Fragwürdige Praktiken

Facebook: Unsichere Teenager als konkretes Werbeziel?

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Ein Fünftel der weltweiten Werbeeinnahmen fließen an Google und Facebook. Dieses Milliarden-Geschäft nimmt sogar Kinder unter 14 Jahren ins Visier. Nach ausführlicher Analyse der seelischen Gefühlslage wird gezielt für Produkte geworben.

Der größten Tageszeitung in "Down-Under", 'The Australian', sind interne Dokumente aus der Facebook-Werbeschmiede in die Hände gefallen, die sehr fragwürdiges Targeting enthüllen sollen. Demnach analysiert der Social-Media-Konzern die geposteten Fotos und Kommentare von Teenagern beziehungsweise Kindern unter 14 Jahren, um festzustellen, wann diese unter mangelndem Selbstwertgefühl leiden. Allerdings nicht, um ihnen zu helfen - Zuckerberg weist häufiger auf den positiven Community-Gedanken hinter Facebook hin -, sondern damit ihnen gezielt Werbeanzeigen präsentiert werden können.

Dass man an Algorithmen arbeite, die gefährdete Personen erkennen sollen, zum Beispiel um Suizid-Pläne frühzeitig zu stoppen, ist kein Geheimnis. In diesem Fall werden die psychologischen Einsichten, die Facebook durch die eigenen Analyse-Methoden gewinnt, jedoch an Werbetreibende weitergegeben, so USA Today. Facebook hat sich dazu mittlerweile geäußert und spricht von einem Fehler, das gezielte Targeting stritt der Konzern jedoch ab.

Facebook-Verhalten erlaubt Rückschlüsse auf Gefühlslage

Im 23 Seiten umfassenden Bericht wird beschrieben, wie es möglich ist, anhand von Daten zu erkennen, wann User/innen unter 14 Jahren sich gestresst, niedergeschlagen, besorgt, ängstlich oder auch erdrückt fühlen. Weiter wird erläutert, dass dieser emotionale Status getrackt werden kann. Dabei wurde ermittelt, wann sich Teenies tendenziell wie fühlen. Von montags bis donnerstags, so das Ergebnis, bauen Teenager Selbstwertgefühl auf, um am Wochende ihr Umfeld darüber zu informieren, was sie erreicht haben.

Laut Facebook ist diese Untersuchung bereits ein Jahr alt und hätte lediglich dazu gedient, Werbetreibenden aufzuzeigen, wie Kinder/Jugendliche ihre Gefühle auf Facebook ausdrücken. Es seien darauf basierend keinerlei Werbekampagnen gestartet worden.

(@die_spoent_wohl)
Viel Lärm um nichts?

Facebook ist in der Lage, Seelenzustände der User anhand von Postings zu ermitteln. Ist das neu? Nein, auf keinen Fall. Wie sollte der Konzern sonst auf verbale Gewalt oder Terror aufmerksam werden? Etwas, das vielfach von dem Social-Media-Giganten gefordert wird. Der Knackpunkt besteht darin, ob tatsächlich gezielt Werbeanzeigen für Kinder mit Selbstzweifeln geschaltet werden.

Für Erwachsene ist das gang und gäbe, schließlich sollen uns zahlreiche Produkte schlanker, schöner, schlauer machen. Die Argumentation der Zielgruppen-Analyse ist in der Werbeindustrie ebenfalls ein uralter Hut. Es ist daher äußerst fragwürdig, ob instabile Gefühlslagen von Kindern hier tatsächlich ausgenutzt werden. Vielleicht veranstalten die Medien nur viel Rummel um nichts. Von daher: Nicht zu schnell die Fackeln und Mistgabeln rausholen.

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