Gönnt euren Apps eine Pause

Googles Digital Wellbeing Initiative: Technik soll unterstützen, nicht einnehmen

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Während wir auf Entwicklerkonferenzen wie der Google I/O über Zukunftstechnologien sprechen, die sich immer tiefer in unseren Alltag integrieren, greifen Smartphones bereits jetzt unbarmherzig nach unserer kompletten Aufmerksamkeit. Google sucht nun mit der Initiative 'Digital Wellbeing' nach einem Weg, Technik und Nutzer in Einklang zu bringen.

Bereits zum zehnten Mal trommelte der Suchmaschineriese aus Mountain View Fans, Presse und Kritiker zu seiner alljährlichen Entwicklerkonferenz 'Google I/O' zusammen, denn Redebedarf gab es einmal mehr reichlich. Da war zum einen die bemerkenswerte Präsentation von Google Duplex – eine neue Funktion, die Anrufe von KIs täuschend echt klingen lassen kann. Zum anderen durften die zahlreichen Apps, Zukunftstechnologien und das hauseigene mobile Betriebssystem 'Android P' mit seinen kleinen und großen Neuerungen nicht fehlen.

Etwas weniger Aufmerksamkeit fiel hingegen auf die angestoßene Initiative des 'Digital Wellbeings' – also dem Versprechen seitens Google, die fortschreitende Technologie und den Menschen dahinter wieder mehr in Einklang zu bringen. Denn Begriffe wie "digitale Entgiftung" oder "Unplugging" fallen im Zuge der (nicht gerade neuen) Erkenntnis, dass sich das immer leistungsstärkere Smartphone als verlängerter Unterarm in unseren Alltag frisst – uns auf diese Weise vor dem Bildschirm fesselt, denn Screen-Time ist schließlich bares Geld.

Have a Break, have a YouTube-Reminder

Nun also Google - das Suchmaschinen-, Daten- und Werbeimperium -, das mit Tools und App-Funktionen zukünftig dazu aufruft, mal etwas halblang zu machen? Klingt zunächst abwegig, scheint sich allerdings zu einem Trend zu entwickeln, auf den Google lieber jetzt als zu spät aufspringen möchte.

Da ist zum einen die neue und etwas umständlich betitelte 'Daran erinnern, eine Pause zu machen'- Funktion in Androids mobiler YouTube-App, die ihrem Namen in nichts nachsteht. Äußerst nützlich, wenn uns die Videoplattform mal wieder von der anfänglich harmlosen Suche nach Vine-Compilations zu neuen Verschwörungs- oder Flat-Earth-Theorien geführt hat.

Kurz über die Kontenverwaltung am rechten oberen Bildschirmrand in die allgemeinen Einstellungen geklickt, schon erwartet euch die kleine aber nützliche Funktion mit einem Benachrichtigungsrhythmus zwischen 15 und 180 Minuten (siehe Galerie).

Startseite YouTube Android App mit vorgeschlagenen Videos

Zu der Erinnerungseinstellung gelangt ihr am schnellsten über eure Kontenverwaltung, wenn ihr auf das Profilbild am rechten oberen Rand der YouTube-App klickt.

(Screenshot)  youtube.com 

Kontenverwaltung YouTube Android Menü Einstellungen

In der Kontoverwaltung findet ihr – wie üblich – den Menüpunkt 'Einstellungen', der im Folgenden zum Menüpunkt 'Allgemein' führt.

(Screenshot)  youtube.com/ 

Daran erinnern, Pause zu machen Menü samt Minuteneinstellung

Die etwas sperrige Bezeichnung 'Daran erinnern, eine Pause zu machen' enthält nun die Timer-Funktion, die euch benachrichtigt.

(Screenshot)  youtube.com 

Startseite YouTube Android App mit vorgeschlagenen Videos

Zu der Erinnerungseinstellung gelangt ihr am schnellsten über eure Kontenverwaltung, wenn ihr auf das Profilbild am rechten oberen Rand der YouTube-App klickt.

(Screenshot)  youtube.com 

Kontenverwaltung YouTube Android Menü Einstellungen

In der Kontoverwaltung findet ihr – wie üblich – den Menüpunkt 'Einstellungen', der im Folgenden zum Menüpunkt 'Allgemein' führt.

(Screenshot)  youtube.com/ 

Daran erinnern, Pause zu machen Menü samt Minuteneinstellung

Die etwas sperrige Bezeichnung 'Daran erinnern, eine Pause zu machen' enthält nun die Timer-Funktion, die euch benachrichtigt.

(Screenshot)  youtube.com 

Mit Android-Dashboard und smarten App-Funktionen zum perfekten Zeitmanagement?

Darüber hinaus plant Google die Einführung eines Android-Dashboards, mit dessen Hilfe wir in Zukunft unser Zeitmanagement im Auge behalten können. Das Dashboard ist noch nicht ausgerollt, soll uns aber ein "komplettes Bild vermitteln, wie wir unser Smartphone benutzen", so Google auf der offiziellen Website von 'Digital Wellbeing'. Wie viel Zeit wir am Telefon verbringen, wie lange wir Apps nutzen und wie viele Notifications unseren Alltag stören – wesentliche Punkte, die das Smartphone zu einem regelrechten Zeitfresser mutieren lassen.

Damit will sich Google dem Anschein nach aber nicht zufrieden geben, beschreibt das Unternehmen dort doch weitere Einstellungsmöglichkeiten und neue Funktionen, mit denen es uns zukünftig geräteübergreifend leichter fallen soll, den sprichwörtlichen Stecker zu ziehen – oder zumindest Ruhe einkehren zu lassen. Stille-Funktionen, Automatisierungen von Diensten wie Google Photos oder Priorisierungen von Eingangsbenachrichtigungen: All das erwartet Smartphone-Besitzer, um sich ein Stück weit Unabhängigkeit zu erklicken.

Verantwortungsvoll trinken – Digital Wellbeeing ist keine Aktion reiner Nächstenliebe

Google betreibt nun also aktiven Schutz vor zu intensiver Smartphone-Nutzung? Irgendwie widersprüchlich – erinnert uns die eigentlich sehr positive Initiative für "digitales Wohlergehen" doch irgendwie an einen Aufkleber auf Bierflaschen, der vor übermäßigem Alkoholgenuss warnen will: Trinkt bitte, aber nur so viel, dass ihr weiterhin Kunden bleiben könnt.

Wegweisende Technologie sollte das Leben verbessern, nicht davon ablenken.

Digital Wellbeing | Google

Die Vermutung liegt nahe, dass Google präventiv Smartphones mit der Technologie ausstattet, damit sich die Nutzung nicht mehr so einnehmend anfühlt. Smarte Dienste, die automatisch Bilder gruppieren, Assistenten, die uns den Anruf beim Friseur abnehmen und Termine eintragen sowie ein Kinderschutz, der es Eltern durch diverse Filter erleichtert, Kinder unbeaufsichtigt auf Portalen wie 'YouTube Kids' surfen zu lassen. Sicherlich tragen viele der 'Digital Wellbeing'-Funktionen dazu bei, dass Personen nicht mehr dauerhaft von Notifications belästigt werden und es generell einfacher fällt, das Smartphone für eine gewisse Zeit links liegen zu lassen. Dennoch fällt die Annahme schwer, dass ein börsennotiertes Unternehmen - das mit Screen-Time des Nutzers Geld verdient – gesteigertes Interesse daran hat, wenn Nutzer ihr Handy zur Seite legen.

Das Konzept der Digital-Wellness ist unter Digitalarbeitern schon längst ein Trend, dem sich selbst Googles Chef-Etage nicht mehr entziehen kann. Zu viel Smartphone-Nutzung und Berieselung wird von Experten allgemeinhin als ungesund eingestuft - deshalb muss der Aufkleber her. Lieber weniger aktive Zeit am Smartphone, dafür mehr smarte Funktionen und Assistenten integrieren, um Nutzer an Dienste zu binden.

Nichtsdestotrotz: Der eingeschlagene Weg ist per se kein schlechter. Aus unserer Sicht sollte man sich nur von dem Gedanken lösen, dass angesprochene Funktionen und Dienste ausschließlich aus reiner Nächstenliebe den Weg zum Nutzer finden.

Quellen: 9to5google.com, wellbeing.google

Hier erfährst du mehr über: Android und Google

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1 Kommentar
TR_Pierre

Eine schöne Zusammenfassung der Konferenz! Ich persönlich freue mich schon auf noch mehr, noch smartere Assistenz. Den Alltag weniger digital zu verbringen, finde ich auch nicht schlecht. Endlich mal wieder sozial - ohne Netzwerk.