Lernen von Facebook

Bloß kein Skandal: Apple stopft heimlich potenzielle Datenlecks

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von Benjamin Krämer -

Facebooks Datenskandal zieht immer weitere Kreise. Fast täglich werden wir mit neuen Enthüllungen über vergangene und aktuelle Missstände in den Bereichen Transparenz, Privatsphäre und Datenschutz konfrontiert. Apple scheint jetzt kalte Füße bekommen zu haben und hat durch neue Entwickler-Richtlinien klammheimlich ähnliche Vorgänge wie bei Facebook gestoppt.

Den bisher größten Datenskandal Facebooks erlebten wir Anfang des Jahres, als herauskam, dass man Drittanbietern von Facebook-Apps erlaubt hatte, auf die Daten aus den Freundeslisten der App-Nutzer zuzugreifen. Auf diese Weise wurden 87 Millionen Profile ausgewertet und für politische Propaganda verkauft. Die Folgen: Zuckerberg wurde vor Senat und Kongress zitiert, um sich dort 'grillen' zu lassen. Später folgte gar eine Vorladung vor 'Experten' des EU-Parlaments.

Seither vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht neue Enthüllungen amerikanischer Zeitungen vorgesetzt kriegen, die zeigen, dass die Probleme jetzt und in der Vergangenheit noch schlimmer sind und waren, als Zuckerberg uns in seiner 'Transparenz'-Kampagne weismachen wollte. Vor einem ähnlichen Dauer-Shitstorm scheint sich offenbar auch Apple zu fürchten und hat nun kurzerhand die Richtlinien für Entwickler von iOS-Apps deutlich verschärft, ohne dies der Presse mitzuteilen - oder auch nur irgendwo darauf hinzuweisen. Ein Schelm, der da ein Drängen der PR-Abteilung vermutet.

Verschärfte Privatsphäreeinstellungen im App Store: Das wurde geändert

Apple flickt die Löcher früherer Versäumnisse, könnte aber Probleme mit Entwicklern bekommen, die sich schlicht nicht an die Regeln halten - ähnlich wie es Facebook widerfahren ist.

Das Gewinnen und Auswerten von Nutzerdaten ist so etwas wie das neue Rohöl der letzten Jahre - Wirtschaftsmotor für eine riesige Branche. Viele Apps werden heute nur noch sekundär wegen ihres Nutzens für den User entwickelt, sondern mit dem Hintergedanken, wie man damit Daten absaugen und zu Geld machen kann. Das ist natürlich nicht nur Facebook klar, sondern auch Apple und so ließ man Entwickler von iOS-Apps bisher gewähren. Da Apples Hauptgeschäft aber nicht Daten, sondern noch immer seine Produkte sind, hat man jetzt relativ klanglos folgendes geändert: Jetzt wird Entwicklern konkret untersagt, Adressbücher von Nutzern in Datenbanken zu übertragen, oder die Daten zu verkaufen.

Außerdem dürfen sie keine Daten mehr in User-Profile hochladen. Was bleibt ist, dass Apps um Zugriff auf die Kontaktliste bitten dürfen, aber explizit auflisten müssen, was mit den gewonnenen Daten geschieht. Wenn es sich um mehr als einen Zweck handelt, muss für jeden Einzelnen eine Bestätigung eingeholt werden. Das sind prinzipiell gute Neuigkeiten. Ein Problem was bleibt ist allerdings, dass Apple zwar die Richtlinien macht, aber nicht immer direkt kontrollieren kann, was wirklich passiert. Über genau dieses Problem ist letztendlich auch Facebook mit Cambridge Analytica gestolpert.

Quelle: developer.apple.com

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