"Sind nur ein paar"

Datenskandal: Mit diesen Unternehmen tauscht Facebook Daten aus

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Mark Zuckerberg wurde bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress gefragt, mit welchen Unternehmen er detaillierte Informationen über seine Nutzer austauscht. Zuckerberg vertröstete auf später und versprach, entsprechende Daten nachzureichen. Das hat sein Unternehmen jetzt nach einem Vierteljahr endlich getan - und die Liste ist lang.

Facebook kommt einfach nicht zur Ruhe - Moment mal, das habe ich doch vor ein paar Wochen schon so geschrieben. Tja, irgendwann werden Sätze zu Plattitüden, dann zu Wiederholungen und irgendwann kann man sie selbst nicht mehr hören. Bei Facebook ist das mittlerweile der Fall. Immer wenn man denkt, dass jetzt der letzte Stein gefallen ist, berichten die New York Times oder die Washington Post über neue Versäumnisse und Datenpannen des Social Media Giganten aus Menlo Park. Was soll man da noch sagen?

Ganz einfach: Alles, was gesagt werden muss. Denn schlimmer, als dass einem aufgrund der Schlagzahl neuer Probleme die Worte ausgehen, ist nicht über die Probleme zu sprechen. Facebook muss das aushalten, wenn es eine Zukunft haben will und Mark Zuckerberg kam lange genug damit durch, einfach zu schweigen und zu hoffen, dass genügend Gras über die Sachen wächst. Dass das nicht funktioniert sollte ihm langsam klar sein, schließlich kam der Cambridge-Analytica-Skandal vier Jahre später ans Licht.

Transparenz auf Nachfrage: Monate nach der Anhörung

Zuckerberg schob während der Anhörung viele Antworten auf das Morgen. Sie kamen und kommen aber erst übermorgen und befriedigt dürften sie keinen Abgeordneten zurücklassen.

Während Zuckerbergs Anhörungen vor Mitgliedern von Kongress und Senat konnte man live mitverfolgen, wie der Milliardär regelmäßig ins Stocken geriet. Abseits seiner vorgefertigten Antwortmuster war seine Standardaussage: "Das muss ich in Erfahrung bringen. Ich reiche die Informationen schnellstmöglich nach." Entweder wusste er also nicht, was in seinem Unternehmen vor sich geht, zumindest nicht in einem besonders weiten Spektrum (was nachvollziehbar ist), oder aber er empfand die entsprechenden Themen als so heikel, dass er lieber nichts darüber sagen wollte.

Es sieht ganz danach aus, als sei Letzteres der Fall. Die Antworten, die bisher aus seinen PR- und Techabteilungen kamen, waren eher oberflächlich und hätten auch einer Broschüre entstammen können. Die neue Liste, die das Unternehmen jetzt vorlegte, betrifft Firmen, mit denen Facebook Daten austauscht. Viele davon dürften niemanden überraschen, andere hingegen schon und nicht nur das: sie dürften außerdem die US-Geheimdienste und jene Leute auf den Plan rufen, die Zuckerberg vor Kurzem noch ins Kreuzverhör genommen hatten.

Diese Unternehmen sind Teil von Facebooks 'Data Integration Partnership'

Kurz und schmerzlos ist hier die vollständige Liste der Partnerunternehmen: Accedo, Acer, Airtel, Alcatel / TCL, Alibaba**, Amazon*, Apple*, AT&T, Blackberry, Dell, DNP, Docomo, Garmin, Gemalto*, HP / Palm, HTC, Huawei, INQ, Kodak, LG, MediaTek / Mstar, Microsoft, Miyowa / Hape Esia, Motorola / Lenovo, Mozilla**, Myriad*, Nexian, Nokia*, Nuance, O2, Opentech ENG, Opera Software**, OPPO, Orange, Pantech, PocketNet, Qualcomm, Samsung*, Sony, Sprint, T-Mobile, TIM, Tobii*, U2topia*, Verisign, Verizon, Virgin Mobile, Vodafone*, Warner Bros, Western Digital, Yahoo*, Zing Mobile*

Gebäude mit Huawei-Logo

Die Tatsache, dass Huawei zu den Partnern gehört(e), dürfte die US-Politiker besonders wütend machen, wurde der chinesische Hersteller doch aus Spionagegründen zu einem Risiko erklärt und faktisch aus den USA verbannt.  

Quelle: (J. Lekavicius)  Shutterstock.com 

Gebäude mit Huawei-Logo

Die Tatsache, dass Huawei zu den Partnern gehört(e), dürfte die US-Politiker besonders wütend machen, wurde der chinesische Hersteller doch aus Spionagegründen zu einem Risiko erklärt und faktisch aus den USA verbannt.  

Quelle: (J. Lekavicius)  Shutterstock.com 

Die fett Markierten sind bekannt und dürften niemanden verwundern. Die kursiv markierten Firmen jedoch könnten für Facebook zum Problem werden, da sie Größen aus China sind, die von US-Geheimdiensten argwöhnisch betrachtet werden. Huawei-Geräte beispielsweise dürfen in den USA faktisch gar nicht vertrieben werden, weil sich der Auslandsgeheimdienst CIA sicher ist, dass der chinesische Smartphone-Riese mit seinen Geräten für die Kommunistische Partei spioniert. Nichts weniger als die nationale Sicherheit ist angeblich in Gefahr. Für Oppa und Alibaba gilt das offiziell nicht, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass die US-Regierung auch von diesen Big Playern aus dem Reich der Mitte nicht viel hält. Die mit einem * Markierten haben noch Verträge mit Facebook, die allerdings gerade aufgelöst werden. Die mit ** markierten Firmen werden auch weiterhin Teil der Partnerschaft sein. Sie sollen aber nicht auf Daten von Freunden zugreifen dürfen.

Was ist die 'Data Integration Partnership' überhaupt?

Im Kern der Partnerschaft geht es laut Facebook darum, dass seine Nutzer das bestmögliche Facebook-Erlebnis auf ihren Geräten genießen können. Hersteller erhalten Daten über das Netzwerk und seine Nutzer, um die App und ihre Funktionen besser in ihre Systeme und Betriebssysteme integrieren zu können. Kurz gesagt: Sie programmieren ihre Facebook-Apps und Schnittstellen zu Facebook selbst. Dazu gehören sogenannte 'Hubs', also Funktionen wie die Verknüpfung von Kontakten und Synchronisationsoptionen. Die Ergebnisse wurden dann vom Facebook Engineering Team überprüft und freigegeben, so Zuckerberg.

Es soll also nicht darum gegangen sein, dass Drittfirmen eigene Ziele verfolgen, von denen Facebook nicht sofort etwas weiß, sondern um abgesprochene und kontrollierte Schritte. 36 dieser 52 Partnerschaften sind laut Facebook bereits beendet, sieben weitere sollen ende des Monats auslaufen. Amazon, Apple und eine Non Profit Organisation für ALS-Patienten werden länger als Oktober Teil der Datenpartnerschaft sein, Mozilla, Alibaba und Opera sollen auch langfristig dabei bleiben, um die Browserintegration von Facebook sicherzustellen.

Facebooks Offenbarung: Aha und was heißt das?

Ein junger Mann am Rednerpult

Angespannt wie hier während der Anhörung dürfte Zuckerberg nun nicht mehr sein, immerhin ist seine Strategie aufgegangen, sich aus echten Antworten herauszuwinden. Vorerst.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Ein junger Mann am Rednerpult

Angespannt wie hier während der Anhörung dürfte Zuckerberg nun nicht mehr sein, immerhin ist seine Strategie aufgegangen, sich aus echten Antworten herauszuwinden. Vorerst.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

"Toll, eine Liste!", denkt man sich als erstes. Eine Liste besteht aus Antworten, die nacheinander und schwarz auf weiß dargestellt werden können. Etwas, an dem man Facebook später messen kann und etwas, das sie potenziell festnagelt, wenn es mal wieder so weit sein sollte. Doch viel Aussagekraft hat sie trotzdem nicht. Dass solche Partnerschaften bestehen, dürfte den Kongress- und Senatsmitgliedern klar gewesen sein. Ihnen ging es eher um die Natur der Zusammenarbeit und da sind die Antworten der eigentliche Skandal, nachdem schon keiner mehr kräht, weil es so normal geworden ist. Wir haben jetzt erfahren, dass zusammengearbeitet wurde, aber alles gut überprüft.

Wenn jemand ein Samsunggerät in der Hand hält und darauf Facebook in irgendeiner Form sieht, dürfte er wissen, dass es da eine Zusammenarbeit gibt oder gegeben hat. Die Fragen von Politik und Öffentlichkeit richten sich aber eher auf das, was nicht bekannt ist und es ist zu bezweifeln, ob Zuckerberg diese Liste und die Natur der 'Data Integration Partnership' nicht auch direkt hätte erläutern können - immerhin ist die Nachreichung gerade sehr, sehr dünn. Also warten wir eben wieder auf die nächsten Enthüllungen der New York Times. Wenigstens haben wir jetzt eine Liste, die wir dann damit abgleichen dürfen. Danke, Mark Zuckerberg.

Quelle: The Verge

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