Kaspersky Studie zum Online-Ableben

Digitaler Nachlass: Damit das Online-Ich nicht weiterlebt

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Was passiert eigentlich mit meinen Accounts, wenn ich das zeitliche segne? Laut einer aktuellen Studie kümmern sich viel zu wenige Internetnutzer zu Lebzeiten um den digitalen Nachlass. Dabei kann jeder in wenigen Schritten für einen würdevollen Fortbestand - oder das Ableben - des digitalen Ichs sorgen.

"Wenn ich draufgehe, löscht meinen Browser-Verlauf!" So oder ähnlich haben einige von euch womöglich schon im Scherz den eigenen digitalen Nachlass kommentiert. Wirklich detailliert beschäftigt haben sich die Deutschen mit der Verwaltung des digitalen Ichs nach dem eigenen Ableben aber nicht. Das jedenfalls zeigt eine aktuelle Studie von Statista und Kaspersky Lab: Demnach haben 75 Prozent der 500 befragten Internetnutzer noch gar nicht über dieses zugegebenermaßen unangenehme Thema nachgedacht.

Zusatzbelastung für Hinterbliebene vermeiden

„Für Erben wäre es von großer Wichtigkeit, das digitale Leben Verstorbener soweit wie möglich vor Missbrauch zu bewahren"

Holger Suhl, Kaspersky Lab, General Manager DACH

Das ist durchaus sonderbar, denn diese Thematik ist heute so aktuell wie nie: Fast 30 Millionen Deutsche haben heute allein einen Account bei Facebook - zwei Drittel davon nutzen diesen täglich. Laut genanter Studie ist es zudem nur sechs Prozent egal, was nach ihrem Tod mit diesem und anderen Online-Accounts geschieht.

Doch nicht nur um seiner selbst Willen ist die Beschäftigung mit der postmortalen digitalen Identität wichtig, auch den Hinterbliebenen wird dadurch so mancher zusätzlicher Kummer erspart: "Wer Passwörter für den Zugang zu digitalen Konten nicht hinterlässt, macht es seinen Erben nicht einfach. So gehen etwa alle kostenpflichtigen Mitgliedschaften des Verstorbenen auf Erben über", erklärt Holger Suhl, General Manager DACH bei Kaspersky Lab.

Zugriffsrechte schriftlich festhalten

Ergo: Auch wenn die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit sicherlich unangenehm ist, wichtig ist sie allemal. Damit alles so reibungslos wie möglich vonstattengeht, haben die Sicherheitsexperten einige Tipps für euch parat:

  • Hinterlegt sämtliche Zugangsdaten zu E-Mail-Diensten und sonstigen Accounts in eurem Testament und bestimmt, welcher Personenkreis Zugriff erhalten darf.

  • Auch in der Vorsorgevollmacht können die Daten bestimmt werden, auf die Angehörige Zugriff erhalten sollen. Hier kann auch geregelt werden, welche Abos ggf. nach dem Tod gekündigt werden sollen.

  • Viele Anbieter bieten mittlerweile auch eigene Dienste zur Nachlassverwaltung an. Bei Google beispielsweise kann schon zu Lebzeiten eine Löschung des Accounts nach einer gewissen Zeitspanne der Inaktivität eingerichtet werden. Facebook ermöglicht zudem die Bestimmung eines offiziellen Nachlassverwalters.

Übrigens: Den eingangs erwähnten Browserverlauf mit möglicherweise brisanten Hinweisen zu besuchten Webseiten zu löschen ist in den gängigen Webbrowsern ganz einfach über die Einstellungen im Bereich Datenschutz möglich. Wer komplett anonym surfen will, der startet vor jeder Session einfach den sogenannten privaten Modus. Unter Firefox ruft ihr diesen mit der Tastenkombination [Strg] + [Umschalt (Shift)] + [P] auf, in Chrome mit [Strg] + [Umschalt (Shift)] + [N].

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