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Aus für Cambridge Analytica

Facebook geht nach Skandal um Wählermanipulation durch Trumps Team in Offensive

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Der Vorwurf wiegt schwer: Cambridge Analytica, ein britisches Unternehmen, das mit Facebook-Daten arbeitet, scheint über 50 Millionen Profile von Facebooknutzern kopiert und ausgewertet zu haben, um Trump zum Wahlsieg und Russland bei der Verbreitung von Fake News zu verhelfen. Facebook gibt sich empört und setzt nun erste scheinbare Konsequenzen um.

Seit dem Wochenende ist Donald Trump (mal wieder) in den Schlagzeilen. Eigentlich ist das aufgrund der inflationären Häufigkeit, mit der das geschieht, nichts Neues. Doch dieses Mal geht es nicht nur um ihn, sondern auch um Facebook, Russland und eine halbseidene Firma aus England. Alles fing am Freitag an, als FBI-Sonderermittler Robert Mueller im Zusammenhang mit seinen Ermittlungen in der Russland-Affäre die bislang eher im Schatten operierende britische Firma 'Cambridge Analytica' zur Herausgabe interner Dokumente aufforderte, mit denen er offenbar Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland aufdecken möchte. Durch die Medienaufmerksamkeit wurde auch Facebook hellhörig und gab dann zu, dass die Firma über 50 Millionen Profile durch zweifelhafte Methoden auswerten konnte.

Cambridge Analytica: Ein Whistleblower deckt den Skandal auf

Über eine Facebook-App konnte Cambridge Analytica heimlich und rechtlich umstritten an die Nutzerdaten von 50 Millionen amerikanischen Facebook-Nutzern gelangen und gezielte Wahlwerbung für Trump schalten.

Es war Christopher Wylie, ein ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, der den Datenmissbrauch seines ehemaligen Arbeitgebers aufdeckte: Die Firma entwickelte die Facebook-App 'Thisismydigitallife', die ihren Nutzern persönliche Profile unter Angabe einiger Daten anbot. Was die User aber vermutlich nicht wussten: In verklausulierten Nutzungsbedingungen erklärten sie sich damit einverstanden, dass auch auf deren Freunde und deren Daten zugegriffen wird. Insgesamt konnte Cambridge Analytica so nach 270.000 App-Downloads insgesamt 50 Millionen Nutzerprofile ausspähen und an den Meistbietenden verkaufen: In diesem Fall offenbar Donald Trumps Team und Russland. 'Third Party Consent' nennt sich dieser Vorgang und ist eine rechtliche Grauzone: Zwar wird über die Zustimmung eine gewisse Rechtssicherheit gewährleistet, doch die Freunde der App-Nutzer haben ihnen nicht zugestimmt und wurden trotzdem ausgewertet.

Von Wylie entwickeltes Verfahren, das von Trump-Spender finanziert wurde

Wylie selbst entwickelte nach Erhalt dieser Daten einen Algorithmus, mit dem sich Wahlverhalten und Meinungen analysieren und vorhersagen lassen. Mit einem programmierten Modell wurde dann gezielte Wahlwerbung geschaltet, um die Wählergunst in Donald Trumps Richtung zu verschieben. Das Ergebnis kennen wir heute. Finanziert wurde die Muttergesellschaft von Cambridge Analytica, der 'SCL Group', die von Trump-Unterstützer Robert Mercer satte 15 Millionen Dollar erhielt. Später prahlte Firmenchef Alexander Nix gar damit, auch weitere Tricks und sogar Prostituierte einsetzen zu können, um zum Erfolg zu gelangen. Er deutete in einem von britischen Journalisten undercover gefilmten Video sogar an, noch weitaus "schlimmere" Dinge als Datenmissbrauch auf Lager zu haben. Das entsprechende Video seht ihr hier:

Facebook wusste von dem Skandal und versuchte zu vertuschen

Wylie deckte aber nicht nur die Machenschaften seiner ehemaligen Firma auf, sondern auch die von Facebook selbst: Seit 2015 wusste Zuckerbergs Unternehmen davon, bat um Löschung der Daten nach ihrer Nutzung, tat sonst aber nichts. Sogar vor den Veröffentlichungen über den Skandal durch den Guardian und die New York Times Ende letzter Woche soll Facebook versucht haben, sie per Klage daran zu hindern - das plauderte am Montag Guardian-Redakteurin Carole Cadwalladr aus. Die Folge: Nicht nur Robert Mueller, sondern auch das EU-Parlament untersuchen jetzt Facebooks mögliche Komplizenschaft. Erst am Wochenende gab der Social Media Konzern zu, dass es überhaupt zu dem 'Problem' gekommen sei.

Zuckerberg reagiert nach drei Jahren

Mark Zuckerberg

Nicht mit Ruhm bekleckert: Reaktion nach drei Jahren und dem Versuch der Vertuschung in Form einer Klage gegen den Guardian.  

Quelle: (Frederic Legrand - COMEO)  Shutterstock.com 

Mark Zuckerberg

Nicht mit Ruhm bekleckert: Reaktion nach drei Jahren und dem Versuch der Vertuschung in Form einer Klage gegen den Guardian.  

Quelle: (Frederic Legrand - COMEO)  Shutterstock.com 

Jetzt endlich scheint das PR-Debakel so groß zu sein, dass sich Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg zum Handeln gezwungen sieht: Die Zusammenarbeit mit der SCL Group und damit auch Cambridge Analytica und Trumps nach wie vor aktuellen Social Media Beratern wurde jetzt bis auf weiteres "ausgesetzt". "Ausgesetzt" wohlgemerkt, nicht beendet. Facebook möchte nach eigenen Angaben die Möglichkeit offenhalten, dass die Beschuldigten sich in Zukunft an ihre Richtlinien halten und erneut operieren können - dieses mal natürlich ganz legal. Interessant ist übrigens, dass Mueller offenbar herausgefunden hat, das Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, den Kontakt zu der Firma mit den zweifelhaften Geschäftsmethoden hergestellt hat. Als wäre das nicht genug wurde jetzt auch bekannt, dass der ehemalige Chefberater Steve Bannon einmal Vize-Präsident von Cambridge Analytica war. Die Schlinge um den Präsidenten und sein engstes Umfeld scheint sich also immer weiter zuzuziehen.

Facebook-Aktien stürzen ab, Klagewellen erwartet

In Folge des Skandals, an dessen Anfang wir erst stehen, lässt sich bereits an der Börse absehen: Innerhalb weniger Tage verlor die Facebook-Aktie dramatisch an Wert. Die Unternehmensbewertung sackte um zweistellige Milliardenbeträge ein, zumal bekannt wurde, dass der Konzern bereits 2011 von der EU-Kommission wegen exakt solcher möglichen Datenlecks durch Apps von Drittanbietern gewarnt worden war. Dass es acht Jahre später zu genau dem vorhergesagten Missbrauch kommt, der seit drei Jahren verschwiegen wurde, zeigt nicht nur, dass Facebook sich zu Unrecht als Opfer britischen Datenklaus darstellt. Vielmehr scheint das soziale Netzwerk Komplize ist einem Netz aus Verstrickungen zu sein, das in den nächsten Tagen immer weiter aufgedeckt werden wird.

Quellen: theverge.com, derstandard.at, vox.com

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