Gründung in Berlin

Deutsches Internet-Institut: 50 Millionen Euro für die Web-Forschung

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

In Berlin wird das Deutsche Internet-Institut entstehen – das teilten soeben das BMBF und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka mit, die das Projekt mit 50 Millionen Euro finanzieren wollen. Der konkrete Nutzen dieses "Leuchtturm-Projekts" darf im Jahr 2017 indes bezweifelt werden.

50 Millionen Euro macht das Bundesministerium für Bildung und Forschung für ein sogenanntes 'Deutsches Internet-Institut' locker, das laut aktueller Meldung unter Federführung von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka in Berlin errichtet werden soll. Ziel der Einrichtung sei, "die Digitalisierung besser zu verstehen und zum Wohle der Gesellschaft nutzbar zu machen", heißt es in einer früheren Meldung.

"Das Deutsche Internet-Institut wird unabhängig und interdisziplinär die Digitalisierung und ihre Auswirkungen für uns Menschen in den Blick nehmen und in ihrer ganzen Komplexität erforschen."

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka

Interdisziplinäres Team

Forscher aus verschiedenen Disziplinen der Gesellschaftswissenschaften, beispielsweise Geistes-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, sollen am Standort in Berlin fortan umfassend den digitalen Wandel untersuchen und an übergreifenden Fragestellungen zusammenarbeiten. Ziel sei es, Synergien zwischen bestehenden Akteuren zu verstärken und optimal zu nutzen.

Die Entscheidung für das Institut steht schon seit 2014 fest. In der 'Digitalen Agenda 2014 – 2017' der Bundesregierung heißt es: „Ein öffentlich finanziertes Forschungsinstitut wird in einem interdisziplinären Ansatz die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und partizipativen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen." Dabei gelte es, die bestehenden Potenziale der deutschen Forschungslandschaft einzubinden und zu fokussieren. Die Arbeit aufnehmen wollen die Forscher noch im Laufe dieses Jahres.

(@hardtboiled)
50 Millionen Euro für ... was genau?

"Internet-Institut". Klingt komisch, oder? Das liegt einerseits an der Bezeichnung selbst, die sich mit unserer intuitiven Interpretation des World Wide Web so gar nicht deckt: Als würde damit der Versuch unternommen, ein denkbar grenzenloses, wandelbares Medium wie das Internet in ein starres, ortsgebundenes, fast schon elitäres Korsett zu zwängen. Außerdem, und das wiegt ungleich schwerer, sieht vieles danach aus, als würde man im "Internet-Institut" Pionierarbeit an einem Sachverhalt betreiben wollen, den der Rest der Gesellschaft längst gähnend zur Kenntnis genommen hat.

Man könnte jetzt sagen: Besser spät als nie. Datenschutz, Rechtssicherheit, "digitale Alphabetisierung" – wichtige Themen, ohne Zweifel. Doch hätten aufgewendete Mittel und Gehirnschmalz nicht sinnvoller in digitale Infrastruktur (Stichwort: Breitbandausbau auf dem Land / digitale Gangbarmachung hoffnungslos veralteter Behörden und staatlicher Unternehmen) oder in dezentrale Bildungseinrichtungen für Web-Nachzügler investiert werden müssen?

Denn die offiziellen Erklärungen zu Aufgaben und Ziel des Wissenschaftsinstituts lesen sich wie aus dem Baukasten für Polit- und Akademikerphrasen zusammengewürfelt und erscheinen derart unkonkret, dass man schon fast befürchten muss, dass die Bundesregierung einen 50-Millionen-Euro-Elfenbeinturm in Berlin errichtet, in dem zielsicher am Leben und an den Herausforderungen der Digital Natives vorbeigeforscht wird.

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1 Kommentar
Dennis

Wenn das mal kein Fall für "Mario Barth deckt auf" ist. Das Geld kann meiner Meinung nach viel besser woanders Investiert werden. #Neulandforschung... Btw. Nettes Bild ;) Passt wie die Faust aufs Auge :D