US-Studie widerspricht dem Klischee

Facebooks Einfluss auf den Glauben an Fake News geringer als angenommen

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von Julius Zunker -

Soziale Medien und besonders Facebook stehen im Ruf, ein wahrer Hort für Unwahrheiten zu sein. Allerdings hat eine jüngst veröffentlichte US-Studie ergeben, dass die Situation vielleicht lange nicht so drastisch ist, wie gemeinhin geglaubt wird.

"Habe ich im Facebook gelesen" sorgt in Verbindung mit politischen und gesellschaftlichen Informationen schnell für Augenrollen. Instinktiv wird eine Geschichte erwartet, in der die entfernte Gemüsehändlerin einer Tante, deren beste Freundin einmal jemanden in Berlin kennengelernt hat, gehört haben soll, wie jemand dabei war, als mindestens zehn Geflüchtete einen Kaugummiautomaten mit schweren Waffen überfielen. An schlechten Tagen scheinen soziale Netzwerke nur so überzukochen vor lauter hässlichen Gerüchten und erfundenen Geschichten: Fake News und Hass-Posts.

Facebook besser als ein Ruf

Sich im Facebook über irgendetwas "Relevantes" zu informieren - abseits von Veranstaltungsfragen - gilt gelinde gesagt nicht als sonderlich sinnvoll. Eine Studie der Ohio State University jedoch zeichnet ein anderes Bild. Gemäß der ausgewerteten Daten, die rund um die Präsidentenwahlen von 2012 und 2016 erhoben wurden, haben soziale Medien kaum Einfluss darauf, ob jemand Fake News Glauben schenkt. Mehr noch, besonders im kontroversen Wahljahr 2016 sind Facebook-User im Vergleich zu den Nutzern anderer sozialer Medien seltener in die Fake-News-Falle getappt.

Wissenschaftler sagt: Facebooks Einfluss wird überschätzt.

Dabei gilt besonders die Phase, die letztlich zu Trumps Wahlsieg 2016 führte, als Paradebeispiel für flächendeckende Falschinformation. Dieser Ruf kommt zwar nicht von ungefähr - immerhin hatten Unternehmen wie 'Cambridge Analytica' besonders im US-Wahlkampf durch gezieltes Micro-Targeting erfolgreich Meinungen im Sinne ihrer Auftraggeber durch Facebook manipuliert - allerdings scheinen so verbreitete Informationen nicht der Hauptgrund für den Glauben an Fake News zu sein. Laut der von dem Kommunikationswissenschaftler Kelly Garrett veröffentlichten Studie wird der Einfluss sozialer Medien auf die Anfälligkeit gegenüber Falschinformationen völlig überschätzt.

Kaum Einfluss auf den Glauben an Fake News

Für die Studie haben 2012 und 2016 jeweils rund 600 US-Bürger je drei Fragebögen ausgefüllt, auf denen sie nach ihrer Nutzung sozialer Medien befragt wurden und in denen ihr Verhältnis zu Fake News abgeklopft wurde. So war in einem der Fragebögen von 2012 danach gefragt worden, ob der entsprechende User glauben würde, dass Barack Obama in Wirklichkeit Moslem sei.

Lügen über andere politische Lager werden eher geglaubt.

Wie als würden sich die Daten alle Mühe geben, doch zumindest ein Klischee zu unterstreichen, ergab die Auswertung lediglich, dass Anhänger von Demokraten und Republikanern jeweils gerne den hässlichen Unwahrheiten über den jeweiligen Gegenkandidaten Glauben schenken. Lediglich in den Fällen von Romney und Obama zeigten sich Ausreißer: Geschichten um Romney wurden in ihrer Rezeption gar nicht von sozialen Medien beeinflusst, bei Obama lag der Glaube an Unwahrheiten leicht vorne.

Die Untersuchung von 2016 legte dann den Fokus deutlich stärker auf Wahlfragen und den Wucherungen von Irrglauben. Gefragt wurde so, ob Immigranten zu Gewaltverbrechen neigen würden und danach, ob der Klimawandel menschengemacht sei. Die Analyse der dabei gewonnen Daten zeigt auf, dass soziale Medien sich scheinbar gar nicht auf den Glauben an Fake News auswirken - bis auf Facebook.

Starke Facebook-User filterten Fake News am besten heraus

Unter den Befragten "Power-Usern" waren es nämlich ausgerechnet die Facebook-Junkies, die am besten Wahrheiten von Unwahrheiten trennen konnten. Laut Garret macht dies zwar keinen großen Unterschied in der Gesamtschau aus, aber die Ergebnisse seiner Untersuchung widersprechen sehr deutlich der allbekannten Binsenweisheit des schlechten Einflusses von Facebook auf Wahrheiten in Wahlkampfthemen. Der Dozent und Professor für Kommunikationswissenschaften betont aber in einem Statement, dass seine Studie in keinster Weise darlegt, dass sich Fake News nicht über soziale Netzwerke verbreiten. Sie zeige lediglich, dass zumindest unter US-Amerikanern Facebook und Konsorten keinen Einfluss darauf haben, ob und warum Fake News so häufig Glauben geschenkt wird.

Quelle: Ohio State University

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