Schreiben alle bald wieder SMS?

Chat: Google will die SMS wiederbeleben

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Totgesagte Leben länger: Mit 'Chat' versucht Google derzeit der SMS neues Leben einzuhauchen und so einen weltweiten Standard für Kurzmitteilungen auf Android-Geräten zu etablieren - so wie Apple es seit Jahren mit iMessage auf iPhones vormacht. Klappt das, könnte dies das Ende von Messengern wie WhatsApp bedeuten.

Die Liste an Googles Versuchen, mit Instant-Messengern Fuß zu fassen, ist nicht gerade kurz. Hangouts, Allo, Google+: Alle klangen sie auf dem Papier zunächst vielversprechend, durchsetzen konnte sich davon keiner. Der Facebook Messenger und vor allem WhatsApp hatten sich längst etabliert, Googles Alternativen hingegen boten zu wenig Neues und somit kaum Argumente für einen Umstieg. Ein Scheitern, das man sich in Mountain View jetzt offenbar endgültig eingestanden hat. Denn wie jetzt bekannt wurde, hat der Konzern sämtliche Mitarbeiter des Allo-Teams abgezogen, damit sie sich einem neuen Projekt widmen können: Der Wiederbelebung der SMS mithilfe von 'Android Messages'.

Chat: SMS-Dienste mit Instant-Messaging-Funktionen

Google nennt die neue Funktionalität schlicht 'Chat' und meint damit eigentlich das Protokoll RCS (Rich Communication Services), mit dem das standardmäßig auf den meisten Smartphones vorinstallierte SMS-Programm 'Android Messages' ausgerüstet wird. Netzbetreiber und Hersteller, mit denen sich Google offenbar in letzter Zeit klammheimlich ausgetauscht hat, müssen das Protokoll dann nur noch aktivieren.

Für Google wäre das ein doppelter Sieg.

Vereinfacht gesagt ermöglicht RCS dem klassischen SMS-Dienst ähnliche Funktionen, wie sie die meisten Messenger bieten - also das Versenden von Dateien oder das Anzeigen von Lesebestätigungen. Großes Manko: Anders als die populären Messenger bietet Android Messages keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Google könnte mit einem Schlag die Konkurrenz loswerden

Für Netzbetreiber ist Googles Umdenken eine, vorsichtig formuliert, günstige Entwicklung. Ihnen ist es schon länger ein Dorn im Auge, dass "deren SMS" langsam aber sicher endgültig den Bach runter geht. Sollten sich Netzbetreiber im großen Stil mit Google und somit dem weltweit mit Abstand am weitesten verbreiteten Betriebssystem zusammenschließen, könnte es für Facebook und andere Messenger tatsächlich eng werden. Wenn jeder Android-Nutzer einen eingebauten Messenger bekommt, wäre eine Umstiegshürde für die Verbraucher ferner komplett ausgeräumt.

Sollte alles klappen wie erhofft wäre das im Grunde ein doppelter Sieg für Google: Man selbst steht in Sachen Instant-Messaging zumindest wieder mit einem Bein in der Tür, die Konkurrenz - also Facebook, Threema, Telegram und Co. - wäre die Existenzgrundlage entzogen. Bedanken kann sich Google dann beim ehemaligen Google-Fotos-Chef Anil Sabharwal, der kurzerhand mit der Aufgabe betraut worden war. Gegenüber 'The Verge', denen Google die Ankündigung exklusiv anvertraut hatte, gab sich dieser siegessicher und betonte, eng mit Partnern (also Herstellern und Netzbetreibern) zusammenarbeiten zu wollen.

Hier erfährst du mehr über: AndroidGoogle und Instant Messenger

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