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Bitte, schalt mich nicht aus!

Gewissensbisse: Wenn Roboter zu menschlich für uns agieren

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Roboter begegnen uns im Alltag immer häufiger und sollen menschlich agieren, um die Interaktion zu erleichtern. Doch was uns einerseits ein wohlig warmes Gefühl verschafft, fliegt uns bei der Frage um die Ohren, wie wir damit umgehen, wenn wir menschlich anmutenden Maschinen plötzlich den Stecker ziehen sollen. Besonders, wenn der Roboter darum bittet, nicht ausgeschaltet zu werden. Ein Dilemma?

Die Beziehung zwischen Mensch und Roboter entwickelt sich zu einer immer größeren Erfolgsgeschichte, die vor allem in der Industrie bereits deutliche Früchte trägt. Doch auch im Alltag begegnen sie uns immer zahlreicher - die kleinen interaktiven Helfer aus Draht, Platinen, Plastik und intelligenter KI, um mit uns in Interaktion zu treten. Das können Sprachassistenten wie Amazons 'Alexa' oder der Google Assistent sein, die in ihrem schlichten Lautsprechergehäuse auf Befehle warten. Oder eben dem Menschen nachempfundene Roboter mit Gesicht und Mimik, die uns in naher Zukunft vielleicht Touristen-Tipps an Info-Ständen geben, den Einkauf schleppen und vieles mehr - man denke nur an 'Sophia', den ersten humanoiden Roboter, mit dem die Bundeskanzlerin ein Schwätzchen hielt.

Nein! Bitte schalte mich nicht aus! Ich habe Angst, dass es nicht wieder aufhellt!

journals.plos.org

Gerade im Privatleben sollen Roboter daher nicht kalt, unmenschlich wirken, sondern uns mit ihrer menschlich anmutenden Stimme und den absichtlich eingebauten "Ähhms" und "ööhhs" ein wohlig warmes Gefühl vermitteln. Wir sind halt sozial und möchten diese Ader einfach auch in Dingen und Wesen wiederfinden, mit denen wir uns umgeben. Deshalb sprechen wir im Übrigen auch gerne mal mit unserem TV, dem Radio oder dem Computer, wenn das Game nicht startet oder nur Trash-TV läuft. Forscher bezeichnen dieses Verhalten als "Mediengleichung", was 'the Verge' in ihrem Artikel ebenfalls aufgreift.

Dieses Verhalten führt jedoch nach Auffassung eines Forscher-Teams zu Problemen. Nämlich dann, wenn es uns nicht mehr gelingt, Roboter trotz ihrer implementierten Menschlichkeit als das anzusehen, was sie sind - kalte, intelligente Maschinen. Wenn dann von uns verlangt wird den Stecker zu ziehen und der Robo-Freund flehend um sein Leben bettelt, bekommt die Mehrheit von uns flattrige Knie.

Angst im Dunkeln - dieser Roboter bettelt um Strom

In einem Test mit 89 Freiwilligen gingen die Forscher der (irgendwie makaber anmutenden) Frage nach, wie Teilnehmer darauf reagieren, wenn sie mit einem Roboter konfrontiert werden, der um sein Leben fleht. Die Teilnehmer wurden in zwei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt, die mithilfe des humanoid wirkenden Roboters 'Nao' zunächst einige Aufgaben lösen mussten. Aufhänger war die Verbesserung des Lernalgorithmus, bevor die Teilnehmer aufgefordert wurden, den Roboter abzustellen. Eine Hälfte hatte damit keine Probleme - schließlich wehrte sich Nao nicht gegen den Befehl. Die andere Hälfte wurde allerdings mit Protesten, flehen und einer menschlich mehr als nachzuvollziehenden "Angst vor der Dunkelheit" von Nao konfrontiert.

Tests mit einem humanoiden Roboter, Karten und einer Frau

Zunächst sollen die Teilnehmer den kleinen Roboter dabei helfen, seinen Lernalgorithmus zu verbessern. Doch als die Aufforderung kommt, 'Nao' auszuschalten, fleht der Roboter um sein Leben - und lässt die Teilnehmer hadern.

Quelle:  journals.plos.org 

Tests mit einem humanoiden Roboter, Karten und einer Frau

Zunächst sollen die Teilnehmer den kleinen Roboter dabei helfen, seinen Lernalgorithmus zu verbessern. Doch als die Aufforderung kommt, 'Nao' auszuschalten, fleht der Roboter um sein Leben - und lässt die Teilnehmer hadern.  

Quelle:  journals.plos.org 

Ein Roboter, der sich dem Anschein nach Sorgen um seinen Fortbestand macht, rief bei 13 der Freiwilligen solch eine Gegenwehr aus, dass sie sich der Aufforderung der Forscher widersetzten. 30 weitere Personen benötigten im Durchschnitt mindestens doppelt so lange für die Entscheidung, Nao den Saft abzustellen, als die Gruppe mit dem emotionslosen Roboter.

Für die Forscher keine allzu große Überraschung - baut die Studie doch auf der bereits angesprochenen Theorie der "Mediengleichung" auf, die besagt, dass Menschen dazu neigen, nichtmenschliche Medien zu behandeln, als wären sie Menschen. "Ausgelöst durch den Einwand neigen die Menschen dazu, den Roboter eher als eine reale Person als nur als eine Maschine zu betrachten, indem sie ihrer Aufforderung, eingeschaltet zu bleiben, folgen oder zumindest in Erwägung ziehen", äußern sich die Autoren.

Wir müssen lernen, uns nicht manipulieren zu lassen

Bereits 2006 befassten sich Forscher mit dieser Thematik und kamen zum Ergebnis, dass es "jetzt und zukünftig" mehr Ähnlichkeiten zwischen Mensch, Maschine und dessen Interaktion miteinander geben wird, als Unterschiede, weshalb wir uns mit diesem Umstand befassen müssten.

Wenn nicht, könnten wir in die Situation geraten, dass Roboter und KIs lernen, welche Knöpfe sie bei uns drücken müssen, um erfolgreich zu sein. Allzu große Sorgen sollten wir uns dennoch nicht machen, wenn es nach dem Forscher-Team geht, denn es sei alles nur eine Frage der Gewöhnung. Es seine eine unbewusste Entscheidung. Dies ließe sich ändern, es bedarf nur der Eingewöhnung.

Im nachfolgenden Video könnt ihr euch einen Eindruck eines früheren Tests verschaffen, der auf der gleichen Grundlage basiert. Der Testerin fällt es deutlich schwer, dem Roboter seine Bitte nach dem "Leben" auszuschlagen.

Quellen: theverge.com, journals.plos.org

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