Mit Anti-Beißreflex und Sonntagszeitung

Entgeht der digitalen Schlachtbank: So schützt ihr euren Ruf in sozialen Medien

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

2019 finden die Oscars erstmals seit langem ohne einen echten Moderator statt, weil Komiker Kevin Hart seine alten Tweets auf die Füße fielen. Doch was benötigt es überhaupt, um in sozialen Medien negativ aufzufallen? Kann das auch uns Normalsterblichen passieren und wie schützt man sich vor Fehlern, die nicht nur am privaten, sondern auch am beruflichen Ruf kratzen?

Wenn sich Stars und Sternchen am Abend des 25. Februars bis in die letzten Haarspitzen aufbrezeln, um an der 91. Oscar-Verleihung teilzunehmen, werden die Anwesenden seit einer gefühlten Ewigkeit auf die Dienste eines Moderators verzichten müssten. Denn der, der eigentlich wortgewandt, charmant und gut gelaunt durch den Abend leiten sollte, musste die Rolle des Gastgebers kurz nach Bekanntgabe schon widerrufen.

Was war passiert? Kaum war Kevin Hart - seines Zeichens Komiker und Schauspieler - als Host der alljährlichen 'Acadamy Awards'-Preisverleihung bekanntgegeben worden, machten alte Tweets aus 2009 die Runde, in denen er sich in gewohnt derber Art witzelnd gegenüber der LGBT-Community äußerte.

Die Bewertung seiner Äußerungen überlassen wir an dieser Stelle anderen, doch macht die Situation deutlich, wie uns frühere Posts in sozialen Medien auf die Füße fallen können - selbst nach Jahren, die dazwischen liegen.

Drei Punkte, die euch im Zweifel vor Fehlern bewahren

Wenn ein Angestellter eines Unternehmens in sozialen Medien mit Hass um sich wirft, kann dies das Angestelltenverhältnis aus Sicht des Unternehmens negativ beeinflussen - besonders wenn es sich um Führungskräfte handelt.

Jessica Nunez | CEO TruePoint Communications

Die Webseite Entrepreneur.com nahm den Fall Harts als exemplarisches Beispiel dafür, wie schnell ein Ruf kippen kann, wenn man soziale Medien als Kommunikationsmittel "zu unachtsam" verwendet. Dabei geht es nicht darum, ob die Anschuldigungen gegen Kevin Hart nun gerechtfertigt sind oder nicht, sondern vielmehr darum, wie sich ein falsches Social-Media-Engagement negativ auf das private und berufliche Leben auswirken kann.

Wohlmöglich haben die Tweets Kevin Harts berufliches Highlight vermasselt - doch man muss nicht berühmt sein oder im Rampenlicht stehen, um ganz allgemein in die Social-Media-Falle aus vorschnellen Posts und unbedachten Äußerungen zu tappen. Damit uns sowas nicht auch passiert (zumindest nicht aus Unachtsamkeit), haben wir die (auf den beruflichen Kontext bezogenen) Punkte von Entrepreneur.com zum Anlass genommen und sie etwas konkreter auf den Alltag bezogen.

Kämpf keine aussichtslosen Kämpfe

Wo soziale Medien wie Facebook, Google+ oder Twitter einst Orte waren, an denen sich Personen austauschten, diskutierten und kontrovers argumentierten, sind es heute (vor allem im öffentlichen News-Stream) Plattformen für toxische Konversationen und dem Beharren auf der eigenen, unreflektierten Meinung. Dies ist natürlich nicht immer und überall der Fall, aber die Diskussionskultur hat in den vergangenen Jahren vor allem online deutlich gelitten.

Natürlich lohnt es sich immer für das Richtige einzutreten, allerdings sind soziale Medien der falsche Ort, um auf die Einsicht des Gegenübers zu hoffen. Wie es der Artikel so treffend beschreibt: "In sozialen Medien zu streiten ist oft sinnlos. Es ist unwahrscheinlich, dass du die Meinung der anderen Person änderst. Selbst kannst du aber deine eigene Zukunft durch einen unbedachten Beitrag oder Kommentar gefährden."

Die Konsequenz daraus scheint unbefriedigend - gerade, weil man Personen mit falschen Ansichten nicht einfach kampflos den Ring überlassen sollte. Doch geben wir dem Artikel von Entrepreneur.com in gewisser Weise Recht, dass man nicht für jeden dummen Kommentar und für jedes unbedeutende Thema in die Diskussions-Arena steigen sollte. Es lohnt sich schlichtweg nicht.

Der Beißreflex ist stark! Vertraue ihm nicht

Dieser Tipp beschränkt sich nicht auf soziale Medien, kann aber im Zweifel davor schützen, dass man etwas ins Internet setzt, was man so "überhaupt nicht meinte". Denn wenn ihr euch von einem Kommentar getriggert fühlt und sofort etwas erwidert, reagiert man gerne überhastet und aus der Emotionalität heraus. Besser scheint es, sich einen Moment Zeit zu nehmen, das Gemüt runterzukühlen und die Wortwahl weniger aufgeladen zu formulieren.

Im Beispiel ist von 24 Stunden die Rede, die man erst vergehen lassen sollte, bevor man antwortet. Im privaten Kontext vielleicht etwas arg lange, denken wir - gerade für ein so schnelllebiges Medium. Doch generell können wir dem Punkt viel abgewinnen. Wenn es euch nach 24 Stunden immer noch unter den Nägeln brennt, obwohl ihr bereits Dampf abgelassen habt, scheint es ein Anliegen zu sein, für das ihr eintreten solltet - dann aber mit der nötigen Ruhe und der richtigen Wortwahl.

Sind eure Kommentare und Posts reif für die Titelseite?

Vieles, was online und auf sozialen Medien abläuft, scheint nur einen temporären Charakter zu haben - gerade Posts und Kommentare unter banalen Themen, von denen der News-Stream nur so überzulaufen scheint. Doch so banal es sich anhört: Das Internet vergisst nicht! Niemand kann im Vorfeld bemessen, wie die langfristigen Auswirkungen eures Posts zu einem scheinbar unbedeutendem Post sein werden. Vielleicht habt ihr das Thema unter falschen Gesichtspunkten interpretiert, vielleicht ändert sich die Faktenlage oder vielleicht ändert sich schlichtweg eure Haltung durch einen anderen Blickwinkel - das sollte bedacht werden, damit es euch nicht irgendwann um die Ohren fliegt.

Der dritte Punkt des Artikels schlägt deshalb den "Sunday Paper Test" vor, bevor man seinen nächsten Social-Media-Post absetzt. Man stelle sich vor, der Eintrag würde auf dem Titelblatt der sonntäglichen Zeitung erscheinen - für jeden Bekannten und Freund schwarz auf weiß sichtbar, mit allen Konsequenzen. Und, fühlt sich der genervte Halbsatz über die Fußballmannschaft oder die schnelle Meinungsäußerung über das politisch hoch brisante und heiß diskutierte Thema immer noch gut an? Dann ab dafür!

Sonst besser lassen, denn: Orte wie Facebook sind digitale Brüllbuden, wo man sich hinstellt und seine Meinung in die Welt rausbläst - wie der gute alte Marktschreier, der seine Würstchen oder Obstschalen unter die Leute bringen will.

Wärt ihr im Nachhinein auch noch stolz darauf, wenn euch in fünf Jahren Bekannte auf die exzessiven Party-Fotos vom "krassesten Festival EVER!!" ansprechen? Die Frage muss sich jeder selbst beantworten und ist an dieser Stelle völlig wertfrei, denn schließlich bestimmt ihr allein, wie euch andere Leute wahrnehmen dürfen und sein wir mal ehrlich: Jung war schließlich jeder und wer ohne Sünde ist... ihr wisst schon. Aber wenn ihr Probleme mit dem Gedanken habt, die Party-Fotos ans schwarze Brett in der echten Welt zu nageln, habt ihr euch die Frage vielleicht schon selbst beantwortet: Warum dann das Gleiche online machen?

Nur, weil euch die Option von den Online-Plattformen angeboten wird? Steht dazu oder denkt im Vorfeld an die Sonntagszeitung.

Quelle: entrepreneur.com

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