Tut Twitter zu wenig gegen Frauenhass?

Frauenrechte: Amnesty International nimmt Twitter unter Beschuss

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Amnesty International hat sich in Sachen Menschenrechte auf der Plattform Twitter umgesehen - und kommt zu desaströsen Ergebnissen. Die Organisation fand heraus, dass besonders Frauen unter dem teils sehr toxischen Verhalten anderer Twitter-User zu leiden haben. Amnesty International befürchtet jetzt eine "Kultur des Schweigens" bei weiblichen Nutzern, sofern Twitter nicht in Aktion tritt.

In vielen Umfragen und Forschungsarbeiten kommt die Twitter-Community in letzter Zeit nicht besonders gut davon. So hat sich erst kürzlich gezeigt, dass sich die Anzahl antisemitischer Inhalte auf dem Kurznachrichtendienst enorm erhöht hat. Auch Fake News, so eine weitere Untersuchung, würden sich auf Twitter verhältnismäßig stark verbreiten. Jetzt stimmt auch die Menschenrechtsorganisation 'Amnesty International' in den Chor ein und veröffentlicht Studienergebnisse, die Twitter erneut in keinem guten Licht dastehen lassen.

Ich denke, dass Twitter die schlimmste aller Social-Media-Plattformen ist [...].

Jessica Valenti, Journalist und Autor

Demnach hätten die insgesamt 86 für die Untersuchung interviewten Frauen und solche mit nicht-binärer Geschlechtsidentität in der Mehrheit geäußert, besonders auf Twitter regelmäßig von anderen Nutzern aufs übelste beschimpft zu werden.

Viele Frauen trauen sich nicht mehr auf Twitter zu posten

Zwar geschehe dies in einem gewissen Maß auch in anderen sozialen Medien, Twitter sei aber trauriger Spitzenreiter in Sachen Diskriminierung. Zu den fraglichen Verhaltensweisen gehören laut dem Bericht das Versenden unangebrachter Bilder sowie indirekte und sogar direkte Androhungen physischer oder sexueller Gewalt. In der Mehrheit führe dies dazu, dass viele Frauen nur noch ungern ihre Meinung auf Twitter äußern, weniger interagieren oder sich ganz von Twitter abmelden.

"Anstatt dass Frauen ihre Stimme nutzen, um in der Welt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, werden viele Frauen in eine Kultur des Schweigens gezwungen", heißt es in dem Bericht. Was diesen Nutzern auf Twitter widerfahre, seien keine Lapalien, sondern ein nicht hinnehmbarer Zustand, so Amnesty International. Mehr noch: Die beschriebenen Verhaltensweisen verletzten klar die Menschenrechte, wie sie die Vereinten Nationen formulieren.

Amnesty International: Twitter versäumt es Verantwortung zu übernehmen

Twitter selbst - das jedenfalls wirft Amnesty International dem sozialen Netzwerk vor - scheint dagegen aber nicht annähernd genug zu unternehmen. Dass das soziale Netzwerk heute bei zehn Mal so vielen Hasskommentaren tätig wird, wie noch vor einem Jahr, lässt die Organisation nicht gelten. Twitter versage vielmehr dabei, in Sachen beleidigenden Verhaltens mehr Verantwortung zu übernehmen.

Amnesty International bemängelt vor allem, dass Twitter auf Anfrage keine detaillierten Informationen bezüglich der Sperrung auffälliger User herausgeben wollte. Auch habe Twitter nicht angeben wollen, wie viele Mitarbeiter in welcher Weise durch Trainings auf diese Form der Belästigung vorbereitet werden. Eine Stellungnahme von Twitter zu dem Sachverhalt liegt bislang noch nicht vor.

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