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Transparenz war gestern

Datenpanne: Neues Wochenende, neuer Facebook-Skandal

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Nachdem Facebook 2014 von dem Datenleck erfuhr, das Cambridge Analytica gerissen hatte, ging Mark Zuckerberg nicht an die Öffentlichkeit. So weit, so bekannt. Doch am Wochenende wurde öffentlich, dass er danach zwar die Löcher stopfte, aber nicht für alle Unternehmen. Manche durften offenbar immer noch Daten absaugen.

Wer an die beiden Wörter ‚Facebook‘ und ‚Skandal‘ denkt, dem fällt sicherlich als erstes einer der größten Datenskandale der jüngeren Geschichte ein, nämlich die Affäre um Cambridge Analytica. 87 Millionen Profile wurden ausgespäht, weil Facebook es Drittanbietern von Apps ermöglichte, Daten aus Freundeslisten abzusaugen. Drei Anhörungen vor den beiden Kammern in Washington und der EU-Spitze später hätte man denken können, dass man in Menlo Park jetzt dazugelernt habe und eine neue „Offenheit“ und „Transparenz“ lebe, wie Zuckerberg in jeder zweiten ‚Sorry-Anzeige‘ wiederholte. Tja, mit dieser Transparenz war es wohl nicht besonders weit her, denn die letzten Wochen hatten bereits gezeigt, dass da noch weitaus mehr in den (Un-)Tiefen der jüngeren Facebook-Geschichte schlummert, als Zuckerberg mit uns teilen möchte.

So kam heraus, dass Großkunden kurzerhand nicht als Drittanbieter gekennzeichnet wurden und Privatsphäre Einstellungen umgehen konnten. Dann folgte die Meldung, dass auch Huawei Zugriff auf Profildaten von Freunden gewährt wurde – ausgerechnet der Firma, die von US-Geheimdiensten als Spionagerisiko genannt wurde. Als wäre das nicht genug, wurde am Freitag bekannt, dass Facebook aus versehen 14 Millionen Nutzerkonten auf ‚öffentlich‘ gestellt hatte.

Facebook: Eine Datenpanne jagt die nächste – aber sind das wirklich Pannen?

Ein junger Mann am Rednerpult

Die Senats- und Kongressanhörungen nutzte Zuckerberg um sich als geläutert zu präsentieren. Er gab sich reumütig, weitere Probleme und Skandale veröffentlichen mussten aber Zeitungen wie die NY Times und das Wall Street Journal ...  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Ein junger Mann am Rednerpult

Die Senats- und Kongressanhörungen nutzte Zuckerberg um sich als geläutert zu präsentieren. Er gab sich reumütig, weitere Probleme und Skandale veröffentlichen mussten aber Zeitungen wie die NY Times und das Wall Street Journal ...  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Im Detail sahen die jüngsten Skandale, die in den USA deutlich mehr Beachtung fanden als bei uns, in etwa so aus: Nachdem Cambridge Analytica eine Facebook-App entwickelte, über die sie auch die Freundeslisten der App-Nutzer ausspionieren konnten, stopfte Facebook nach eigenen Angaben dieses Loch, indem es Drittanbietern diese Möglichkeiten fortan verwehrte. Das umging der Social Media Gigant aber schließlich, indem Großkunden wie Apple, Samsung, Amazon oder Blackberry kurzerhand nicht mehr als Drittanbieter gelistet wurden, sondern als ‚Partner‘. Das Absaugen von Profil- und Freundesdaten ging bei diesen ‚Premiumkunden‘ also munter weiter, während man sich nicht bequemte, den ursprünglichen Skandal mit Cambridge Analytica öffentlich zu thematisieren.

Zu diesen bevorzugten Kunden gehörte schließlich auch Huawei, wie die New York Times herausfand. Besonders pikant: Huawei findet auf dem US-Markt nicht statt, weil AT&T keine Huawei-Geräte verkauft, nachdem US-Geheimdienste die chinesischen Smartphones als Spionagegeräte bezeichnet hatten. Mark Zuckerberg schien die Sorgen von CIA, NSA & Co. Offenbar nicht zu teilen – er teilte lieber Nutzer- und Freundesdaten aus dem riesigen Datenpool seiner Firma. Dann wäre da noch der Bug, der 14 Millionen Profile von ‚privat‘ auf ‚öffentlich‘ stellte und der erst nach zehn(!) Tagen behoben wurde.

Ein ermüdender Skandal-Marathon

Das Skandal-Staccato geht so schnell, dass man kaum den Überblick behält, was eigentlich bei Facebook alles schief läuft. Es ist eine Menge.

Damit hätten wir uns einen groben Überblick über die Enthüllungen der letzten 14 Tage verschafft. Kaum zu glauben, aber da fehlt noch dieses vergangene Wochenende: Facebook hat nämlich nicht bloß Premiumkunden kurzerhand nicht mehr als Drittanbieter bezeichnet und mit allem versorgt, was sie an Daten brauchten, sondern laut einem Bericht des ‚Wall Street Journal‘ auch direkt nach dem Cambridge Analytica Problem Sonderdeals mit anderen Firmen geschlossen, darunter Nissan und Investment Banken wie ‚RBC Capital Markets‘. Wie diese Deals aussahen?

Sie konnten genau das Gleiche weiterhin tun, was Cambridge Analytica getan hatte. Kunde scheint eben nicht gleich Kunde zu sein. Man könnte auch sagen: Cambridge Analytica waren die ‚Bösen‘, schließlich ging es ja um die politische Nutzung von Profildaten, während die ‚Guten‘, also gut bezahlende Wirtschaftskunden, weiterhin Schlupflöcher nutzen durften, die man von vorneherein als illegal und gegen jedem Datenschutzgedanken hätte identifizieren und schließen müssen. Unsere Nutzerdaten sind und bleiben nun einmal Facebooks Kapital und wir selbst das Produkt.

Der Gipfel der Heuchelei ist erreicht - mal wieder

Wenn uns die letzten Wochen und Monate nach Zuckerbergs Anzeigen-Dauerfeuer und teilweise peinlichen Entschuldigungstouren im Fernsehen eines gelehrt haben, dann sicherlich, dass wir als Öffentlichkeit von Seiten Facebooks rein gar nichts erfahren – schon gar nicht die Wahrheit oder gar die von Zuckerberg ausgelobte ‚Transparenz‘. Wie viel er von Transparenz und Ehrlichkeit hält, haben wir spätestens im Nachgang der Anhörungen vor Kongress- und Senatsmitgliedern der USA mitbekommen: Nämlich rein gar nichts. Immer weitere Details zu Verfehlungen, schmutzigen Deals und einer unfassbaren Blindheit für Privatsphäre und Datenschutz wurden bekannt – nicht etwa durch Zuckerbergs neue Ehrlichkeit, sondern durch die Recherchen von Zeitungen und Nachrichtenportalen. Offenheit endet bei Facebook offenbar beim Geldverdienen und das scheint alles zu sein, worum es geht. Nicht mehr und nicht weniger und das sollte man bei jedem Login im Hinterkopf behalten.

Quellen: New York Times, Facebook, Wall Street Journal, Mashable.com

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