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Gefühl von falscher Sicherheit

[Update] Googles Filterblase lässt uns auch im Inkognito-Modus nicht los

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Kurz zur neutralen Meinungsbildung in den Inkognito-Modus switchen oder zumindest aus Google abmelden, damit der Suchmaschinenkonzern keine personalisierten Suchergebnisse bereitstellt. Mit dieser geläufigen Annahme räumte jetzt eine Studie des alternativen Suchmaschinenanbieters DuckDuckGo auf. Das Filterblasenproblem ist weiterhin real.

Filterblasen existieren nicht erst, seit es das Internet gibt - schließlich versprach schon der gute alte Stammtisch eine Form der isolierten Unterhaltung unter Freunden oder Interessengruppen. Doch die Bedarfsermittlung von Algorithmen trug erheblich dazu bei, dass sich der Begriff der allgemein hin bekannten "Bubble" überhaupt erst prägte.

Filterblasen sind weder gut noch schlecht - zumindest dann, wenn man weiß, dass man sich in ihnen bewegt. In einer Studie der alternativen Suchmaschine 'DuckDuckGo' haben die Forscher nun festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, aus dem Griff der personalisierten Google-Suche auszubrechen. Selbst dann nicht, wenn man die Mechanismen nutzt, die Google selbst dafür bereitstellt.

DuckDuckGo untersucht das Filterblasenproblem in Google

Es ist sicherlich nicht unüblich, Google als die populärste und möglicherweise auch intuitivste Suchmaschine zu nutzen. Vor allem dann, wenn ihr euch mit einem aktiven Google-Konto im Netz bewegt, sollte klar sein, dass der Konzern Informationen sammelt und eine Personalisierung vornimmt - das ist das Geschäftskonzept und ermöglicht Google vorauszusagen, welche Suchergebnisse zu euch passen. Persönliche Vorlieben, Interessen und Tendenzen spielen also in die Ergebnisse mit ein, damit uns auch bloß nicht die neuesten Sneakers oder das exklusive Make-Up entgehen. Für jeden das Seine.

Grafik einer Suche von 3 Personen in Google

Drei Suchanfragen nach "gun control", drei unterschiedliche Ergebnisse. Die Tester surften alle im Inkognito-Modus und trotzdem: Sowohl News, Videos als auch die Suchergebnisse und der generelle Aufbau von Googles Seite 1 unterschieden sich.  

Quelle:  spreadprivacy.com 

Grafik einer Suche von 3 Personen in Google

Drei Suchanfragen nach "gun control", drei unterschiedliche Ergebnisse. Die Tester surften alle im Inkognito-Modus und trotzdem: Sowohl News, Videos als auch die Suchergebnisse und der generelle Aufbau von Googles Seite 1 unterschieden sich.  

Quelle:  spreadprivacy.com 

Weniger klar ist hingegen, dass eine ähnliche Datenerhebung und Personalisierung erfolgt, wenn man sich aus seinem Google-Konto ausloggt oder im 'privaten Modus' surft. Dies geht zumindest aus einer kleinen Studie hervor, die DuckDuckGo mit 87 Teilnehmern durchführte. Grob gesagt hieß das Ziel der Studie: "Schauen, ob sich Google seinem Filterblasenproblem angenommen hat." Das Ergebnis kann man sich denken, denn obwohl sich die Teilnehmer alle gleichzeitig aus ihrem Konto ausloggten und auf die Suche nach den gleichen Themen machten, bekamen so gut wie alle unterschiedliche Ergebnisse präsentiert.

Warum das so problematisch ist? Weil Informationsbeschaffung in Zeiten von Fake-News und gezielter Missinformation dadurch nicht einfacher wird. Wer auf dieser Basis von einer neutralen Suche ausgeht, um sich beispielsweise Grundlageninformationen zu beschaffen, nimmt die angepassten Suchergebnisse unter Umständen zur Meinungsbildung. Wenn jetzt jeder unterschiedliche Ergebnisse erhält, die durch persönliche Informationen angereichert oder verschoben werden, können diese Ergebnisse die Meinungsbildung negativ beeinflussen.

Weg vom falschen Sicherheitsgefühl durch Inkognito und Co.

Die Methodik hinter der von DuckDuckGo ins Leben gerufenen Studie lässt sich im Detail auf der offiziellen Website nachlesen. Zusammengefasst stellten die Forscher fest:

  • Die meisten Teilnehmer sahen Ergebnisse, die für sie einzigartig waren. Diese Diskrepanzen konnten auch nicht durch diverse Änderungen wie Zeit, Ort oder die Anmeldung bei Google erklärt werden, heißt es in der Studie.

  • Auf der ersten Seite der Suchergebnisse fügte Google Links für einige Teilnehmer ein, die für andere nicht erschienen - auch wenn sie abgemeldet oder im privaten Modus unterwegs waren.

  • Die Ergebnisse innerhalb von Nachrichten und Video-Infoboxen unterschieden sich signifikant. Und obwohl die Testpersonen zur gleichen Zeit und unter Berücksichtigung des Standorts suchten, bekamen diese unterschiedliche Quellen angezeigt.

  • Auch der private Modus und die Abmeldung von Google selbst boten demnach wenig bis kaum Filterblasenschutz. "Diese Funktionen bieten einfach nicht die Anonymität, die die meisten Menschen erwarten. Tatsächlich ist es einfach nicht möglich, die Google-Suche zu nutzen und die Filterblase zu vermeiden."

Darüber hinaus fanden die Forscher deutliche Worte für das Testergebnis: "Wir hören oft von der falschen Annahme, dass der private Browsermodus Anonymität im Web ermöglicht. Aber dieser Befund zeigt, dass Google die Suchergebnisse unabhängig vom Browsermodus anpasst. Man sollte die Menschen nicht in ein falsches Sicherheitsgefühl wiegen, dass sie im sogenannten "inkognito"-Modus anonymisiert seien."

+++ (Update 06.12.2018] +++

Kaum war das Fass ins Rollen gebracht, folgte auch schon die Antwort: Über den offiziellen Twitter-Account von Google SearchLiaison (@searchliaison) widersprach Googles SEO-Experte Danny Sullivan indirekt der DuckDuckGo-Studie und hegte via 'SearchEngine Journal' Zweifel an der Vorgehensweise.

"Die Methodik und Schlussfolgerungen dieser Studie sind fehlerhaft, da sie auf der Annahme beruhen, dass jeder Unterschied in den Suchergebnissen auf einer Personalisierung beruht. Das ist einfach nicht wahr. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Faktoren, die zu leichten Unterschieden führen können, einschließlich Zeit und Ort, die diese Studie offenbar nicht effektiv kontrolliert hat."

Die sich über mehrere Tweets hinziehende Antwort bezog sich zwar nicht direkt auf die von DuckDuckGo veröffentlichte Studie, ging inhaltlich allerdings konkret auf die Ergebnisse ein. Darin ist unter anderem die Rede von einem "Mythos", dass verschiedene Personen deutlich unterschiedliche Suchergebnisse erhalten würden.

Zwar könnten sich die Suchergebnisse unterscheiden, in der Regel jedoch nicht aus personalisierten Gründen. Hier würden vor allem Standort, Spracheinstellungen, die jeweilige Plattform und die Dynamik eine so komplexen Suche an sich eine Rolle spielen. Der Zeitpunkt sei ebenfalls ein Faktor, da (unter anderem bei Nachrichten) bereits wenige Minuten einen deutlichen Unterschied ausmachen könnten. Google würde die Suchergebnisse nur leicht personalisieren, sodass keine dramatischen Veränderungen zwischen zwei Personen erkenntlich seien.

Wer eine Personalisierung verhindern und sich selbst ein Bild von dem wirklichen Ausmaß machen möchte, dem gibt der Tweet einen Link zu Googles 'Aktivitätseinstellungen' an die Hand, wo sich die "leichte Personalisierung" ausschalten oder pausieren lässt.

+++ (Update 06.12.2018] +++

Quelle: betanews.com, searchenginejournal.com

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