User zeigen sich wenig erregt

Facebook schwingt seinen Regelhammer gegen sexuelle Andeutungen

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von Julius Zunker -

Am Freitag ging ein Aufschrei durch Facebook. Der Konzern hatte zunächst unbemerkt seine Gemeinschaftsstandards geändert. Es ist nun untersagt “vage sexuelle Bemerkungen” und “sexuelle Andeutungen” zu machen. Allerdings sind diese neuen Regulierungen mehr als unklar formuliert. Die Reaktionen der User fielen entsprechend aus.

Dass der Social-Media-Gigant diese Änderungen eingeführt hat, ist unbestreitbar. Immerhin sind sie in den geänderten Regulierungen nachlesebar. Eigentlich sollen sie sich gegen kommerzielle, erotische und sexuelle Angebote richten. Eingeführt wurden diese Änderungen bereits im Oktober. Anfang des Monats fielen sie zunächst einigen US-Seiten und Nutzern auf und wurden zur Monatsmitte erstmals in Deutschland bemerkt.

Auf Seiten der deutschsprachigen Nutzer ging man weitestgehend zynisch bis "vage sexuell" mit der neugewonnenen Erkenntnis um. User schlugen als "Profi-Tipp" vor, einfach den sexuellen oder erotischen Inhalt hinter "Hassrede" oder anderen, menschenverachtenden Aussagen zu verstecken - diesbezüglich würde Facebook es ja anscheinend eh nicht so genau mit den eigenen Regeln nehmen. Andere führten an, sie hätten gerade keine Zeit für derartige Belange, um Facebooks neue Standards im nächsten Moment anhand von (als provokant eingestuften) Kommentaren einmal ausgiebig auf Herz und Nieren zu testen.

Ungenaue Formulierungen durch Facebook

Die geänderten Reglements gehen allerdings noch weiter. So kann auch bereits dezent erotische Kunst (gezeichnet bis fotografisch), eine Erwähnung der sexuellen Präferenz und vieles weitere von der Sperre betroffen sein. Grund dafür sind die mehr als schwammigen Formulierungen, die der Konzern in seine Neureglungen eingebaut hat. Diese beziehen sich zudem auf Posts und auf Chat-Inhalte. Besonders merkwürdig erscheinen diese Änderungen übrigens, da Facebook seit Herbst eine eigene Flirt-Option testet, um Tinder Konkurrenz zu machen. Gerade dort fallen Flirts schnell mehr als nur "sexuell vage" aus.

Laut eigenen Angaben will Facebook so gegen Angebote von Sex-Workern auf seiner Plattform vorgehen - ähnlich wie Tumbler. Allerdings gab es die Sperre gegen die "Sexuelle Ausbeutung Erwachsener" und "Nacktheit Erwachsener" sowie "Sexueller Aktivitäten" bereits. Die Änderungen der Standards erscheinen also mehr als nur übertrieben.

US-Moral für die ganze Welt

Obendrein forcieren sie der weltweiten Nutzerschaft einen puritanischen us-amerikanischen "Standard" auf. Eine Formulierung wie "Lass uns heute Abend Spaß haben" würde in Europa keinen einzigen Sittenwächter vom Hocker hauen, aber bereits gegen die neuen Regeln verstoßen.

Zur Durchsetzung der geänderten Gemeinschaftsstandards will Facebook nun zusätzliche Prüfer einstellen, sowie den bereits seit Herbst dafür genutzten Algorithmus verbessern. Aus eigener Erfahrung kann der Autor anmerken, dass die Durchsetzung derartiger Regulierungen bisher nicht sonderlich effektiv umgesetzt wird. Allerdings sind besonders prüde Moralvertreter erschreckend gut darin über Gewalt hinwegzusehen und bei sexuellen Inhalten direkt den Colt zu schwingen (keine Zweideutigkeit an dieser Stelle enthalten).

Quelle: sueddeutsche.de

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