Zuckerberg kündigt Kurswechsel an

Ein neues Facebook - Verschlüsselte Chats sind die Zukunft

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von Julius Zunker -

Mark Zuckerberg gilt nicht als der kommunikativste unter den Tech-Magnaten. Zuletzt äußerte er sich mit guten Vorsätzen Anfang Januar, nun kündigt er eine 180-Grad-Wende des eigenen Unternehmens an. Sollten seine Ansagen Realität werden, wird sich das Angesicht von Facebook für immer wandeln.

Erstaunen macht sich auf dem US-Techmarkt breit, denn Mark Zuckerberg hat sich zu Wort gemeldet. Allein dass sich der Facebook-Chef äußert, ist schon selten - und dabei hatte er im Januar angekündigt sich in Zukunft deutlich häufiger mit Botschaften zu melden. Nun jedenfalls gibt es einen neuen Blog-Post von ihm, der nicht allen schmeckt. Sein ehemaliger Sicherheitschef Alex Stamos kommentiert den Post in 13 einzelnen Tweets und wünscht sich derlei von Zuckerberg vor bereits 2 Jahren gelesen zu haben.

"Dorfplatz Facebook" war gestern

Zentraler Punkt Zuckerbergs Aussagen ist das Thema Verschlüsselung. So soll in Zukunft der Fokus nicht mehr auf Statusmeldungen liegen, sondern auf verschlüsselten Nachrichten - Kommunikation zwischen einzelnen Usern oder kleinen Gruppen soll Facebooks Zukunftsgeschäft werden. Die Verschlüsselung soll dabei sicherstellen, dass nicht mal Facebook selbst den Inhalt einsehen kann.

Zuckerberg meint dazu: "Denke ich über die Zukunft des Internets nach, dann bin ich davon überzeugt, eine Plattform der Kommunikation, mit dem Fokus auf Privatsphäre, wichtiger werden wird als die heutigen, offenen Netzwerke." Für sein Unternehmen entspricht dies einer gravierenden Kurswende. Facebook würde sich von einem Netzwerk der Öffentlichkeit zu einer Sammlung privater Netzwerke wandeln, zu uneinsehbaren Chats, deren Inhalte nach dem Ablauf bestimmter Fristen sogar komplett gelöscht werden könnten.

Gebrochene Versprechen

Dieser Kurswechsel wirkt dabei allerdings ein wenig verzweifelt. Facebook hat in den letzten Monaten Federn gelassen und viele Mitglieder verloren. Die Versprechen der vergangenen Jahre um mehr Transparenz und Datenschutz wurden kaum eingelöst, stattdessen verstrickte sich die Mutter aller sozialen Netzwerke in zahlreiche Skandale. Zuckerberg versucht nun erneut auf seine Kritiker zuzugehen und gibt sich reumütig: Facebook habe keinen guten Ruf, wenn es um Datenschutz und Privatsphäre geht, aber auch gezeigt, sich weiterentwickeln und verändern zu können - und das Nachrichten immer zum Kerngeschäft gehört haben.

Denke ich über die Zukunft des Internets nach, bin ich davon überzeugt, dass eine Kommunikationsplattform mit Fokus auf Privatsphäre wichtiger werden wird als die heutigen, offenen Netzwerke.

Mark Zuckerberg

Zuckerbergs Post ist umfangreich. In der Länge kratzt er an 3.200 Worten. Unterm Strich macht der Facebook-Häuptling deutlich: Chats sind nun die Königsdisziplin. Facebooks eigener Messenger, WhatsApp und Instagram werden vereint - zumindest auf der technischen Seite. In vielen Belangen erinnert sein Vorhaben an vergleichbare aus dem Blockchain-Bereich. Hier liegt der Fokus schon seit Jahren auf geschlossenen Netzwerken, die sich gut verschlüsselt und geheim miteinander verbinden können.

Nur hatte Zuckerberg sowohl seinen Angestellten als auch den Usern ständig zugesichert, dass Instagram und WhatsApp getrennt bleiben würden. Eine zusammengelegte Infrastruktur bedeutet eigentlich schon einen Teilbruch dieses Versprechens. Obendrein lässt Zuckerbergs Post Erinnerungen an vergangene Aussagen wach werden. Im Streit um den hauseigenen Datenschutz hatten im Frühling des letzten Jahres die WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton das Unternehmen verlassen. Im Herbst folgten ihnen die Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger nach einem Streit über die Unabhängigkeit Instagrams von Facebook.

Die Versprechen sind also mehr als kritisch zu betrachten. In der Vergangenheit hatte Facebook mehr als einen Konflikt mit Aufsichtsbehörden und Datenschützern. Obendrein vertrat Zuckerberg bis zu diesem Post stets die Meinung, dass Menschen alle nur erdenklichen Details über ihr Leben öffentlich machen wollen.

Kalkül oder Verzweiflung?

Der nun angekündigte Kurswechsel - hin zur Verschlüsselung, weg aus der Öffentlichkeit - zu einem engen Netzwerk, wirkt in sich so schlüssig wie verzweifelt. Teile davon tragen lange Planung in sich - sie wirken aber auch überstürzt und verzweifelt. Zuckernberg scheint im Post selber mit seinen Worten zu ringen und schlägt selbstkritische Töne an. Doch in den Augen einiger Kritiker dürften diese zu spät kommen - oder für unternehmerische Kalkül in Zeiten starken Gegenwinds.

Quelle: facebook.com

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