Die gelbe Gefahr

Facebook zerschlagen? Zuckerberg warnt vor China

Geschätzte Lesezeit: ca. 6 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Während der Kolonialzeit versuchte man 'die Gelbe Gefahr' zu beschwören, heute nennt sich das politisch 'Eindämmung chinesischen Einflusses'. Mark Zuckerberg weiß natürlich um die Ängste des Westens und hat sich jetzt in die Debatte um eine mögliche Zerschlagung Facebooks eingeschaltet - indem er vor China warnt.

Der Datenskandal um Cambridge Analytica zieht seit über einem halben Jahr seine Kreise. Facebook kommt einfach nicht zur Ruhe und Zuckerberg dürfte gehörig die Laune vergangen sein, seit er vor politischen Institutionen der USA und der EU erscheinen und sich rechtfertigen musste. Doch alles in allem spulte er eine Sorry-Geschichte nach der anderen ab, hielt sich vage und las in Gedanken seine PR-Briefings ab.

Zwar findet sich sein Unternehmen noch immer wöchentlich in den Tech-Spalten der (Online-)Magazine wieder, doch obwohl teilweise delikate Probleme und Problemchen öffentlich wurden, hat der Social-Media-Riese kein echtes Problem: Die Nutzerzahlen sind stabil, steigen sogar. Also alles halb so schlimm? Nicht ganz. Während der Anhörungen vor US-Senat und Kongress und auch im Nachklang zur EU-Anhörung gab es immer wieder eine Sache, die Mark Zuckerberg zum Schwitzen bringen dürfte: eine mögliche Zerschlagung Facebooks.

Besitzt Facebook eine Monopolstellung?

Ein junger Mann am Rednerpult

Nichts konnte Zuckerberg während der Anhörungen wirklich aus der Ruhe bringen. Die Fragen nach der eigenen Monopolstellung dürften eine Ausnahme gewesen sein.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Ein junger Mann am Rednerpult

Nichts konnte Zuckerberg während der Anhörungen wirklich aus der Ruhe bringen. Die Fragen nach der eigenen Monopolstellung dürften eine Ausnahme gewesen sein.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Es war Senator Lindsey Graham von den Republikanern, der Zuckerberg im Rahmen einer Anhörung die vielleicht wichtigste Frage stellte. Nämlich ob er Facebook in einer Monopolstellung sehe, so wie die meisten Menschen auch, weil es kaum Konkurrenz gebe? "Es fühlt sich jedenfalls nicht danach an", war Zuckerbergs Antwort. Er wies darauf hin, dass es viele Apps gebe, die man statt Facebook nutzen könne, um miteinander zu kommunizieren. Aber: Zu diesen Alternativen neben Facebook selbst gehören der Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram, die allesamt zu Zuckerbergs Imperium mit dem weißen Daumen auf blauem Grund gehören.

Natürlich gibt es noch Snapchat und mit ein wenig Überschneidung auch Twitter, aber dann erschöpft es sich schon recht schnell. Diese extreme Marktdominanz gipfelt besonders in den USA und Kanada, wo Facebook 50 Prozent seines Umsatzes macht. Der Einfluss ist so enorm, dass sich niemand wunderte, als gesagt wurde, dass das Soziale Netzwerk Einfluss auf die Präsidentenwahl genommen habe. Jeder hielt es für möglich, nicht für abwegig. Ja, so groß ist das Social-Media-Monopol Facebooks.

Eine Zerschlagung ist nicht so abwegig, wie man denkt

Microsoft ist ein gutes Beispiel für eine Beinahe-Zerschlagung: In den 90er Jahren verklagte der renommierte Kartellrechtsanwalt Gary Reback Microsoft wegen Wettbewerbsverstößen. Damals war Bill Gates' Konzern über 600 Milliarden Dollar wert, was deutlich mehr ist als heute Facebook. Das Verfahren zog sich über 21 Jahre hin und beschädigte Microsofts Ruf. Zu einem echten Ergebnis kam es nicht, da das Unternehmen heute nicht mehr so einsam an der Tech-Spitze steht wie damals. Facebooks Fall allerdings ist noch viel delikater: Das soziale Netzwerk hat so viel Einfluss auf die Meinungsbildung und Informationsgewinnung von Bürgern, besonders in den USA und Kanada, das ausländische Mächte Wahlen manipulieren konnten.

Nicht nur irgendwelche ausländischen Mächte, sondern mit Russland ein Land, dass die meisten US-Politiker (außer Trump) als den größten Feind der USA ausgemacht haben. Die Monopolstellung von Zuckerbergs Imperium ist also nicht bloß kartellrechtlich bedenklich, sondern kann ganz real dem demokratischen Prozess schaden. Dass immer mehr Politiker auch in der EU öffentlich über eine Zerschlagung nachdenken, ist darum nicht abwegig, sondern eine logische Schlussfolgerung.

Was passiert nach der Zerschlagung? Füllt China das Vakuum?

Rote Zahlen mit gelben Sternen

China holt gerade im Tech- und Social Media Bereich auf. Das Land wird immer mehr zum digitalen Riesen und hätte das Zeug, jedes Vakuum in den USA zu füllen.  

Quelle: (DeeBright)  Shutterstock.com 

Rote Zahlen mit gelben Sternen

China holt gerade im Tech- und Social Media Bereich auf. Das Land wird immer mehr zum digitalen Riesen und hätte das Zeug, jedes Vakuum in den USA zu füllen.  

Quelle: (DeeBright)  Shutterstock.com 

Zuckerberg argumentiert gegenüber dem beliebten Online-Podcast 'Recode', dass er die Furcht vor dem Einfluss seines Unternehmens zwar verstehe, sie aber gut für Amerika sei: "Wenn wir uns der Meinung anschließen, dass wir, als ein Land [die USA, Anm. d. Red.] entscheiden, dass wir die Flügel amerikanischer Firmen stutzen und es für sie schwieriger machen in verschiedenen Gebieten zu operieren, oder sie kleiner zu machen, dann gibt es viele andere Firmen, die willens und fähig sind, den freigewordenen Platz einzunehmen und unsere Arbeit zu übernehmen." Außerdem fügte er noch düster hinzu: "Und die teilen nicht die Werte, die wir [Facebook, Anm. d. Red.] haben."

Wem das noch nicht direkt genug war, für den fügte er später noch hinzu, dass er speziell chinesische Firmen meine. Diese haben in den USA einen schlechten Ruf und das hat gute Gründe: In China gibt es einige wenige riesige Unternehmen, die definitiv eine Monopolstellung besitzen, zum Beispiel Alibaba, Baidu, Huawei oder Tencent. An all diesen Firmen sichert sich die kommunistisch-autokratische Partei einen Mehrheitsanteil, um das Sagen zu haben. Huawei-Geräte wurden in den USA gar vom Verkauf ausgeschlossen, nachdem die Geheimdienste sie als Spionageinstrumente gebrandmarkt hatten.

Zuckerberg spielt der China-Hysterie Trumps in die Karten

Mit seinen Warnungen weiß Zuckerberg natürlich genau, dass er damit einen Nerv trifft. Sie passen genau in das Credo des Pannen-Präsidenten, das seit seinem Wahlkampf lautet: "Make America Great Again". Neben dem Hinweis, dass man eine mächtige, einflussreiche amerikanische Firma habe, die man schützen muss, warnt er auch gleichzeitig vor den Werte-Feinden im Osten, die man schon lange misstrauisch beäugt. Trump warnt in jeder zweiten Pressekonferenz vor dem Reich der Mitte und hat jüngst einen Handelskrieg losgetreten, indem er chinesische Produkte mit Strafzöllen versehen hat. In der Bevölkerung kommt das an, denn das kommunistische Land überholt die USA gerade in der Gesamtwirtschaftsleistung, ist größter Gläubiger des 'Landes der Freien und Mutigen' und holt mit seinen Unternehmen massiv auf und bedrängt Google, Facebook und Co.

Eine wachsende Einflussnahme aus Asien ist das Schreckgespenst der frustrierten US-Amerikaner zwischen Ost- und Westküste und der Stammwählerschaft Trumps. Dass Zuckerberg sich ausgerechnet ihnen anbiedert ist ebenso paradox wie beunruhigend, und doch macht er einen guten Punkt: China wird nicht lange Fackeln, ein Vakuum in der amerikanischen Social-Media-Landschaft zu füllen und in diesem Fall bräuchten wir nicht mehr über Einflussnahmen diskutieren, sondern wüssten mit Sicherheit, dass sie stattfindet. Denn: Jedes chinesische Unternehmen ist von der Parteiführung durchdrungen. Die teilt ihre Werte sehr gerne mit und die meisten davon haben nichts mit den unseren zu tun.

Quellen: recode.net, huffingtonpost.com, swp.de

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