sie oben im Bild zu sehen sind, zeigen einen bizarren, mobilen Mini-Arbeitsplatz, in dem der Amazon-Mitarbeiter völlig eingeengt durch von Produktionsrobotern bevölkerte Hallen kutschiert wird. Das "Menschen-Transport-Gerät", so die Bezeichnung des guten Stücks in dem Patent, soll gewährleisten, dass sich der Mitarbeiter in der Anlage fortbewegen kann, ohne dass diese die Produktion einstellen muss.

Das Patent mit der Nummer '20150066283 A1' ist allerdings glücklicherweise nie zum Einsatz gekommen, wie Dave Clark aus dem Hause Amazon kurz nach Bekanntwerden des Berichts auf Twitter beteuerte. Auch habe man keine Pläne, es jemals einzusetzen, so der Produktionsaufseher:

Acht Mitarbeiter arbeiteten an dem Gruselkäfig

"Manchmal werden dem Patentamt auch schlechte Ideen vorgelegt", twitterte er. Das mag richtig sein, doch zeigt es auch, wes Geistes Kind die Ingenieure bei Amazon mitunter sind. Denn Patente landen eben nicht einfach mal so beim Patentamt. Allein für den Gruselkäfig werden acht Erfinder im Patent aufgeführt, die sich im Vorfeld allesamt intensiv mit der Idee beschäftigt und technische Details ausgetüftelt haben. Die acht Männer haben Lohnchecks für ihre Arbeitszeit an dem Gerät bekommen, ihr Vorgesetzter hat es durchgewunken und eingereicht. Immerhin: Dass es wohl nicht zum Einsatz gebracht wird, dürfte wohl auch die Arbeitnehmer in Mönchengladbach freuen. Dort eröffnet Amazon 2019 das 14. deutsche Logistikzentrum.

Quelle: Seattle Times

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