Gericht lässt Sammelklage zu

Facebook auf der Anklagebank: Scannt das soziale Netzwerk Privatnachrichten?

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von Sandra Eichhorn (@sandra_rockt)-

Der Social-Media-Gigant steht derzeit in Kalifornien vor Gericht. Der Vorwurf: Facebook soll durch das Scannen von Privatnachrichten und das Speichern dort verschickter Links Datenschutzgesetze missbraucht haben. Die Kläger behaupten, es könne nicht sichergestellt werden, dass die Daten anonym behandelt werden.

Datenmissbrauch für Marketingzwecke?

Die Klage dreht sich um die bei Facebook angeblich gängige Praxis, dass Links, die über den Messenger verschickt werden, gescannt und gespeichert werden. Diese Vorgehensweise kann auch sinnvolle Zwecke erfüllen, zum Beispiel den Schutz vor Malware und die Überprüfung auf Kinderpornografie – darüber hinaus könnten diese Daten aber auch für Marketingzwecke missbraucht werden.

Facebook bietet Werbetreibenden die Möglichkeit, ihre Zielgruppen sehr genau zu definieren. Die besonders zielgerichtete Werbung ist eine sehr gut funktionierende Geldmaschine, die auf einer unvorstellbaren großen Menge an Userdaten basiert. Facebook weiß ganz genau, für was sich welcher User interessiert – und setzt dieses Wissen gekonnt bei der Ausspielung von Werbeanzeigen ein.

Die Anklageschrift

Ein Ausschnitt der Anklageschrift.  

Quelle: (Screenshot)  Northern California District Court 

Die Anklageschrift

Ein Ausschnitt der Anklageschrift.  

Quelle: (Screenshot)  Northern California District Court 

Jetzt wird der Social-Media-Riese verklagt, weil er scheinbar auch Privatnachrichten nutzt, um Daten zu sammeln. Der Fall wird derzeit vor dem Northern California District Court verhandelt. Alle URLs, die privat verschickt werden, werden der Anklage zufolge in einer Datenbank abgespeichert. Die Kläger behaupten, Facebook verstoße damit gegen geltende Datenschutzgesetze. Facebook setzt dem entgegen, dass alle erhobenen Daten anonymisiert und in Aggregaten zusammengefasst werden, sodass keine Rückschlusse auf User gezogen werden können.

Anwälte versuchen Vorwürfe zu entkräften

Dem Gericht liegt allerdings eine Analyse vor, der zufolge in dieser Datenbank die URLs gemeinsam mit den User-IDs abgespeichert werden. Die Kläger behaupten, dass Facebook-Mitarbeiter somit jederzeit die Möglichkeit hätten, verschickte Links ihren Absendern zuzuordnen – sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, hätte das mit Anonymisierung tatsächlich nicht mehr viel zu tun. Die Facebook-Anwälte bezeichnen diesen Vorwurf The Verge zufolge allerdings als "spekulativ".

Bislang ist unklar, wie einfach es ist, die Daten den zugehörigen Usern zuzuordnen. Facebook sagt, die Methode ist "vergleichbar mit einer Bestseller-Liste der New York Times" – man erhebe nur anonymisierte und zusammengefasste Daten, die dazu dienen, die Popularität eines Themas zu erkennen. Ob diese Praxis tatsächlich gegen Datenschutzbestimmungen verstößt, wird sich noch herausstellen. Das Gericht hat einen Anspruch der Kläger auf Schadensersatz zwar ausgeschlossen, die Sammelklage allerdings zugelassen. Ende Juni wird die Verhandlung fortgesetzt.

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