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Kein Pardon für unzufriedenen Kunden

Google Maps: Geschäftsmann hetzt Anwalt auf 1-Stern-Bewerter

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Ein junger Österreicher hat jüngst Post vom Anwalt eines erbosten Ladenbesitzers bekommen: Wegen einer miesen Bewertung auf Google Maps sollte er 1.200 Euro Strafe zahlen. Eine überzogene Forderung, findet nicht nur der unzufriedene Kunde. Auch die Arbeiterkammer ist inzwischen auf den Vorfall aufmerksam geworden.

Jeder hat schon mal schlechte Erfahrungen beim Shoppen gemacht. Das gesuchte Produkt war nicht auf Lager, der Service unfreundlich, die Preise zu hoch. Nicht wenige machen ihrem Ärger dann über Bewertungsportale oder bei Google Maps Luft und übertreiben es - quasi als Denkzettel - mit der schlechten Bewertung. Das ist nicht gerade die feine englische Art - aber rechtfertigt das gleich das Einschalten eines Anwalts gegen den verprellten Kunden? Für den Chef eines österreichischen Sportgeschäfts offenbar schon.

1.200 Euro Strafe wegen schlechter Bewertung auf Google Maps

Was war passiert? Wie 'Oberösterreich Nachrichten' berichtet, fühlte sich ein sportbegeisterter 24-Jähriger während seines Besuchs in einem Laden für Sportgeräte schlecht beraten. Der Verkäufer, so die Begründung des Kunden, habe lediglich versucht, ihm die teuren Geräte schmackhaft zu machen. Dies wiederum habe ihn derart geärgert, dass er dem Geschäft prompt eine 1-Stern-Bewertung bei Google verpasst hat.

Geschäftsführer Andreas Lindpointner habe dies sofort bemerkt und das, aus seiner Sicht, ungerechtfertigte Urteil nicht auf sich sitzen lassen wollen: Er machte den 24-Jährigen auf Facebook ausfindig und bat ihn, die Bewertung rückgängig zu machen. Als dieser darauf nicht reagierte, zog Lindtpointer alle Register und kontaktierte seinen Anwalt. Der verprellte Kunde erhielt daraufhin ein Schreiben mit der Aufforderung, die Bewertung zu löschen - und die stattliche Summe von 1.200 Euro an den Geschäftsmann zu überweisen. "Wir haben vermutet, dass uns ein Mitbewerber mit derartigen Bewertungen schlechtmachen will", rechtfertigt Lindtpointer das harte Vorgehen gegen den Maps-Nutzer.

Schuld ist Google Maps, nicht der Kunde

Der Vorfall hat unterdessen sogar die österreichische Arbeiterkammer auf den Plan gerufen. Sollte es hart auf hart kommen, wolle diese den unzufriedenen Kunden sogar vor Gericht vertreten. "Konsumenten dürfen auch in der digitalen Welt nicht mundtot gemacht werden“, betont Ulrike Weiß, Leiterin der Konsumentenschutzabteilung, gegenüber 'OÖNachrichten'.

Dass der Geschäftsführer der Firma mit dem Einschalten des Anwalts überreagiert hat, ist ihm zwischenzeitlich aber offenbar klar geworden. "Wir haben daraus gelernt", gibt er zu Protokoll. Den schwarzen Peter schiebt Lindtpointer ohnehin nicht den Kunden, sondern vielmehr den teils anonymen Bewertungsportalen zu: "Ich finde es Wahnsinn, dass da wild herumbewertet wird. Das System an sich ist das Problem", meint er. Die Androhung der Klage sei bereits zurückgenommen worden, künftig wolle er keine Anwaltsschreiben mehr verschicken lassen.

Quelle: Oberösterreich Nachrichten

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