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Die Schattenseiten des digitalen Wandels

Cyberbullying, Überwachung, Datenhandel - das Internet in Gefahr?

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von Julius Zunker -

Auf der "Our People-Centered Digital Future"-Konferenz treffen Internetvordenker auf UN-Vertreter, Tech-Begeisterte und Regierungsmitglieder aus Ländern rund um den Globus. Ihre Aussichten auf die Zukunft des Webs klangen dabei mehr als düster.

Vincent Cerf, Internetpionier und Miterfinder des TCP/IP Protokolls sowie sein nicht minder berühmter Kollege Sir Tim Berners-Lee sind eigentlich für eine eher optimistischere Weltsicht bekannt. Doch während der "Our People-Centered Digital Future"-Konferenz in San Jose schlugen die beiden finstere Töne an. "Wir leben in Zeiten der Angst. Wir müssen zusammenarbeiten um es (das Internet) zu reparieren. Wir müssen dorthin gelangen, wo das Internet wieder ein Segen für die Menschheit ist", so Berners-Lee.

Die Zukunft des Internets: ein finsterer Ort?

Cerf klang sogar noch düsterer: "Wir arbeiten an einer sehr zerbrechlichen Zukunft. Was, wenn wir dabei versagen?" Die beiden Vordenker waren nicht die einzigen, die sorgenvoll in die kommenden Tage blickten. Dominierende Themen während der Konferenz waren diverse Schattenseiten des weltweiten Webs, unter anderem die Manipulation von Meinungen durch private und behördliche Bot-Netzwerke, totalitäre Einflussname, Cyberbullying, Trolling oder der Ausverkauf privater Informationen.

Toomas Hendrik Ilves, Ex-Präsident von Estland, sieht westliche Demokratien derzeit unter Angriffen durch das Internet in Gefahr "wie noch nie zuvor". Dabei warf er die Frage auf, ob Anonymität und Demokratie nicht eventuell einfach inkompatibel seien.

Keine Geheimwaffe im Kampf um das Web

Die Lösung? Niemand schien darauf eine Antwort zu haben. Einig war man sich lediglich darüber, dass derzeit die eventuell entscheidende Schlacht um die Zukunft des Internets als globale Gesellschaft tobt.

Wir leben in einer Zeit der Angst. [...] Wir müssen zusammenarbeiten, um das Internet zu reparieren.

Tim Berners-Lee

Auf der einen Seite stünden die USA, wo sich Tech-Gigant auf Tech-Gigant im Silicon Valley die Klinke in die Hand geben, und man - trotz all der Innovationskraft - als normalsterblicher teils "tagelang" anstehen müsse, um seinen Führerschein zu verlängern. Daneben stünde Europa mit dem Fokus auf den Schutz privater Informationen und einer damit einhergehend potentiellen Gefahr für die eigene Wirtschaft. Schlussendlich wurde auch China mit seiner massiven Überwachung angeführt, gepaart mit extremer Effektivität im Web.

Wird sich am Ende also die mutige Vision der Internetpioniere durchsetzen und ein goldenes Zeitalter der frei verfügbaren Informationen beginnen? Oder wird das Internet ein Werkzeug der Überwachung durch totalitäre Systeme, in dem Konzerne unsere Daten an den Meistbietenden verscherbeln?

Globale Menschenrechte in der digitalen Ära

Hoffnungsvoll stimmt dahingehend, dass am Jahrestag der Annahme zu Erklärung der Menschenrechte durch die UN ein Gedanke über der Konferenz stand: Eine neue, digitale Erklärung muss her.

Schlussendlich dominierten dann doch irgendwie die Lichtblicke: Zwar hat die Menschheit offensichtlich Angst vor der Zukunft und Innovationen, aber die schlausten Köpfe unter uns arbeiten fieberhaft daran, alles besser zu machen. Kampflos wollen die Pioniere des weltweiten Webs zumindest nicht vom Feld gehen. Und es liegt in unser aller Hände aus dem Internet einen besseren Ort zu machen. Immerhin können wir alle noch selber entscheiden, was wir posten.

Quelle: theregister.co.uk

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