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Digital Detox: Warum es an der Zeit ist abzuschalten und wie das geht

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Die Tatsache, dass besonders junge Menschen süchtig nach ihrem Smartphone und all den bunten Apps darauf sind, ist nichts Neues. Trotzdem wird das Thema immer aktueller, beherrscht zunehmend den gesellschaftlichen Diskurs und paradoxerweise auch die sozialen Medien. Aber wie sehen die Zahlen genau aus? Und was können wir tun, um der digitalen Abhängigkeit zu entgehen?

Wir verbringen viel Zeit online – so weit, so bekannt. Aber wie viel eigentlich genau? Das lässt sich recht einfach beantworten: durchschnittlich sechs Stunden am Tag. Durchschnittlich – das bedeutet, dass in dieser Statistik im Mittel jeder Mensch zwischen 0 und 99 Lebensjahren sechs Stunden online verbringt, das sind 25 Prozent des Tages und statistisch 40 Prozent der Zeit, die wir überhaupt wach sind. Für die digital-affinere Bevölkerungsgruppe zwischen 14 und 49 Jahren dürfen noch deutlich höhere Werte zugrunde gelegt werden. Doch bleiben wir beim statistischen Mittel von sechs Stunden am Tag.

Davon entfallen etwa 3,3 Stunden auf Zeit an Mobilgeräten, 2,1 Stunden auf Zeit an Desktop-Geräten oder Laptops und 0,6 auf andere. Zum Vergleich: 2008, als Facebook und Twitter bereits populär waren, lag die durchschnittliche Online-Zeit pro Tag noch bei 2,7 Stunden, also deutlich weniger als der Hälfte. Eine mögliche Ursache für diesen Anstieg dürfte neben der gestiegenen Verbreitung des Smartphones und der wachsenden Digitalisierung auch der Siegeszug von Messengern wie WhatsApp sein.

Daten zu Digitalnutzung pro Tag

Nutzung digitaler Geräte pro Tag

(Mary Meeker)  Kleiner Perkins 

Daten zu Internetdurchdringung

Verbreitung des Internets weltweit in Prozent

(Mary Meeker)  Kleiner Perkins 

Daten zu Digitalnutzung pro Tag

Nutzung digitaler Geräte pro Tag

(Mary Meeker)  Kleiner Perkins 

Daten zu Internetdurchdringung

Verbreitung des Internets weltweit in Prozent

(Mary Meeker)  Kleiner Perkins 

Verbreitung des Internets erreicht vorläufigen Endpunkt

Die vorliegenden Daten stammen aus einer jährlich durchgeführten statistischen Erhebung der Firma Kleiner Perkins Caulfield & Byers, die für ihre Investoren regelmäßig Reports zu Internet-Trends vorstellt. Darin weisen sie dieses Jahr auch darauf hin, dass das Internet mit nun 49 Prozent weltweiter Verbreitung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, der bei etwa 50 Prozent ins Stocken geraten wird, aus Gründen wie fehlendem Zugang und Armut.

Kurz gesagt: Wer sich einen Zugang zum weltweiten Datenstrom leisten kann, wird ihn in Kürze auch haben und der Rest der Weltbevölkerung wird weiterhin abgenabelt bleiben, weil kaum Veränderungen in der Verteilung des Reichtums zu erwarten sind. Die Verfasser der Studie gehen im Zuge dieser ‚Marktsättigung‘, wenn man so will, davon aus, dass sich der Trend des ‚immer mehr online‘-Seins dann umkehren könnte. Ähnlich wie bei der Nutzung des Fernsehers geht man wohl davon aus, dass bei einem neuen Produkt irgendwann eine Sättigung einsetzt und sich der Trend dann langsam umkehrt oder auf neue Dinge konzentriert.

6 Stunden am Tag online – was macht das mit uns?

Die Folgen von ‚Smartphone-Sucht‘ werden seit Jahren diskutiert und sind immer wieder Aufhänger verschiedener Talk-Formate und (Online-)Magazine. Dazu gehören klingelnde Kassen bei Physiotherapeuten, weil der ständig nach unten gebeugte Nacken (‚Text-Neck‘) zu Fehlhaltungen und Verspannungen führt. Dazu gehören aber auch höhere Risiken für Depressionen, Sehnenscheidenentzündungen, Einschlafprobleme und Schlafstörungen, Smartphone-Akne (kein Witz!), durch Bakterien, die vom Display über die Finger ins Gesicht gelangen oder Augenprobleme wie Kurzsichtigkeit.

Aber auch viel drastischere Folgen wie Tumorerkrankungen durch Handystrahlen werden mittlerweile ernsthaft diskutiert und wissenschaftlich untersucht, während sie früher noch müde belächelt wurden. Hinzu kommen natürlich sozial-gesellschaftliche Folgen wie nachlassende kommunikative Fähigkeiten, Vereinsamung und die fehlende Fähigkeit, abzuschalten. Alle Zeichen stehen auf ‚Warnung‘, was die kollektive Smartphone-Sucht der Gesellschaft 2.0 angeht.

Digital Detox: Der neue Trend der Smartphone-Geschädigten?

7-Tage Plan zur Digitalen Detox

So sieht der 7-Tage-Plan von Popsugar gegen Smartphone Sucht aus.  

Quelle: (Benjamin Stone)  Popsugar.co.uk 

7-Tage Plan zur Digitalen Detox

So sieht der 7-Tage-Plan von Popsugar gegen Smartphone Sucht aus.  

Quelle: (Benjamin Stone)  Popsugar.co.uk 

‚Digital Detox‘ heißt ein neuer Trend, also die Entwöhnung vom Digitalen. Was klingt wie eine Wellnessbehandlung, soll ähnlich wie ein Alkoholentzug durch konkrete Schritte im Alltag dazu führen, dass wir uns weniger von unseren Geräten abhängig machen und gesundheitliche Folgeschäden reduzieren oder loswerden können. Mittlerweile boomen entsprechende Selbsthilfebücher in den Buchläden sowie bei Amazon und immer mehr Blogs und Magazine befassen sich mit dem Thema.

Das beliebte Online-Portal ‚Popsugar‘ hat beispielsweise einen ‚Digital Detox Wochenplan‘ entwickelt, mit dessen Hilfe sich jeder Betroffene (und das sind laut obiger Statistik wir alle) durch einfache Verhaltensänderungen besonders von Smartphone und sozialen Netzwerken entwöhnen kann. Seit der Grundschule liebt schließlich jeder von uns Wochenpläne zum Abhaken, oder? Vielleicht gibt es ja eine App, mit der wir unseren Digital Detox Erfolg festhalten und kontrollieren können … Und so sieht der Plan von Popsugar aus:

Digital Detox im Selbstversuch: Schwarzweiß und leise

Ich selbst habe den Wochenplan noch nicht ausprobiert, werde das aber aufgrund seiner Beliebtheit direkt nachholen. Einige der Punkte kenne ich bereits, da mich das Thema ‚Digital Detox' schon eine Weile beschäftigt. Beispielsweise, das Smartphone nicht vor dem Schlafen zu nutzen (mindestens eine Stunde vorher nicht mehr), hat meinen Schlaf deutlich verbessert. Außerdem habe ich Pushnachrichten für sämtliche Apps seit längerer Zeit ausgeschaltet und bereits nach wenigen Tagen bemerkt, dass meine Gedanken sich dadurch deutlich weniger um Facebook, WhatsApp und Co drehen. So richtig geholfen hat mir allerdings ein Tipp, der nicht bei Popsugar auftaucht: Das Smartphone in den Schwarz-Weiß-Modus zu schalten.

Es ist erstaunlich, wie wenig ansprechend der kleine Supercomputer in der Hosentasche plötzlich ist, wenn Apps, Nachrichtenfenster und Fotos nicht mehr farbig, sondern schwarz-weiß gehalten sind. Ich scrolle seither weniger durch Facebook-Feeds, denke weniger über den richtigen Smiley in der richtigen Situation nach und konzentriere mich tatsächlich auf Inhalte und Problemlösungen statt auf das reine Totschlagen von Lebenszeit, was wirklich ein Gewinn ist. Darüber hinaus sind Graustufen besser für das Auge, ermüden es nicht so schnell und stören weniger den Schlaf.

In den Schwarz-Weiß-Modus wechselt ihr so:

  1. Android: Einstellungen - Über das Telefon - 8-10 mal auf die Build Nummer klicken, um Entwickleroptionen sichtbar zu machen - Einstellungen - Entwickleroptionen - Farbraum simulieren - ‚Deaktiviert‘ auf ‚Einfarbig‘ ändern.
  2. iOS: Einstellungen - Allgemein - Bedienungshilfen - Display-Anpassung - Farbfilter - Graustufen

Quellen: theoutline.com, popsugar.co.uk, tag24.de

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