"Das steht da doch drauf!"

Anonym browsen? Einfach Privatsphäre-Modus einschalten, denken die meisten User

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Eine Studie der Universtitäten Chicago und Hannover hat ergeben, dass ein Großteil der Internetnutzer davon überzeugt ist, dass ein Klick auf den Privatsphäre-Modus ihres Browsers bedeutet, dass sie sich anonym im Internet bewegen. Das ist ein fatales Zeichen in Zeiten, in denen das Internet zum wichtigsten Medium der Welt geworden ist.

Die Ergebnisse einer Gemeinschaftsstudie der University of Chicago und der Leibniz Universität Hannover sind verblüffend - im negativen Sinne. Offenbar ist ein Großteil der Netzgemeinde der Überzeugung, dass der Privatsphäre-Modus des eigenen Browsers, sei es Chrome, Mozilla, Edge, Opera oder ein anderer, bedeutet, dass man sich um Datenschutz keine Gedanken mehr machen braucht. Schließlich steht ja auch 'privat' drauf, oder? Konkret wurden 460 Studienteilnehmer mit einem fiktionalen Browser konfrontiert, der den Privatsphäre-Modus von 13 anderen, echten Browsern kopierte.

Dann wurden die Probanden in alltägliche Surfszenarien gebeten und ihnen wurde die Privatsphäre-Funktion gezeigt. Anschließend sollten sie in verschiedenen hypothetischen Szenarien angeben, wie privat und anonym sie gerade aufgrund des entsprechenden Modus im Netz unterwegs seien. Die Ergebnisse der Studie sind wirklich erschreckend und zeigen, dass viele User sich auch in Zeiten von Facebook-Skandalen noch immer erstaunlich wenig um Themen wie Datenschutz und Sicherheit scheren.

Kaum Online-Kompetenz und jede Menge Gutgläubigkeit

Grübelnder Computer-Nutzer

Bedeutet 'privat' auch anonym und sicher vor Malware und Tracking? Ja, sagte über die Hälfte der Studienteilnehmer.  

Quelle: (Kues)  Shutterstock.com 

Grübelnder Computer-Nutzer

Bedeutet 'privat' auch anonym und sicher vor Malware und Tracking? Ja, sagte über die Hälfte der Studienteilnehmer.  

Quelle: (Kues)  Shutterstock.com 

Konkret dachten beispielsweise knapp 56 Prozent, dass wenn sie ihren Google Account im Privatsphäre-Modus ihres Browsers öffnen, Google ihre Suchdaten nicht ihrer Suchhistorie zuordnen könne. 40 Prozent glaubten gar, dass sie in diesem Modus von Webseiten nicht lokalisiert werden können und weitere 25 Prozent gaben an, unter diesen Umständen die eigene IP verschleiert zu haben. Falls das noch nicht erstaunlich genug ist: 27 Prozent der Studienteilnehmer waren sich sicher, dass sie im Privatsphäre-Modus besser vor Malware geschützt seien. Insgesamt geben die Forscher hinter der Studie an, dass ein Großteil der Teilnehmer glaube, 'privates Surfen' bedeute keine Geolocation, keine Werbung, keine Viren und keine Zurückverfolgung ihres Browsverhaltens durch Webseiten und Netzanbieter. Gleichzeitig kritisieren die Akademiker aus Chicago und Hannover, dass der Begriff 'Privat' von Entwicklern bewusst genutzt werde, um ein falsches Bild der Sicherheit aufzubauen. Dabei ist die Funktion eher dazu da, der Ehefrau nicht über den Verlauf zu offenbaren, dass man sich mal wieder auf schmuddeligen Seiten herumgetrieben hat - mehr nicht.

Wirklich sicher browsen ist einfach, aber manchmal unkomfortabler

User, die all die oben genannten Dinge wirklich erreichen möchten, kommen nicht um einige Maßnahmen herum, die deutlich über das hinausgehen, was ein Privatsphäre-Modus bietet: Zum einen wäre das die Nutzung des TOR-Browsers mit seinem integrierten VPN-System, der jedwedes Tracking blockiert und standardmäßig die Privatsphäre-Suchmaschine 'Duck Duck Go' verwendet. Der Nachteil: TOR ist aufgrund der mehrfachen IP-Verschleierung deutlich langsamer als High Speed Browser wie Chrome, die dafür alles an Daten mitnehmen, was sie bekommen.

Helfen können auch Skriptblocker, AdBlocker und Anti-Tracking Erweiterungen wie Ghostery. Außerdem auf jedem System installiert sein sollte ein VPN-Programm wie Psiphon, das auf Knopfdruck den eigenen Standort verbirgt, indem es über Proxyserver einen anderen Aufenthaltsort vorgibt. Eine erstaunlich gute Figur für sicheres, Malware-freies Browsen macht mittlerweile übrigens auch Microsofts Windows Defender Browser Protection. Mehr über einzelne Helferlein erfahrt ihr unter dem Link zum Thema Datenschutz.

Quellen: blaseur.com, theregister.co.uk

Hier erfährst du mehr über: Browser und Datenschutz

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