Alles für ein bisschen Ruhm

Brandblasen, Verbrennungen, Atemnot – die Risiken gefährlicher Internet Trends

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Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Während die Ice-Bucket-Challenge im Sommer 2014 eher harmlos daher kam und einem guten Zweck dienen sollte, bewegen sich andere Aktionen, die im Netz an Popularität gewinnen, am Rande des Wahnsinns. Warum verletzen User sich freiwillig und sind bereit dauerhafte Schäden billigend in Kauf zu nehmen?

Sich dabei filmen zu lassen, wie man sich selbst mit eiskaltem Wasser übergießt, war eine humorvolle Freizeitbeschäftigung in den Sommermonaten vor 2,5 Jahren. Es ging darum, sich selbst dieser 'Challenge' zu stellen, die Aktion auf der eigenen Social-Media-Seite bei Facebook zu posten und Freunde und Bekannte zu nominieren.

Wer nominiert wurde, musste die Herausforderung innerhalb von 24 Stunden annehmen, um nicht 100 Dollar/Euro statt 10 Dollar/Euro an die ALS Association (ALSA) spenden zu müssen. Gedacht war dieser Wettbewerb als Spendenkampagne für die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).

Eis und Salz Challenge: Ernsthafte Hautverletzungen

Anders als die Ice Bucket Challenge, geht es bei der 'Ice and Salt Challenge' um das Überwinden von echtem Schmerz. Bei dieser Mutprobe gilt es auf die eigene Haut eine Schicht Salz zu streuen und Eis darauf zu legen.

Es entstehen Narben, die dem "Teilnehmer" ein Leben lang erhalten bleiben.

"Was soll da schon passieren?" fragt man sich auf den ersten Blick. Was sich so harmlos anhört, ist in Wirklichkeit jedoch eine heftige chemische Reaktion. Die Kombination von Salz und Eis führt zu einer extremen Kälte-Entwicklung, die nicht selten zu Frostbeulen beziehungsweise Kälteverbrennungen führen kann. Es entstehen Narben, die dem "Teilnehmer" ein Leben lang erhalten bleiben.

Folgen der Ice Salt Challenge

Durch das Gemisch aus Salz und Eis wird der Gefrierpunkt abgesenkt.

Folgen der Ice Salt Challenge

Kälteverbrennungen die zu offenen Wunden führen.

Folgen der Ice Salt Challenge

Schwere Folgen: Das Gemisch hat nicht nur Haut, sondern auch Gewebe zerstört.

Folgen der Ice Salt Challenge

Durch das Gemisch aus Salz und Eis wird der Gefrierpunkt abgesenkt.

Folgen der Ice Salt Challenge

Kälteverbrennungen die zu offenen Wunden führen.

Folgen der Ice Salt Challenge

Schwere Folgen: Das Gemisch hat nicht nur Haut, sondern auch Gewebe zerstört.

Weltweit präsentieren vor allem Kinder und Jugendliche auf ihren Profilen bei Facebook, YouTube oder Instagram stolz ihr entstelltes Hautbild. Nicht selten müssen sie anschließend beim Arzt oder sogar im Krankenhaus behandelt werden. "Funny" und "cool", so beschreiben die Challenge-Teilnehmer ihre Erfahrung. Erschreckenderweise laden schon wirklich junge Kinder ihr "spaßiges Gruppenerlebnis" hoch:

'Fire Challenge': Jugendliche zünden sich selbst an

Wer die Eis und Salz Challenge schon verstörend findet, der wird bei diesem Wettbewerb vom Glauben abfallen: User, die sich der 'Fire Challenge' stellen, übergießen sich selbst mit brennbaren Flüssigkeiten und zünden sich an. Diese extrem gefährlichen Aktionen begannen schon 2014 und kosteten einem erst vierzehn Jahre alten Jungen das Leben.

Während sich bei diesem vermeintlichen 'viralen Hit' die Teilnehmer selbst verletzen, richtet sich der Internet-Trend "Punch4Punch" gegen andere. Wie der Name bereits andeutet, schlagen sich zwei Wettbewerber abwechselnd so hart wie möglich, bis einer von beiden in die Knie geht. Auch dabei wird wieder fleißig mit dem Handy drauf gehalten, immer in der Hoffnung mit dem veröffentlichten Video möglichst viel Online-Applaus zu ernten.

Warum tut jemand sich selbst so etwas an?

Wir haben den Internetzsoziologen Dr. Stephan G. Humer nach dem "Warum" gefragt. Mutproben gab es auch vor dem Internet-Zeitalter schon offline. Aber diese krasse Form der Wettbewerbe, deren teils erschreckende Konsequenzen im Netz gepostet werden, scheint doch etwas anderes zu sein.

Letztlich spielt der Reiz des Neuen, Spannenden, Spektakulären eine große Rolle.

Warum sind Menschen bereit sich für digitale Aufmerksamkeit selbst zu verletzen? Was erhoffen sie sich von dieser Aufmerksamkeit und warum sind so viele bereit da mitzumachen?

Dr. Stephan G. Humer: Es gibt gerade im digitalen Bereich meist nicht nur die eine Antwort bzw. den einen Antrieb. Immer noch ist das Internet - medienhistorisch betrachtet - neu, so dass letztlich der Reiz des Neuen, Spannenden, Spektakulären eine große Rolle spielt. Zudem sieht man heute Extreme, die man früher kaum für möglich hielt - die Messlatte wurde also höher gelegt. Heute überzeugt man nicht mehr mit "Kleinkram". Außerdem kann durch die Skalierbarkeit eines Trends weltweiter Ruhm die Folge sein, das motiviert natürlich auch mehr, als wenn nur die besten drei Kumpels applaudieren. Soziale und technische Aspekte spielen hier also insgesamt eine große Rolle.

Eklig, aber harmloser: Die Banane-Sprite-Challenge

Absolut hipp schien Anfang des Jahres eine weniger gefährliche, aber reichlich ekelhafte Aktion gewesen zu sein. Bei der 'Banana-Sprite-Challenge' gilt es mindestens zwei Bananen komplett aufzuessen und direkt im Anschluss reichlich Sprite zu trinken. "Stolzer" Gewinner ist, wer seinen Mageninhalt für sich behalten kann. Außer Magenschmerzen und dem Risiko sich zu verschlucken, besteht hier wenigstens keine unmittelbare Gefahr bleibender Schäden.

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