Bedenkliche Entwicklung

Google bestätigt: Regierungsbehörden sammeln mehr Nutzerdaten als jemals zuvor

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Wie aus der aktuellen Erweiterung des Transparenzberichtes von Google hervorgeht, wurden im ersten Halbjahr 2016 mehr Nutzerdaten von Behörden und Regierungen abgefragt als jemals zuvor. Diese Besorgnis erregende Entwicklung ruft nun verständlicherweise zahlreiche Datenschützer auf den Plan, die die Privatsphäre der Nutzer und den Schutz der persönlichen Daten in Gefahr sehen.

Wie Google jetzt offiziell bestätigt hat, gab es alleine im ersten Halbjahr 2016 rund 45.000 Anfragen von Regierungsbehörden und -institutionen. Dabei wurden insgesamt 76.713 verschiedene Nutzerprofile und -konten abgefragt. Laut Google wurden davon 64 Prozent an die jeweilige Behörde herausgegeben. Dabei betonen die Verantwortlichen zwar, dass die Daten ausschließlich nach sorgfältiger Prüfung und nur auf Grundlage der bestehenden gesetzlichen Vorschriften herausgegeben werden, doch hinterlässt dieses Rekordhoch an Datenabfragen trotzdem einen überaus bitteren Beigeschmack.

Der Wissensdurst deutscher Behörden steigt rapide an

Laut dem Transparenzbericht stiegen die Anfragen im Vergleich zum Vorjahr um satte 27 Prozent an - und darüber hinaus sogar zum vierten Mal in Folge. Der Großteil dieser Regierungsanfragen stammt aus den Vereinigten Staaten (14.200), gefolgt von Deutschland (8.800). Allerdings wurden bei weitem nicht alle Anfragen deutscher Behörden von Google beantwortet, sondern "nur" 59 Prozent. Das bedeutet: von den insgesamt 13.402 abgefragten Nutzerkonten erhielten die Behörden in Deutschland Informationen zu 8.767.

Zwei Infografiken aus dem Transparenzbericht 2016 von Google.

Wie aus dem aktuellen Transparenzbericht von Google hervorgeht, stiegen sowohl die Anfragen als auch der Prozentsatz der tatsächlich herausgegebenen Daten in den letzten Monaten weiter an.  

Quelle: (Screenshot)  Google Transparenzbericht 2016 

Zwei Infografiken aus dem Transparenzbericht 2016 von Google.

Wie aus dem aktuellen Transparenzbericht von Google hervorgeht, stiegen sowohl die Anfragen als auch der Prozentsatz der tatsächlich herausgegebenen Daten in den letzten Monaten weiter an.  

Quelle: (Screenshot)  Google Transparenzbericht 2016 

Geht es nach den vorliegenden Informationen, wurden diese Auskünfte nur deshalb erteilt, da gerichtliche Verfügungen, aktive Verfahren oder ein begründeter Verdacht vorlag. Aus den von Google veröffentlichten Informationen geht zudem hervor, dass die Zahl der aus Deutschland abgefragten Nutzerdaten um rund 120 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen ist. Um welche Institutionen und um welche Konten es sich dabei genau handelt, bleibt aufgrund der bestehenden Datenschutzrichtlinien geheim. Gleiches gilt übrigens auch für die (Hinter-)Gründe dieser Anfragen.

Löschanfragen: Das Recht auf 'Vergessenwerden'

In dem aktuellen Transparenzbericht geht Google außerdem auf die Zahlen der von den Nutzern gestellten Löschanfragen ein. Seit dem im Mai 2014 bestätigten EuGH-Urteil ('Recht auf Vergessenwerden') wurden weltweit 567.728 Anfragen gestellt. Dabei ging es um die Löschung von insgesamt über 1,7 Millionen URLs. Laut Google wurden davon allerdings nur 56,8 Prozent tatsächlich entfernt.

Auch deutsche Internetnutzer scheinen um ihre Privatsphäre besorgt zu sein: insgesamt wurden 83.653 Anträge auf die Löschung von privaten Daten gestellt. Dabei handelt es sich um 303.244 URLs, die von Google überprüft werden sollten. Der Anteil der tatsächlich gelöschten Links zu den privaten Informationen der Nutzer beträgt laut Transparenzbericht 48,1 Prozent.

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