Ist das so?

Google-Chef: Die User wissen doch, wie viele Daten wir von ihnen sammeln

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von Michael Springer -

Google-CEO Sundar Pichai wurde gestern vom Justizausschuss des US-amerikanischen Repräsentantenhauses zu Googles Datensammelei befragt. Seine Haltung zum Thema: Google mache transparent, welche Daten es sammelt, und den Usern sei jede Option gegeben, diese Sammelei auf Wunsch zu beenden. Alles gut also? Nicht ganz.

In öffentlichen Reden kommt Sundar Pichai überaus sympathisch herüber. Er spricht ruhig und klar, ist meist lässig gekleidet, hält sich mit großen Gesten zurück und hat einen charmanten Akzent. Das Inszenierende eines Steve Jobs, das Mechanische eines Mark Zuckerberg sucht man bei ihm vergebens. Er wirkt ganz wie "einer von uns". Aber Sundar Pichai ist keiner von uns – er ist der CEO von Google und spricht nicht als Freund, sondern als Herr über ein Milliarden-Unternehmen.

Gestern musste der Google-Chef vor dem Justizausschuss des US-amerikanischen Repräsentantenhauses aussagen. Zentrale Fragen der Anhörung: Geht Google beim Sammeln seiner Daten ausreichend transparent vor? Ist den Usern überhaupt klar, in welchem Ausmaß sie ihre Daten bei der Nutzung von Googles Diensten bereitstellen?

Alles gar kein Problem?

Glaubt man Sundar Pichai, gibt es keinen Grund zur Sorge: "Google-Dienste überlassen Ihnen die Entscheidung darüber, welche Informationen sie sammeln." Google mache den Vorgang transparent, denn: "Es ist uns sehr wichtig, dass der durchschnittliche Nutzer sie (die Datenschutzbestimmungen, Anm. d. Red.) verstehen kann", so der Google-Chef weiter.

Es geht auch anders

Wie man Datenschutzhinweise nutzerfreundlich formuliert, zeigt Snapchat: Der Text ist auf das junge Snapchat-Publikum zugeschnitten, leicht verständlich geschrieben und mit praxisnahen Beispielen versehen.

So sieht es in der Praxis allerdings oft nicht aus. Zwar hat Google seine Info-Seite zur Datenschutzerklärung und zu den Nutzungsbedingungen vor einiger Zeit deutlich übersichtlicher gestaltet und mit erklärenden Videos und Grafiken versehen. Doch das trifft längst nicht auf alle Bereiche zu: Wer sich die Nutzungsbedingungen und Datenschutzhinweise zu 'Google Pay' anschaut, wird mit kaum formatierten Textwänden und Juristendeutsch konfrontiert. Zugegeben, eine Praxis, die uns überall im Netz begegnet – doch einfach zu verstehen ist für den durchschnittlichen Nutzer ganz bestimmt etwas anderes.

Sundar Pichai jedenfalls teilte zufrieden mit, dass sich im letzten Monat 160 Millionen Nutzer mit den Privatsphäre-Einstellungen ihres Google-Accounts auseinandergesetzt hätten. Klingt erst mal gut, doch allein Android kommt seit 2017 auf über zwei Milliarden aktive Nutzer. Und weil auch Gmail, YouTube und Google Maps die User-Massen anziehen, sind 160 Millionen nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

"Ja, es kann kompliziert sein"

Letztlich hilft alles Gestöhne nicht: Schuld sind auch wir, die Nutzer selbst. Man unterschreibt sonst auch keine Verträge, ohne sie vorher zu lesen (zumindest sollte man das nicht tun). Doch im Netz gelten offenbar andere Gesetze. Die Konsequenzen sind zu abstrakt, Googles Dienste (und die anderer Tech-Riesen) zu verlockend und was sind schon ein paar Daten. "Haben Sie die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzbestimmungen gelesen und akzeptiert?" Ja, ja, ja, ja...

Google mag Daten, denn sie sind viel Geld wert.

Google-Chef Sundar Pichai jedenfalls gelobt artig Besserung beim Thema Privatsphäre-Einstellungen: Ja, es sei gelegentlich kompliziert, aber man wolle die Dinge "vereinfachen und es dem durchschnittlichen Nutzer leichter machen, diese Einstellungen zu navigieren." Wer sich etwa bei Android schon durch die entsprechenden Menüs gewühlt hat, dürfte das für eine gute Idee halten.

Das alles nützt natürlich wenig, wenn Google die Wünsche seiner Nutzer einfach ignoriert. Obwohl sich User explizit dagegen entschieden hatten, zeichnete das Unternehmen Ortungsdaten auf. Google mag Daten, denn sie sind viel Geld wert, wie die New York Times jüngst offenlegte. Sundar Pichai mag also ein netter Kerl sein, aber als Chef von Google vertritt er die Interessen des Unternehmens – und die sind ganz sicher nicht identisch mit den Interessen der Nutzer.

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