Die neue Offenheit bei Facebook

Facebook klärt auf: Das geschieht mit euren Daten, wenn ihr ausgeloggt seid

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Was geschieht eigentlich mit unseren Daten, wenn wir uns bei Facebook ausgeloggt haben? Werden wir noch getracked? Was geschieht im Hintergrund? Transparenz gab es in diesem Bereich bisher kaum. Seit Zuckerbergs Kreuzverhör vor US-Politikern scheint sich das Unternehmen nun aber in der Pflicht zu sehen und will aufklären - auf Facebook.

Mark Zuckerbergs Anhörung vor Senatoren und Kongressabgeordneten hat etwa 500 Fragen umfasst. Auf genau 40 hatte er keine Antwort und versprach, sie nachzuliefern. Zu diesen Fragen gehörten diverse zu den Kategorien: "Was geschieht mit dem Usertracking, nachdem Nutzer sich ausgeloggt haben?", "welche Daten tracked Facebook genau, wenn wir uns nicht auf Facebook befinden?", "welche Daten über uns werden von Drittanbietern und anderen Websites an Facebook gesendet?", oder "welche Daten von Usern, die gar nicht auf Facebook registriert sind, werden gesammelt?".

Während Zuckerberg gerade damit beschäftigt ist, Antworten darauf an die Politikoberen zu übermitteln, wendet sich David Baser, Product Management Director des Social-Media-Riesen, nun direkt an die Facebook-Nutzer und versucht aufzuklären.

Wo Facebook draufsteht, werden auch Daten gesammelt

Ein junger Mann am Rednerpult

Zuckerberg wusste auf etwa 40 Fragen keine Antwort und ist jetzt um Klarstellungen bemüht.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Ein junger Mann am Rednerpult

Zuckerberg wusste auf etwa 40 Fragen keine Antwort und ist jetzt um Klarstellungen bemüht.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Kurz gesagt lassen sich seine Aussagen so zusammenfassen: Wenn ihr irgendwo Buttons oder Zeichen von Facebook seht, egal in welcher App oder auf welcher Website, dann werden auch Daten von euch nach Menlo Park gesendet. Dazu gehören:

  1. Social-Plug-ins: Zum Beispiel Share- und Like-Buttons, die häufig ganz unten auf Webseiten oder Apps zu finden sind.
  2. Facebook Login: Wenn ihr angeboten bekommt, euch bei einer Seite wie AirBnB, Couchsurfing, Tinder et cetera über euer Facebook-Profil einzuloggen.
  3. Facebook Analytics: Im Prinzip jede Seite, die Facebook-Werbung schaltet. Das seht ihr in den seltensten Fällen. Facebook Analytics wird auch als Tool für das Tracking sozialer Interaktionen auf Webseiten verwendet.

Baser weist ausdrücklich daraufhin, dass sämtliche Social-Media-Seiten entsprechend vorgehen und das keine Besonderheiten seien. Überraschen tut das tatsächlich nicht, erschreckend ist es dennoch, schließlich lässt sich anhand der drei genannten Punkte einfach feststellen, dass Facebook so gut wie überall Daten über uns sammelt. Wenn er darauf hinweist, dass so ziemlich jede Website entsprechend vorgeht, hat er recht. Das zeigt nur, dass die Datendebatte noch deutlich weiter reichen muss, als bis an die Türen von Facebook.

Welche Daten genau bekommt Facebook von Drittanbietern geliefert?

Wenn also auf einer anderen Website oder App Facebook Analytics im Hintergrund laufen, oder es Share- und Like-Buttons gibt, dann sieht der Datentransfer folgendermaßen aus (und das gilt auch für YouTube, Google, LinkedIn-Elemente et cetera): Die Website, beispielsweise '9GAG', erhält eure Browser-Daten, Informationen zum Betriebssystem und eure IP-Adresse um zu wissen, wohin die Website-Daten geschickt werden sollen und legt Cookies an. Gibt es dort ein Facebook-Element, werden diese Daten auch an Facebook gesandt und die Facebook-Daten an 9GAG. Es geht also um die Verflechtung verschiedener Kanäle, die dafür einen Datenaustausch benötigen. Undurchsichtig wird es allerdings, wenn Baser davon spricht, dass man auch Daten für das "Bereitstellen der Facebook Analytics Produkte" bekomme - was auch immer das sein mag.

Wie nutzt Facebook die Daten, die es von Drittanbietern erhält?

Im Grunde lässt sich sagen: So gut wie jede Webseite und App sendet Daten an Facebook

Baser stellt drei Dinge vor, für die Facebook erhaltene Daten nutzt: Erstens, um die eigenen Facebook Analytics und Facebook Ads Leistungen für die entsprechenden Webseiten als Produkt bereitstellen zu können. Zweitens, um die Funktionen und Angebote von Facebook "sicherer" zu machen. Drittens, um die eigenen Produkte und die Nutzererfahrung zu verbessern.

Das klingt alles recht vage, Baser stellt in seinem Artikel allerdings klar, dass Facebook diese Daten nicht verkaufe. "Niemals", betont er. Im gleichen Zug weist er auch noch einmal darauf hin, dass es um die Sicherheit der Nutzer gehe und nennt das Beispiel IP-Abfrage: Dadurch, dass man die IP von Nutzern speichere, wenn sie sich einloggen, wolle man Account-Hacks vorbeugen, indem man identifiziert, dass sich plötzlich von einem vollkommen anderen Land eingeloggt wurde.

Schwammig bei den Kontrollmöglichkeiten

Zu guter Letzt, damit der Artikel auch mit einem positiven Gefühl für seine Leser endet, schreibt Baser über die "Möglichkeiten, die ihr habt, um die Nutzung eurer Daten zu kontrollieren". Er weißt darauf hin, dass man per Klick auswählen könne, welche Dinge im Newsfeed angezeigt werden sollen oder nicht. Man könne beispielsweise Personen nicht mehr abonnieren. Gleiches gelte für angezeigte Werbung. Das Ausschalten dieser Werbung sei ebenfalls nur einen Klick entfernt mit der Schaltfläche "weniger Werbung wie diese anzeigen."

Schade nur, dass das keine Kontrolle über die Nutzung unserer Daten ist, sondern nur Funktionen beschreibt, die wir lange kennen und die Facebook dabei helfen, Werbung noch besser auf uns zuzuschneiden. Mit "Kontrolle" über unsere Daten hat das nichts zu tun. Es ist eher eine eingeschränkte Kontrolle darüber, was sie mit dem Ergebnis der Datenauswertung anfangen.

Der Datenskandal ist noch nicht vorbei - jetzt kommt die Sammelklage

Am selben Tag der 'Offenbarung' durch David Baser wurde bekannt, dass ein Gericht in San Francisco eine Sammelklage gegen Zuckerbergs Konzern erlaubt hat. Es geht im konkreten Fall darum, dass viele Nutzer Facebook vorwerfen, dass es eine Gesichtserkennungs-Software eingesetzt habe, ohne im Vorfeld die ausdrückliche Zustimmung der 'Geschädigten' einzuholen. Die Funktion kennen wir alle: Es geht um die Gesichtserkennung auf Fotos, die automatisch anspringt, wenn wir ein Foto mit mehreren Personen hochladen.

Die Kläger werten dies als Eingriff in die Privatsphäre. Facebook hatte bis zuletzt versucht, eine Sammelklage juristisch zu bekämpfen, musste jetzt jedoch eine Niederlage einstecken. Wie das Verfahren ausgehen wird, wird sich zeigen. Falls Facebook auch am Ende verliert, wird es teuer, denn erfolgreiche Sammelklagen gehen schnell ans Portemonnaie - und das sind keine guten Aussichten für die noch immer auf Talfahrt befindliche Facebook-Aktie. Zu Basers komplettem Artikel geht es hier.

Falls ihr noch einen Eindruck von der Kongressanhörung bekommen möchtet, findet ihr ihn hier:

Hier erfährst du mehr über: Facebook und Datenschutz

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