Ist das Ende nahe?

Apps: vom Boom zum Auslaufmodell

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Apps waren lange Zeit das neue Spielfeld für IT-Entwickler, wenn es darum ging, eine schnelle Mark zu machen. Eng mit dem Siegeszug der Smartphones verknüpft waren auch App Store und Play Store und (über-)füllten täglich das Angebot immer neuer Apps, die mal mehr und mal weniger hilfreich waren. Seit 2017 kehrt sich dieser Trend allerdings um.

Hier eine App um den Schlaf zu überwachen, dort eine um die besten Rezepte zu finden. Am besten eine App, um die Temperatur zu messen, den Sternenhimmel nach Figuren zu scannen, den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln durchs Scannen des Barcodes zu zeigen, oder bequem Bücher zu verkaufen. Eine Zeit lang schien das Motto von Smartphone Nutzern zu lauten: Viel hilft viel. Apps versprachen uns immer neue Einsatzmöglichkeiten für unsere praktischen Mobilgeräte und seien wir mal ehrlich, wir wollten sie alle nutzen.

Nun, vielleicht nicht unbedingt nutzen, sondern sie ausprobieren, wissen, ob es wirklich funktioniert, mit dem iPhone Abstände zu messen, mit dem Galaxy herauszufinden, wie unsere Schlafqualität ist. Hat es geklappt, verschwanden die Apps dann schnell wieder, weil man eigentlich ohnehin immer nur dieselben bunten Buttons anklickt: WhatsApp, Facebook, Google, Netflix, YouTube und ein paar weitere 'Ever Greens'. Dieser Trend schlägt sich seit letztem Jahr auch in den Zahlen nieder und befeuert den Niedergang der App.

Populäre Apps: Die Hypes werden kürzer

Pokémon Go Ansicht auf dem Smartphone

Pokémon Go verzückte die ganze Welt: Aber nur für kurze Zeit.  

Quelle: (Wachiwit)  Shutterstock.com 

Pokémon Go Ansicht auf dem Smartphone

Pokémon Go verzückte die ganze Welt: Aber nur für kurze Zeit.  

Quelle: (Wachiwit)  Shutterstock.com 

Das Jahr 2016 gilt als eines der Hype-Jahre schlechthin, schließlich erschien Pokémon Go und eine ganze Völkerwanderung suchte Parks, Städte und Wälder weltweit heim. Alt und jung, männlich und weiblich - fast jeder starrte auf sein Smartphone und suchte Pokémons. Möglich gemacht hatten dieses Phänomen drei Dinge: Die Möglichkeit, moderne Augmented-Reality-Features in einer Game-App unterzubringen, die seit langem bestehende Popularität der Marke Pokémon selbst und das Interesse der Netzwelt an Apps im Allgemeinen.

Heute, 2018, ist von diesem Hype nicht mehr viel übrig, obwohl zwei der drei Erfolgsfaktoren von Pokémon Go noch vorhanden sind: Augmented-Reality-Features haben sich sogar noch weiterentwickelt und die Marke Pokémon lebt in Form von Comics, Spielen und TV-Serien ungestört weiter. Was fehlt ist Komponente Drei: das Interesse der Netzwelt an Apps. Damit ist schon ausgemacht, woran es liegt und dieser Trend nachlassender öffentlicher Auseinandersetzung mit Apps lässt sich auch durch Zahlen bestätigen.

Die Zahlen sind rückläufig - bis auf die der Big Player

Tinder ist ein gutes Beispiel für die Monopolisierung von Apps: Gab es zuvor noch viele verschiedene Dating-Apps, sitzt mittlerweile Tinder weit abgeschlagen an der Spitze.  

Quelle: (Screenshot)  Tinder App 

Tinder ist ein gutes Beispiel für die Monopolisierung von Apps: Gab es zuvor noch viele verschiedene Dating-Apps, sitzt mittlerweile Tinder weit abgeschlagen an der Spitze.  

Quelle: (Screenshot)  Tinder App 

Kurz und knackig steht fest: Im Jahr 2017 brachen die Umsätze über alle App-Märkte hinweg um ein sattes Drittel ein und für 2018 scheint sich dieser Trend fortzusetzen. Woran liegt das? Zum einen scheint es eine Art unausgesprochene Einigung unter den übersättigten Nutzern im Westen zu geben: Für Video-Streaming nutzt man nun einmal YouTube, zum Daten Tinder, für Social Media Snapchat, Instagram und Facebook und als Messenger WhatsApp. Diese Apps sind wie schwarze Löcher: Je mehr Masse sie anziehen, desto größer und mächtiger werden sie und sammeln alles in ihrer Umgebung ein.

Hinzu kommt, dass nach den oben genannten Zeiten, in denen jede neue App-Funktion getestet werden musste und man sich auf der Arbeit erzählte, was das Smartphone nun alles kann, langsam die Gegenbewegung einsetzte. Heute ist 'Digital Detox' angesagt, also die Umkehrbewegung, weg vom Smartphone hin zu Achtsamkeit, Entspannungsübungen und der Debatte um Social-Media-Depression und Fehlhaltungen durch zu hohen Smartphone-Konsum.

Asien hat Nachholbedarf

Während der Westen also über immer neue Billig-Apps und Nachmacher die Nase rümpft und immer seltener das Portemonnaie zückt, sieht der Trend in Asien, speziell China, noch ganz anders aus. Foto-Apps um sich Hasenohren und Pandanasen ins Bild retuschieren zu lassen verzücken ganze Generationen und die Zahl neuer Angebote in den Stores steigt wöchentlich an. Im fernen Osten passiert also noch genau das, was bei uns vor einigen Jahren der Fall war. Das hat den einfachen Grund, dass die Verbreitung von Smartphones dort erst kürzlich in großer Menge eingesetzt hat.

Bei uns sterben App-Entwickler also gerade aus, während sie in Asien noch ein paar gute Jahre vor sich haben. An unserem Konsum im Westen lässt sich allerdings schon ablesen, was passieren wird. Vielleicht hat endlich eine Überforderung eingesetzt, nachdem bereits das Zeitalter des digitalen Multi-Tools Smartphone eingeläutet schien und die Gegenbewegung setzt ein. Möglich ist aber auch, dass sich der Konsum lediglich verschoben und bei den großen Anbietern monopolisiert hat, wovor viele Experten seit längerer Zeit warnen.

Quelle: businessinsider.de

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