Bald ab 16?

EU will Mindestalter für soziale Netzwerke festlegen

Foto von Sandra Eichhorn

von Sandra Eichhorn (@sandra_rockt)-

Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. – wird für alle Social-Media-Kanäle bald ein Mindestalter festgelegt? Noch kurz vor dem Jahreswechsel hat die EU neue Vorschläge zu dem Thema erarbeitet, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zeitnah abgenickt werden. Das Mindestalter wird dann zwischen 13 und 16 liegen.

EU-Kommission plädiert für Mindestalter

Liken, teilen, posten – soziale Medien gehören einfach zum Alltag. Immer früher greifen auch die Jüngsten schon regelmäßig zum Smartphone und geben damit den Netz-Giganten wie Google und Facebook die Erlaubnis, ihre Daten zu sammeln. Und das oft, ohne zu wissen, was das schnell gesetzte Datenschutz-Häkchen eigentlich für Konsequenzen hat.

Um das genaue Alter festzustellen, müssten die Netzwerke schlimmstenfalls die Identitäten ihrer Nutzer überprüfen

Die letzten Regeln wurden 1995 erlassen und von jedem Land anders umgesetzt. Das war lange, bevor Instagram oder Pinterest ihren Durchbruch feiern konnten und die aktuelle Jugendschutz-Problematik überhaupt relevant geworden ist. Die großen Internetfirmen haben die Lücken im Gesetz ausgenutzt und sich dort niedergelassen, wo der Datenschutz am laschesten gehandhabt wurde – zum Beispiel nach Irland, wo Facebook seinen Europasitz hat.

Nutzung sozialer Netzwerke nur mit Zustimmung der Eltern?

Die Unterhändler des Europäischen Parlaments und die EU-Mitgliedsstaaten haben sich nun auf folgenden Kompromiss geeinigt: Das Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Kanälen soll ab 2018 bei 16 Jahren liegen. Allerdings können die EU-Länder selbst entscheiden, ob sie die Grenze auf 13 herabsetzen. Dann müssten die sozialen Netzwerke jedoch das Alter überprüfen und, sollten die User nicht alt genug sein, das Einverständnis der Eltern einholen. Das geht zumindest aus Unterlagen hervor, die der FAZ vorliegen sollen.

Doch was heißt das konkret? Um das genaue Alter festzustellen, müssten die Netzwerke schlimmstenfalls die Identitäten ihrer Nutzer überprüfen – und das wäre so viel mehr Datensammelei als bisher. Vor allem aber könnte das dazu führen, dass man sich nur noch mit Klarnamen anmelden kann. Pseudonyme und der letzte Hauch von Anonymität im Netz wären dann Schnee von gestern.

Umsetzung scheint sehr sicher

Die zuständigen Gremien müssen den Kompromiss noch absegnen. Aus verschiedenen Quellen heißt es aber, dass es dabei sehr wahrscheinlich nicht zu Schwierigkeiten kommen werde. Sollten sich die Konzerne dann nicht an die neuen Datenschutz-Richtlinien halten, drohen saftige Strafen in Höhe von bis zu 4% des Jahresumsatzes. Für Google wäre das eine Strafe in Milliardenhöhe (Umsatz 2014: ca. 66 Milliarden US-Dollar). Ein solches Lehrgeld wird kaum ein Unternehmen zahlen wollen.

Bild: Helene Souza/pixelio.de

Sag uns deine Meinung!

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf Netz.de!

Das könnte dich auch interessieren!
Werbung
Ab ins Netz mit dir