Neues von der F8 Conference

Facebook verändert sich: Hier sind Zuckerbergs Pläne für die Zukunft

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

In San José findet aktuell die Facebook Developers Conference (kurz: 'F8 Conference') statt. Bei ihr handelt es sich um ein jährliches Zusammentreffen zwischen Facebook und Entwicklern, die ihre Produkte um Facebook herum anordnen. Ein Hort für Neuigkeiten also. Dieses Jahr allerdings haben es die Ankündigungen wirklich in sich.

Die Facebook Developers Conference hat es dieses Jahr in sich. Nicht nur findet sie direkt in den Nachwehen des riesigen Datenskandals um 'Cambridge Analytica' und den Missbrauch von Nutzerdaten durch Drittentwickler und ihre Apps statt. Zuckerberg nutzte sie auch gleich, um weitreichende Änderungen an seiner Social-Media-Plattform anzukündigen. Die sind spannend genug, um vom Datenskandal abzulenken, das hat er in jedem Fall geschafft.

Sie bedeuten einen neuen Look, neue Funktionen, neuen Datenschutz und die elegante Lösung eines der drängendsten Datenschutzprobleme. Bei all diesen Neuerungen ist die Nachricht, dass auch der zweite WhatsApp-Gründer, Jan Koum, den Konzern aus Menlo Park verlässt, beinahe untergegangen. Offenbar hatte es einen Streit um Datenschutz und die unbedingte Verschlüsselung von WhatsApp gegeben, der sich nicht beilegen ließ - aber der Reihe nach.

Facebook goes Tinder - und schützt damit eure Daten

Mann und Frau schauen sich in die Augen

Facebook dürfte Tinder und Konsorten bald das Wasser abgraben - weil sie weniger Daten haben.  

Quelle: (Ser Borakovskyy)  Shutterstock.com 

Mann und Frau schauen sich in die Augen

Facebook dürfte Tinder und Konsorten bald das Wasser abgraben - weil sie weniger Daten haben.  

Quelle: (Ser Borakovskyy)  Shutterstock.com 

Die Anfänge des sozialen Netzwerks haben es bereits gezeigt: Es geht bei Facebook um Dating. Ursprünglich wollte Zuckerberg eben im Sinne von 'Hot or Not' die Damenschaft an seiner Uni durchscannen. Hinzu kamen die Angabemöglichkeiten des eigenen Beziehungsstatus' und viele Profilinfos wie Interessen, Hobbies, Musikgeschmack und Fotoalben. So weit, so bekannt in Dating-Apps. Doch einen wirkliche Fokus auf echtes Dating hatte der Konzern nicht gelegt - deshalb kauften Unternehmen wie Tinder und Co. bisher ihre Daten bei Facebook ein, um sie selbst zu nutzen. Das ist einer der Hauptkritikpunkte im Zuge des Datenskandals: Drittparteien kommen an unsere Nutzerdaten heran und nutzen sie kommerziell.

Dem schiebt Facebook jetzt einen Riegel vor, indem es die Daten selbst nutzt. Konkret soll es einen Button geben, mit dem Dating aktiviert wird. Es soll dann eine Art Zweitprofil nur für Date-Zwecke geben, das nur für diejenigen verfügbar ist, die bei ihrem Beziehungsstatus 'Single' angegeben haben. Für Freunde und Familie werden die amourösen Aktivitäten nicht angezeigt. Ein 'Date' für das Dating gibt es noch nicht, doch der Schritt scheint logisch: Immerhin sitzt Facebook auf dem wahrscheinlich besten Matchmaking-Datenberg, den man sich vorstellen kann.

Neues Dating, neuer Messenger - es wird düster

Der Facebook Messenger ist einer der beliebtesten Messenger der Welt. Und doch steht er häufig in der Kritik, weil er einen extrem hohen RAM- und Batterieverbrauch erzeugt, der so manches Smartphone in weniger als einer Stunde leer saugt. Wie kann das sein? Schuld sind zu viele Features und Funktionen: Es gibt die 'Stories', AR-Integration, Empfehlungen, Sticker, Gifs und so weiter und so fort. Die Liste ist lang, und zwar so lang, dass Facebook auf der F8 ankündigt, dass wir einen entschlackten, deutlich schlankeren Messenger erwarten dürfen, der sich auf die Grundfunktionen besinnt und freundlich zu unseren Akkus ist. In diesem Zuge soll es auch einen Dark-Theme geben - eine Sache, die in letzter Zeit in aller Munde zu sein scheint, beispielsweise bei Windows. Als Gründe wurden auch hier gesündere Verhältnisse für die Augen und ein eleganterer Look genannt. Die ersten Testversionen des neuen Messengers sollen noch in diesem Monat ausgegeben werden.

Facebook zieht sich aus eurer Browser-Historie zurück

Browser-Tracking per Knopfdruck ausschalten: Dieser Schritt von Facebook sorgt für Stirnrunzeln, weil Zuckerberg damit an der eigenen Einnahmequelle sägt.

Ein aus Datenschutzgründen extrem spannender Schritt ist Zuckerbergs Ankündigung, dass man es seinen Nutzern künftig gestatten möchte, per Knopfdruck verhindern, dass Facebook ihre Browser-Historie abruft und verarbeitet (ja, das tut die Plattform bisher und nein, der private Surfmodus schützt nicht davor ...). Das ist nichts weniger als die wohl größte Datenschutzankündigung seit Bekanntwerden des Skandals um Cambridge Analytica. Kein Wunder, dass Zuckerberg sich auf diesen Schritt konzentriert. War das Tracken von Facebook-Nutzern und Facebook-Unwilligen über ihre Browser doch eines der am meisten kritisierten Probleme während der Kongress- und Senatsanhörungen, zu denen sich der Jungunternehmer einiges anhören musste.

Interessant ist der Schritt trotzdem, sind die Speicherung und Weiterverarbeitung des Browser-Verhaltens doch eine der Hauptstrategien in Facebooks Werbestrategie. Wenn ihr beispielsweise bei Amazon nach 'Starcraft 2' sucht, aber es am Ende nicht kauft, erfährt Facebook das und es wird euch in nächster Zeit Werbung für Blizzards Strategie-Hit angezeigt. So funktioniert das System. Dass sich dieser Vorgang zukünftig per Knopfdruck ausschalten lassen soll, ist ebenso überraschend wie gut.

Die komplette Keynote des Facebook-Chefs könnt ihr hier nachsehen:

Quellen: Bleepingcomputer.com, xda-developers.com, recode.net

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