Neun von zehn Nutzern verbreiten Lügen

Fake News: Wenn etwas Schlimmes passiert ist, twittern wir den meisten Unfug

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Ob Anschlag oder Überschwemmung: Nach einem tragischen Ereignis sind Twitter-Nutzer offenbar besonders blauäugig und teilen massenhaft Falschmeldungen auf Twitter. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt veröffentlichte Studie, die 20.000 Tweets nach besagten Ereignissen genau unter die Lupe genommen hat.

Twitter hat ein nicht unerhebliches Problem mit der Verbreitung von Falschmeldungen. Und wie sich kürzlich herausstellte, sind wir Nutzer die Hauptschuldigen an der Misere: Um uns zu profilieren, teilen wir die oft senatsionsheischenden Fake News mit einer um 70 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als Fakten. Falschmeldungen verbreiten sich so im Normalfall sechs Mal so schnell auf Twitter wie seriöse Nachrichten. Und wie sich jetzt herausgestellt hat, sind Twitter-Nutzer bei tragischen Ereignissen sogar noch unkritischer: Neun von zehn Usern teilen oder liken offenbar falsche Nachrichten im Zusammenhang mit Umweltkatastrophen oder sogar Anschlägen.

Fake News auf Twitter: 9 von 10 Nutzern verbreiten Falschmeldung

Forscher der 'University at Buffalo' haben diesen Zusammenhang jetzt in einer Studie entdeckt. Dabei wurde das Verhalten von Nutzern im Fahrwasser des Hurricanes 'Sandy' und den Anschlägen des Boston Marathons von 2013 untersucht. 20.000 Tweets mit unwahren Gerüchten wurden insgesamt unter die Lupe genommen. Im Detail werfen die Ergebnisse kein gutes Licht auf das Verhalten der Nutzer: Nicht nur verbreiten demnach zwischen 86 und 91 Prozent der User eine falsche Nachricht. Zusätzlich würden nur fünf bis neun Prozent überhaupt versuchen, die Schlagzeile zu verifizieren - zum Beispiel, indem sie den Post retweeten und sich nach dem Wahrheitsgehalt erkundigen.

Unglücklicherweise zeichnen die Ergebnisse ein wenig schmeichelhaftes Bild.

Jun Zhuang, University at Buffalo

Offenen Zweifel bekundeten noch weniger: Nur zwischen einem und neun Prozent hätten sich getraut, den Tweet direkt als Falschmeldung zu entlarven. "Diese Ergebnisse sind wichtig, weil sie zeigen, wie leicht Menschen überlistet werden können, wenn sie am verletzlichsten sind [...]", kommentiert der Autor der Studie Jun Zhuang.

Nur wenige Nutzer korrigieren ihre Fehler

Auch nachdem die Falschmeldungen offiziell als solche entlarvt wurden, habe überhaupt nur ein kleiner Teil der Twitter-Nutzer Anstalten gemacht, den Fehler zu korrigieren: Nur jeder Zehnte hat den Retweet mit der Falschmeldung im Nachhinein gelöscht, immerhin jeder Fünfte habe aber einen neuen Tweet mit einer Richtigstellung abgesetzt.

Warum genau Menschen in schweren Zeiten anscheinend besonders anfällig für Fake News auf Twitter sind, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Forscher wollen diesem und ähnlichen Phänomenen jedenfalls in Folgestudien nachgehen - Fördergelder seien bereits bewilligt. Die sozialen Medien, auch das stellen die Forscher heraus, gehen aber inzwischen glücklicherweise recht zügig gegen Falschnachrichten vor. Twitter hatte beispielsweise erst jüngst erklärt, nach tragischen Ereignissen wie Amokläufen ganz besonders auf der Hut zu sein und sogar automatische Systeme zum Löschen von Nachrichten und ganzen Accounts zum Einsatz zu bringen.

Quelle: University at Buffalo

Sag uns deine Meinung!