YouTube, Facebook und Twitter zu nachlässig

Hetze im Netz: Soziale Medien kommen mit dem Löschen nicht hinterher

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Hassbotschaften im Netz gab es schon immer. Doch gerade im Zuge der aktuellen Flüchtlingskrise gerieten rassistische und sexistische Kommentare in den sozialen Medien teils völlig außer Kontrolle. Seit letztem Jahr versucht eine Taskforce dieser Hetze im Netz Herr zu werden - mit mäßigem Erfolg.

Die Gründung der Taskforce "Umgang mit rechtswidrigen Hassbotschaften im Internet" des BMJV ist jetzt gut ein Jahr her. Doch was hat sich seither getan? Diese Frage haben sich die Forscher von jugendschutz.net gestellt und einen umfangreichen Versuch auf die Beine gestellt. Dafür ermittelten sie insgesamt 622 Beiträge, die nach § 130 und § 86a StGB eindeutig strafbar waren - z. B. weil sie den Holocaust leugneten oder Kennzeichnen verfassungswidriger Organisationen beinhalteten.

Werden normale User nicht ernst genommen?

In ihrem Bericht kommen die Jugendschützer zu der Erkenntnis, dass alle getesteten sozialen Netzwerke bei der Löschung gemeldeter Inhalte offenbar mit zweierlei Maß messen: Meldeten sich die Tester als herkömmliche User bei Facebook an, wurden lediglich 46 Prozent der strafbaren Inhalte gelöscht. YouTube reagierte lediglich bei jedem zehnten und Twitter sogar nur bei einem aus hundert eingereichten Fällen.

Anders sah es aus, als sich die jugendschutz.de-Mitarbeiter als privilegierter User bei YouTube und Twitter akkreditierten und die Hasskommentare nach einer Woche erneut meldeten. Als 'Trusted Flagger' erreichte die Lösch-/Sperrquote so immerhin 39 Prozent auf dem Video-Portal, und auf Twitter schnellte sie von einem auf ganze 76 Prozent hoch. Schließlich fassten die Forscher noch einmal direkt per E-Mail nach, woraufhin Facebook 84 , YouTube 96 und Twitter 24 Prozent der noch verbleibenden Inhalte löschte.

Versprechen nicht eingehalten

Unterm Strich stellen die Jugendschützer fest, dass noch bei keinem Dienst eine - wie von der Taskforce eigentlich ursprünglich zugesicherte - Löschung oder Sperrung strafrechtlich relevanter Inhalte binnen 24 Stunden stattfindet. Zwar sei die Löschquote unter der Berücksichtigung der durchgeführten Maßnahmen besser als noch in einem Kontrollversuch wenige Monate zuvor. Insgesamt müsse die Meldung von Hassinhalten aber insbesondere auch für normale User deutlich einfacher gestaltet werden.

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