Mehr Interaktion, mehr Multimedia

Everipedia: Dieser Wikipedia-Klon bezahlt euch für gute Beiträge

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Everipedia ist eine Alternative zu Wikipedia, die viele Internetnutzer noch nicht auf dem Schirm haben, dabei ist ihr Konzept spannend und die Artikelzahl mit über sechs Millionen (englischen) Einträgen überaus ansehnlich. Jetzt will das Startup aus Kalifornien seine Nutzer per Blockchain dazu motivieren, Beiträge zu bearbeiten.

Everipedia ist hierzulande weitgehend unbekannt, dabei hat es die Wikipedia-Alternative auf sechs Millionen englischsprachige Beiträge gebracht - das ist knapp eine halbe Million mehr als auf Wikipedias englischer Seite. Das Projekt wurde 2014 von der 'Everipedia Incorporation' gegründet und ist anders als Wikipedia keine Non-Profit-Organisation. Die Macher haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Beiträge interaktiver und multimedialer zu machen, als das große Vorbild. So soll es neben Schaubildern und Fotos auch Gifs, Videos und eine Social Media Verknüpfung geben. Im Moment ist davon noch nicht allzu viel zu sehen und die Artikel ähneln jenen auf Wikipedia. Das Konzept jedoch klingt nach einer zeitgemäßen Weiterentwicklung des beliebten Wiki-Prinzips, das doch ein wenig angestaubt und statisch anmutet.

Wikis und ihre Qualität: Das Problem mit der Bearbeitung

Everipedia-Artikel über Sergei Brin

So sieht der angebliche Unterschied zu Wikipedia aus: Es gibt ein paar bunte (Schau-)Bilder und ein Video. Das ist noch zu wenig, um sich deutlich vom großen Vorbild zu unterscheiden. In diesem Beispiel handelt es sich um einen Artikel über Google-CEO Sergei Brin  

Quelle: (Screenshot / Everipedia Inc.)  Everipedia.org 

Everipedia-Artikel über Sergei Brin

So sieht der angebliche Unterschied zu Wikipedia aus: Es gibt ein paar bunte (Schau-)Bilder und ein Video. Das ist noch zu wenig, um sich deutlich vom großen Vorbild zu unterscheiden. In diesem Beispiel handelt es sich um einen Artikel über Google-CEO Sergei Brin  

Quelle: (Screenshot / Everipedia Inc.)  Everipedia.org 

Wer schon einmal versucht hat auf Wikipedia einen Eintrag zu verändern, wird entweder entnervt aufgegeben haben, weil der Vorgang recht komplex ist, oder sich in einer scheinbaren Endlosdiskussion mit Hardcore-Nutzern wiedergefunden haben. Die weltweit größte Online-Enzyklopädie ist nicht immer schnell und die Qualität der Beiträge schwankt stark, da das Review-System eben recht behäbig ist. An diesem Punkt will Everipedia einiges besser machen, indem es finanzielle Anreize für Nutzer bietet, die Artikel bearbeiten. Diese Pläne wurden jetzt publik, da die Macher der populären Kryptowährung 'EOS' in das Projekt eingestiegen sind. Wie viele Tokens es geben wird, wie und wo sie gehandelt werden, welche Banken und Tauschbörsen mitmachen, steht allerdings noch in den Sternen. Auch unklar ist, ob Everipedia EOS nutzen wird, oder beide bloß kooperieren wollen.

Krypto-Tokens als Lösung?

Das Ganze soll so funktionieren, dass eine gewisse Menge an Tokens (manchmal auch Coins genannt) ausgegeben wird, die von Nutzern gekauft werden können. Meist kosten diese ICOs (Initial Coin Offerings) zu Beginn weit unter einem Cent pro Stück. Diese Coins werden dann über Kryptobörsen gehandelt und je mehr Käufer es gibt, desto höher steigt der Preis - so der normale Vorgang. Everipedia hingegen will einen anderen Weg gehen: Bearbeitet ein Nutzer einen Artikel, setzt er einen seiner Token dafür ein, quasi wie eine Wette. Wenn andere Nutzer seinen Vorschlag als sinnvoll und gut bewerten, ähnlich wie das Like-System bei Facebook, bekommt er seinen Token zurück und noch einen als Belohnung dazu. Stellt sich seine Veränderungsidee in den Augen der Community als negativ heraus, verliert er seinen eingesetzten Token.

Handel mit Wissen und der Social Media Meinung

Everipedia will seine Editoren zeitgemäß per Krypto-Token finanziell belohnen - ob sie einen Token erhalten, soll die Community entscheiden ...

Die Frage ist natürlich, ob das gut gehen kann. Der finanzielle Anreiz klingt erst einmal vernünftig, schließlich würde ich mir bei Wikipedia sicherlich auch mehr Mühe beim Kommentieren und Recherchieren geben, wenn ich dafür eine Bezahlung in Aussicht gestellt bekäme. Auch ist es möglich, dass einige Nutzer das Füllen und Redigieren von Everipedia als eine Art Beruf für sich entdecken und so die Geschwindigkeit erhöhen, mit der das Wiki wächst. Andererseits hängt ihr finanzieller Erfolg dann von der Meinung der Community ab, die bewerten darf. Aber: Sind diese Nutzer überhaupt bewandert genug, um diese Wertung vorzunehmen? Oft zeigt sich ja gerade im Social-Media-Bereich, dass auch viel Missgunst untereinander herrscht. Wie sich die interessante Idee von Everipedia in der Praxis bewähren wird, bleibt also abzuwarten. Spannend ist das Konzept allemal.

Für alle die mehr wissen wollen, gibt es hier ein gutes (englischsprachiges) Video, das Everipedia und die neue Krypto-Idee anschaulich erklärt:

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