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Flat-Earth-Theorie: YouTube als Kinderstube für Weltverschwörer?

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Im frühen Altertum sind die Menschen davon ausgegangen, dass die Welt eine Scheibe ist. Diese Annahme wurde zwar schon in der Spätantike widerlegt, doch überraschenderweise konnte die 'Flache-Erde-Theorie' trotzdem bis heute überdauern. Mittlerweile glauben tatsächlich sogar immer mehr Menschen, dass die Erde flach ist – und laut einer aktuellen Studie ist YouTube daran nicht ganz unschuldig.

Sie nennen sich selbst 'Flat Earther' und sind der festen Überzeugung, dass die Welt eine Scheibe ist. Die beharrlichsten Vertreter dieser recht abstrusen Ansicht gehören zu der sogenannten 'Flat Earth Society', eine im Jahre 1956 gegründete Organisation, deren Vorbild ein gewisser Samuel Rowbotham war. Dieser Engländer propagierte Ende des 19. Jahrhunderts aber nicht nur, dass die Erde flach ist, sondern außerdem, dass es hohe Eiswälle am Rand gibt und das London weniger als 4.000 Meilen von der Sonne entfernt ist. Nun mag der geneigte Leser sicherlich an eine Art Flachwitz denken – doch geht es nach der neusten Studie der Technischen Universität in Texas, wird die Flat-Earth-Theorie stattdessen mehr und mehr zu einem Massenphänomen.

Schuld daran ist, zumindest laut der Dozentin Asheley Landrum, eine gewisse Video-Plattform namens YouTube. Die angehende Professorin für Wirtschaftskommunikation hat sich in der letzten Zeit im Rahmen einer Studie mit dem erhöhten Aufkommen der 'Flache-Erde-Theorie' beschäftigt und versucht herauszufinden, wie sich dieses Gedankengut derart massiv verbreiten konnte. Laut Landrum glauben mittlerweile immer mehr Menschen daran, dass die Welt eine Scheibe ist – oder zumindest sein könnte. Während ihrer Studien für die 'American Association for the Advancement of Science' hat sie mit zahlreichen dieser Menschen gesprochen und erkannt, dass die überwiegende Mehrheit zu 'Flat Earthern' wurde, nachdem sie sich YouTube-Videos zu diesem Thema angeschaut haben.

Sollte Google häufiger einschreiten und zensieren?

Asheley Landrum gibt YouTube natürlich nicht die alleinige Schuld an der Popularisierung dieses Irrglaubens, doch mahnt sie Google dazu, mehr Verantwortung zu übernehmen, um die Verbreitung wissenschaftlich inkorrekter Ideen zu stoppen. Gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian sagte sie: "Es gibt viele hilfreiche Informationen auf YouTube, aber eben auch viele falsche. Die Algorithmen machen es derzeit zu einfach, anfälligen Menschen derartige Theorien aufzuzeigen". Google selbst hat dazu bereits Stellung bezogen und mitgeteilt, dass man in Zukunft sicherlich noch mehr tun könnte, um die Verbreitung von Fehlinformationen und Falschmeldungen zu bekämpfen.

Die Zeichnung der flachen Erde von Orlando Ferguson aus dem Jahr 1893.

Diese Zeichnung stammt aus dem Jahre 1893 und wurde von einem gewissen Professor Orlando Ferguson angefertigt. Als Quelle für die gezeigte flache Erde diente ihm übrigens kein geringeres Buch als die Heilige Schrift.  

Quelle: (Orlando Ferguson (1893))  Wikipedia 

Die Zeichnung der flachen Erde von Orlando Ferguson aus dem Jahr 1893.

Diese Zeichnung stammt aus dem Jahre 1893 und wurde von einem gewissen Professor Orlando Ferguson angefertigt. Als Quelle für die gezeigte flache Erde diente ihm übrigens kein geringeres Buch als die Heilige Schrift.  

Quelle: (Orlando Ferguson (1893))  Wikipedia 

In der Stellungnahme, die im offiziellen YouTube-Blog veröffentlicht wurde, heißt es dazu: "Wir werden anfangen, die Empfehlungen für grenzüberschreitende Inhalte zu reduzieren, die die Nutzer auf schädliche Weise falsch informieren könnten. Beispielsweise Videos, die eine falsche Wunderwaffe für eine schwere Krankheit propagieren oder unverhohlen falsche Behauptungen über eine flache Erde und historische Ereignisse wie 9/11 aufstellen". Damit kommt Google den Forderungen Landrums zwar in gewisser Weise nach, doch ruft dieses Vorgehen wiederrum zahlreiche Menschen auf den Plan, die sich gegen eine zu starke Zensur der Inhalte aussprechen.

Gibt es einen goldenen Mittelweg?

Während Asheley Landrum also am liebsten nur noch wissenschaftlich korrekte Videos auf YouTube sehen würde, verweisen vor allem die Zensur-Gegner auf die Gefahr, dass man durch das gezielte und bewusste Weglassen von Informationen den Verschwörungstheoretikern damit nur in die Hände spielt. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie Google an dieses Problem herantreten wird, ohne dabei für einen noch größeren Aufschrei zu sorgen. Eine Idee von Landrum ist es, in den vorgeschlagenen Videos mehr wissenschaftlich wertvolle Beiträge anzeigen zu lassen, damit sich die Menschen selbst ein Bild von dem Wahrheitsgehalt machen können. Ob Google diesen Weg jedoch tatsächlich gehen wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Quelle: CNET

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