Ein Mythos scheint nicht sterben zu wollen

Glaubt den Lügen nicht: Facebook zeigt eure Posts mehr als 26 Freunden

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von Julius Zunker -

Seit 2017 verbreitet sich immer wieder schreckliche Kunde in Facebook. Der üble und natürlich völlig nutzerfeindliche Algorithmus würde dafür sorgen, dass nur 26 Freunde im News Feed auftauchen. Ein Märchen aus den Abgründen des Internets, das so hartnäckig am Leben bleibt, dass sich Facebook nun dem Thema selber annimmt.

Der Text ist inhaltlich fast immer bei jeder Wiedergeburt identisch: Facebook habe einen neuen Algorithmus und dieser würde nun den News-Feed - also die endlose Reihenfolge von Fotos des letzten Mittagsmals, betrunkenen Party-Pics, Zen-Weisheiten und all den weiteren Kleinigkeiten - beschränken. Um dem zu entgehen hilft es nur eben jenes "Copy-and-Paste"-Meme (früher sagte man Kettenbrief) zu kommentieren. Ein einfacher Like würde schlicht nicht ausreichen, um den tückischen Algorithmus zu überwinden. Schnell noch auf die eigene Wall kopiert, schon würde man dem Algorithmus entgegenwirken.

Die Idee, dass dir der News-Feed nur Beiträge von einer bestimmten Anzahl von Freunden zeigt, ist ein Mythos.

Ramya Sethuraman | Produkt-Manager Facebook

Mimikama und Co, die sich der Aufklärung von Internet-Hoax verschrieben haben, widmen sich bei jedem vermehrten Auftreten exakt diesem Thema und widerlegen mit einer Engelsgeduld die Behauptung. Vielen "eingeweihten" Facebook-Nutzern platzt inzwischen schlicht der Kragen und auf die vermeintlich "einfältigen" Kettenbrief-Verbreiter (die es doch nur gut meinen!) prasselt im günstigsten Fall Häme herab. Für Facebook selber würde eine solche Beschränkung nicht einmal Sinn ergeben. Es ist dem Unternehmen aber durchaus verständlich, warum sich dieser Irrglaube so hartnäckig hält.

"Deine neuen besten Freunde (…) erklär ihnen auch mal diese Welt"

"Facebook möchte den Usern das zeigen, was sie sehen wollen" fasst Ramya Sethuraman, Product Manager und zuständig fürs "Ranking" bei Facebook, einen wichtigen Teil gegen das abergläubische "Copy-and-Paste"-Meme zusammen. Zwar ist die Haltung "wir zeigen euch nur, was ihr sehen wollt" aus anderen Gründen nicht unbeteiligt an so manchem Übel aus der Welt der Echokammern und Filterblasen, aber schon dieser Satz macht eines deutlich: Facebook würde die Informationsflut im Newsfeed nicht auf eine kleine Zahl von 25 bis 27 Personen limitieren wollen.

Was der Algorithmus allerdings tut: Er "ordnet" den Newsfeed nach dem bisherigen User-Verhalten. Mit wem häufig interagiert wird - ob mittels Like, Kommentar und Co. - wird eben als höher in der Skala des Gefallens angesehen und entsprechend "besser" behandelt.

Das Körnchen Wahrheit in diesem Facebook-Märchen

Im Umkehrschluss besteht - außer durch ein aktives Blocken oder "Stummstellen" durch den User selber - keine Limitierung nach unten. Es besteht lediglich die Möglichkeit dem Algorithmus ein höheres Interesse an den Inhalten einzelner Personen zu vermitteln. Wenn ihr also beim nächsten Mal, wenn dieser digitale Kettenmythos auftaucht, eine langwierige Diskussion unter dem ersten Post startet, dann werden in Zukunft Inhalte dieses Users vermutlich häufiger im eigenen Newsfeed auftauchen.

Immerhin wurde Interesse daran dem finsteren Algorithmus suggeriert. Und somit ist es wie so oft: Auch in diesem Märchen steckt ein kleines Körnchen Wahrheit - häufiges Kommentieren hilft.

Quelle: newsroom.fb.com

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