Besser spät als nie

Datenskandal bei Facebook: Zuckerberg bricht sein Schweigen

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Die Kritik an Mark Zuckerberg und seiner Schweige-Strategie wurde immer lauter, jetzt meldet sich der Jungunternehmer zu Wort und entschuldigt sich (mal wieder) im Zuge eines Eingeständnisses. Ob das die drohende Klagewelle noch aufhalten kann, darf bezweifelt werden - es scheint eher so, als wolle er die massenhaft abwandernden Anleger beruhigen.

Mark Zuckerberg hat im Zuge des Datenskandals gesprochen - auf Facebook natürlich. 927 Wörter ist sein Statement lang. Das ist deutlich länger als der Durchschnitt auf der Social Media Plattform, aber für viele auch deutlich kürzer, als man sich gewünscht hätte. In seinem Post erklärt er zusammengefasst die folgenden Dinge: Seit 2014 schließe man Lücken, durch die Apps von Drittanbietern auf die Daten von Freunden der App-Nutzer zugreifen können. Alexandr Kogan, ein Entwickler von der Cambridge University in England habe über solch eine App derartige Daten erhalten und illegal an Cambridge Analytica weiterverkauft. Das sei ein Verstoß gegen Facebook-Richtlinien. Cambridge Analytica habe daraufhin versichert und "zertifiziert", dass sämtliche Daten gelöscht worden seien.

Da das offenbar nicht der Fall war, habe man jetzt ein Datenforensik-Unternehmen beauftragt, um die Rechner der beschuldigten Firma zu überprüfen. Außerdem tue es ihm "sehr leid" und er bedaure den "Vertrauensbruch" zwischen Facebook und seinen Nutzern. Darüber, dass er bereits seit 2015 von dem Missbrauch wusste und sich nicht geäußert hat, oder dass sein Unternehmen versucht hat, die Zeitung 'The Guardian' per Androhung einer Klage von der Enthüllung abzubringen, verliert er kein Wort.

Zuckerbergs Aussage: Gerichtet an Anleger, weniger an Nutzer

Der Druck von Anlegern und Regierungen wird immer größer, weshalb Zuckerberg durch äußere Umstände zu einer Aussage gezwungen worden sein könnte. Die Ankündigungen klingen gut, wie so häufig, sollten jedoch hinterfragt werden.

Die Aussagen des Milliardärs dürften sich größtenteils an frustrierte Anleger richten, die in den USA bereits Sammelklagen vorbereiten. Sie fühlen sich betrogen, wie immer, wenn Investoren massenweise Geld verlieren, wie jetzt durch den Kurssturz der Facebook-Aktie. Mit ihren Klagen dürfen sie zurecht auf Erfolg hoffen, da sie anscheinend über die Vorgänge mit Cambridge Analytica ebenso wenig informiert worden waren, wie die betroffenen Nutzer, die immerhin auf illegalem Weg in ihrem Wahlverhalten manipuliert worden sind. Diese Klagen und drohende Anhörungen vor dem US-Kongress sowie Rechtsstreitigkeiten mit der britischen Regierung dürften auch der Grund gewesen sein, warum Zuckerberg sich so lange Zeit gelassen hat. Jedes öffentliche Wort kann ihm in einer Gerichtsverhandlung oder einer Anhörung um die Ohren gehauen werden.

Angekündigte Änderungen zum Schutz eurer Daten

Sein Post war allerdings nicht die einzige Gelegenheit, die Zuckerberg nutzte, um sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Er führte außerdem Interviews mit der New York Times und wired.com. Darin kündigte er einige Änderungen an, die es potenziell in sich haben: Der erste Schritt sei, dass man die Datenmenge, auf die App-Entwickler Zugriff haben, "dramatisch senken" wolle. Außerdem gelobt er nach weiteren "Cambridge Analyticas da draußen" zu suchen, die die gleichen Lücken, die vor "einigen Jahren geschlossen worden" seien, ausgenutzt haben könnten. Interessant ist, dass Zuckerberg immer wieder betont, dass es sich um ältere, längst behobene Probleme handle - klare PR-Aussagen für Anleger, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Ob das allerdings stimmt, ist fraglich. Immerhin wird Cambridge Analytica kaum Profile zum Wahlverhalten anhand veralteter Daten von vor 2013 verwendet haben. Es gibt aber noch eine dritte Ankündigung: Apps, die ihr länger als drei Monate nicht verwendet habt, können künftig nicht mehr auf eure Daten zugreifen. Die Idee dahinter: Oftmals hätten User Anwendungen vor vielen Jahren installiert und diese seien dann in Vergessenheit geraten, obwohl sie weiterhin 'schnüffeln'. Das soll jetzt also unterbunden werden.

Ankündigen, Aufklären, neue Daten erheben

Interessanterweise geschehen in den letzten Tagen auffällig viele neue Dinge. So richtete Zuckerberg Frage- und Antwortrunden für Facebookmitarbeiter ein, in denen sie Fragen zu dem aktuellen Skandal stellen können. Man will sich nicht nur nach innen, sondern auch nach außen als transparent darstellen. Beobachtern ist aber klar, dass es sich dabei auch um eine Gelegenheit handelt, Mitarbeiter darauf hinzuweisen, welche Sichtweise das Unternehmen (und seine Angestellten) nach außen zu repräsentieren haben. Zeitgleich startete man offenbar Umfragen für Unternehmensseiten auf Facebook, um herauszufinden, wie jene Nutzer auf den Skandal reagieren, die Werbung schalten, also Geld einbringen. Diese Umfrage sieht so aus:

Facebook Umfrage für Unternehmen

Die Fragen scheinen erst einmal allgemein gehalten.

(Screenshot / Netz.de) 

Facebook Umfrage für Unternehmen

Es dreht sich um allgemeine Zufriedenheit.

(Screenshot / Netz.de) 

Facebook Umfrage für Unternehmen

Doch dann wird deutlich, dass die Umfrage offenbar nicht ohne Grund inmitten des Datenskandals erstellt wurde ...

(Screenshot / Netz.de) 

Facebook Umfrage für Unternehmen

Die Fragen scheinen erst einmal allgemein gehalten.

(Screenshot / Netz.de) 

Facebook Umfrage für Unternehmen

Es dreht sich um allgemeine Zufriedenheit.

(Screenshot / Netz.de) 

Facebook Umfrage für Unternehmen

Doch dann wird deutlich, dass die Umfrage offenbar nicht ohne Grund inmitten des Datenskandals erstellt wurde ...

(Screenshot / Netz.de) 

Wenig Licht im Dunkeln

Insgesamt kann man die Aussagen Zuckerbergs als Flucht nach vorne deuten, die zeigt, wie ernst die Lage für ihn ist. Jedes Wort wird bis aufs Kleinste analysiert und hinterfragt werden und das muss ihm bewusst sein. Dass er trotzdem relativ konkret wird, zeigt, dass er gehörig unter Druck steht. Dass künftig alles besser wird, ist allerdings unwahrscheinlich, immerhin sind unsere Daten das, womit Facebook Geld verdient und das wird sich nicht ändern. Außerdem ist sein Verhalten bereits aus der jüngeren Vergangenheit bekannt: Als ans Licht kam, dass Facebook möglicherweise einen großen Anteil am Wahlsieg Trumps hatte und russisches Geld dabei geholfen haben könnte, tat er das alles als "Blödsinn" ab. Als dann erste Beweise eintrudelten, entschuldigte er sich und gelobte Besserung. Das Ergebnis dieser Besserung sehen wir heute: Kaum zwei Jahre später befindet er sich wieder in der Defensive.

Hier gibt es ein viertelstündiges Interview, das CNN vor einigen Stunden mit Zuckerberg geführt hat:

Quellen: wired.com, facebook.com, nytimes.com

Hier erfährst du mehr über: Facebook und Datenschutz

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