Der Vorhang fällt

Goodbye, Machinima - Einer der populärsten YouTube-Channels geht offline

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Seit der Gründung des YouTube-Kanals im Jahre 2006 gehörten die Videos von Machinima zu den beliebtesten Inhalten überhaupt – und das nicht nur für Gaming-Nerds und Popkulturisten. Doch jetzt, nach knapp 13 Jahren und trotz den über zwölf Millionen Abonnenten, zog Machinima den Stecker und setzte sämtliche Videos auf privat. Das Ende einer Ära, doch warum ausgerechnet jetzt?

Das war’s also - in aller Stille und ohne vorherige Ankündigung wurden die überaus beliebten Videos des bekannten Gaming-Channels Machinima auf "privat" gesetzt und sind somit ab sofort nicht mehr erreichbar. Dieser Schritt kam für die Fans und die Content-Ersteller gleichermaßen überraschend, da sich die Verantwortlichen im Vorfeld nicht zu den Plänen geäußert haben. Das bislang einzige Statement erfolgte erst danach. Darin teilte die Otter Media Group - Eigentümer von Machinima und zugleich Tochterfirma des Telekommunikationsriesen AT&T - mit, dass man derzeit mit dem Team an neuen Inhalten arbeitet, die in den kommenden Monaten auf neuen Kanälen erscheinen werden.

Welche Kanäle Otter Media damit genau meint, ließ das Unternehmen in der kurzen Stellungnahme gegenüber der Newsseite Kotaku jedoch offen. Ebenso fraglich scheint, um welches Team es sich dabei handelt, da die sogenannten Content Creators - also diejenigen, die die Videos für Machinima erstellt haben - weder informiert noch gewarnt wurden. Neben Machinima zeichnet sich die Otter Media Group außerdem für die Multi-Channel-Netzwerke 'Rooster Teeth Productions' und 'Fullscreen' verantwortlich.

Ein Screenshot der YouTube-Seite von Machinima

Das offensichtliche Ende des renommierten YouTube-Kanals kam für viele Nutzer überraschend. Sämtliche Video-Inhalte wurde von Machinima auf privat umgestellt und können somit nicht mehr angeschaut werden.

Quelle: (Screenshot)  YouTube 

Ein Screenshot der YouTube-Seite von Machinima

Das offensichtliche Ende des renommierten YouTube-Kanals kam für viele Nutzer überraschend. Sämtliche Video-Inhalte wurde von Machinima auf privat umgestellt und können somit nicht mehr angeschaut werden.  

Quelle: (Screenshot)  YouTube 

Eine Mischung aus Trauer, Wut und Unverständnis

Wie sich unter dem Hashtag #RIPMachinima auf Twitter recht gut erkennen lässt, hat der Schritt, sämtliche Videos von dem YouTube-Kanal zu entfernen, für einen wahren Aufschrei und reichlich Verwunderung innerhalb der Community gesorgt. Während die Fans des kultigen Machinima-Channels ihre Trauer zum Ausdruck brachten, waren viele der Content-Ersteller enttäuscht und sauer - und sie machten ihrer Wut über die fehlende Kommunikation bezüglich des drastischen Schrittes deutlich Luft. Dazu gehört auch Jeremy Azevedo, einer der bekanntesten Künstler und seit Jahren aktiver Content Creator von Machinima.

Zudem fragen sich die Beteiligten, warum die Videos auf privat gestellt und nicht direkt komplett gelöscht wurden. Ebenso herrscht Unverständnis darüber, dass selbst die Ersteller der betroffenen Videos nichts von den Plänen der Otter Media Group wussten - denn immerhin wurden ihre Werke, in denen viel Arbeit, Zeit und Herzblut stecken, praktisch gelöscht. Dementsprechend verwundert es kaum, dass derzeit zahlreiche Gerüchte kursieren, was die Zukunft des beliebten Netzwerkes angeht. Da sich die Verantwortlichen bislang jedoch noch immer in Schweigen hüllen, wird die Gerüchteküche wohl noch einige Zeit weiter befeuert.

Machinima? Was ist denn das überhaupt?

Für alle, die den Begriff Machinima - eine Mischung aus "machine" und "cinema" - bislang noch nicht kannten: Dabei handelt es sich kurz und einfach gesagt um Filme, die mit denselben Game-Engines erstellt werden, denen sich auch die verschiedenen Spiele-Entwickler bedienen. Das erste Machinima-Video mit dem Titel "Diary of a Camper" erschien bereits 1996 und nutzte dabei die Software 'Little Movie Processing Centre' (kurz LMPC), die übrigens von dem deutschen Programmierer und Physiker Uwe Girlich entwickelt wurde. Es folgten noch unzählige weitere Videos, wie beispielsweise 'Apartment Huntin' und sogar ein eigens inszeniertes 'Machinima Film Festival', das 2008 zum letzten Mal stattfand.

Ein fester Bestandteil der Videogame-Kultur

Ein weiteres prominentes Beispiel der Machinima-Technik ist die 2006 erschienene Southpark-Episode "Make Love, Not Warcraft", die sogar mit dem begehrten 'Primetime Emmy Award' ausgezeichnet wurde. Ein weiterer Unterschied zwischen normalen Animationsfilmen und den Machinima-Produktionen ist der Umstand, dass die Machinima-Videos komplett in Echtzeit berechnet werden. Mittlerweile ist diese Form der Video-Erstellung zu einer wahren Kunstform geworden, die immer wieder für Aufsehen gesorgt hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Machinima-Netzwerk schon bald einen würdigen Nachfolger findet.

Quellen: Heise.de / Digital Trends

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