digitale Themen, leicht verständlich.

Gemessen wird an der Qualität der Inhalte

Deutsche Streaming-Plattform für Fernsehsender soll es mit Netflix aufnehmen

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Die ProSiebenSat.1 TV-Gruppe plant einen "deutschen Streaming-Champion", der Netflix, Amazon Prime und Co. die Stirn bieten will. Allerdings nicht im Alleingang, wie Vorstandsvorsitzender Max Conze betont, sondern im besten Fall mit RTL, ARD und ZDF an Bord. Was darf man von diesem Vorhaben erwarten?

Die deutsche TV-Landschaft steckt in einer Sinnkrise. Vielleicht fühlen sie sich ein bisschen an die guten alten 'Tante Emma'-Läden von früher erinnert, die gerade schmerzhaft mitbekommen, dass ihnen die großen amerikanischen Supermarkt-Ketten die Kunden abgreifen - nur eben digital. Das Problem: Statisches Fernsehen ist nicht nur unflexibel, sondern zudem in seiner Mediathekenlandschaft zersplittert und kostet auch noch einen Haufen Geld. Geld, das man vielleicht gerne bereit wäre zu bezahlen, wenn diese um Jahre zurückhängende Technik nicht auch noch zu allem Übel selbstproduzierte Trash-Formate in Dauer- (werbe-)schleife senden würde.

Ich lade hiermit RTL, ARD und ZDF ein, mit uns gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen. Dies ist nur der Beginn unseres Weges.

Max Conze | ProSiebenSat.1

Über den Einsatz von GEZ-Gebühren sowie den Qualitätsunterschied zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privatsendern darf gerne gestritten werden, doch am Ende des Tages sind die ganzen Probleme des TV-Angebots schon lange bekannt und bis ins letzte Detail seziert worden.

Den Anschluss soll nun eine Streaming-Plattform herstellen, die als eine Art deutsches Netflix im besten Fall Privatsender und Öffentlich-Rechtliche unter einem Dach vereint – zumindest, wenn es nach ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzendem Max Conze geht, der den "Startschuss" eines neuen "deutschen Streaming-Champions" einleiten will. "Ich lade hiermit RTL, ARD und ZDF ein, mit uns gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen. Dies ist nur der Beginn unseres Weges".

Sender müssen in die Qualität des Programms investieren

Gemeinsam mit der Sendermarke 'Discovery' will die TV-Gruppe zunächst ihre Dienste '7TV', 'maxdome' und 'Eurosport Player' bündeln und für Anfang 2019 einen Streaming-Sender kreieren, der in den ersten zwei Jahren 10 Millionen Nutzer generieren soll. Geht es nach Conze, möchte man dies jedoch nicht alleine angehen, sondern mit RTL, ARD und ZDF im wünschenswertesten Fall einen geschlossenen Gegenentwurf zu den amerikanischen Playern Netflix, Amazon Prime und Co. anbieten.

Ein umfassendes Entertainment-Paket mit Live-Streaming, einer umfangreichen Mediathek mit hochkarätigen deutschen Inhalten und dem Besten aus Hollywood sowie qualitativ hochwertige Sportübertragungen.

ProSiebenSat.1

Tatort, Sportschau, DSDS' und 'GNTM' im Streaming-Ring gegen 'Stranger Things', 'American Gods' und das Rundum-Wohlfühl-Sportangebot von 'DAZN'? Ein ungleiches Kräftemessen, wissen sicherlich auch die Verantwortlichen, weshalb das deutsche Netflix "digitales Entertainment auf neuem Niveau" anbieten möchte. Dazu zählt eine gut ausgestattete Mediathek mit deutschen Inhalten "und dem Besten aus Hollywood sowie qualitativ hochwertige Sportübertragungen".

Eine große Ankündigung, die man allerdings auch erstmal umsetzen muss. Aktuelle Hollywood-Filme finden sich bei Amazon Prime nach DVD-Release wieder und Serien produziert Netflix mit Summen, von denen deutsche Produzenten nur träumen können. Und Sport? Naja, Champions-League läuft nächste Saison auf Pay-TV-Sender Sky und DAZN – das sagt schon einiges. Selbst wenn es ein Konglomerat aus den genannten Sendern schafft, sich zusammenzuschließen und ein technisch ansprechendes Pendant zu den Streaming-Anbietern zu bauen – was Voraussetzung ist, um Kunden nicht mit mehreren deutschen Anbietern zu überfordern – muss das Programm durch höchste Qualität überzeugen.

Aufreiben an Details oder die dringend benötigte Frischzellenkur?

Es ist begrüßenswert, dass sich die deutsche Fernsehlandschaft erneuern will, doch bereits bei den Bezahlmodellen stellt sich die Frage, ob man überhaupt für diesen Schritt bereit ist. Im Gegensatz zu den Flatrates von Netflix und Amazon soll es einen Mix aus einem "breiten werbefinanziertem Angebot" geben. Darüber hinaus gibt es das "werbefreie Paket zu attraktiven Preisen sowie Premiumpakete mit Zugang zu exklusiven Sportübertragungen und Filmen" - einfach geht halt einfach anders.

Nun argumentiert der ein oder andere vielleicht: "Ich brauche keine Sportübertragungen, deshalb kann ich auf Premium verzichten." Allerdings könnt ihr dann aller Voraussicht nach auch keine Blockbuster schauen, wie man es aus der Ankündigung entnehmen kann. Selbst, wenn es anders geregelt wird: Es ist der gleiche Tarifärger, dem sich bereits Pay-TV-Kunden jährlich aufs Neue stellen müssen.

Ihr merkt schon: So richtig überzeugen kann uns diese Ankündigung noch nicht. Nichtsdestotrotz könnte der Versuch die dringend benötigte Frischzellenkur darstellen, die unsere deutsche TV-Landschaft benötigt. Netflix legt vor, die deutschen Sender ziehen nach und Netflix steigert weiter die Qualität – vielleicht gewinnt am Ende ja der Verbraucher.

Quellen: prosiebensat1.com, mobiflip.de

Hier erfährst du mehr über: Netflix und Video-Streaming

Sag uns deine Meinung!