Zu dumm, um Online-Reviews zu verstehen

Hotel-Bewertungen: Wie unser Gehirn uns bei Online-Reviews im Stich lässt

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

1 von 5 Sternen: miese Absteige. 5 von 5: Traumhotel. Ist es wirklich so einfach? Leider nein, wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. Denn sobald eine Online-Bewertung unsere vorgefertigte Meinung über ein Hotel bestätigt, sind wir gegenüber der Benotung weit weniger kritisch - und gegenüber Fake-Reviews weitaus anfälliger.

Draußen wird es ja gerade wieder ungemütlich - höchste Zeit sich um einen Ausflug in wärmere Gefilde zu kümmern, denken sich da sicher viele von euch. Damit der Urlaub aber kein Reinfall wird, muss natürlich auch die Unterbringung genau euren Vorstellungen entsprechen. Wie schön, dass es Portale wie TripAdvisor, HolidayCheck und andere Webseiten gibt, auf denen Hotels anhand einfach zu verstehender 5-Punkte-Skalen und ausführlicher Reviews bewertet werden. Moment - einfach zu verstehen? Nicht ganz.

Online-Reviews: Unser Gehirn spielt uns einen Streich

Denn wie Wissenschaftler von der University of New York herausgefunden haben, spielt uns unser Gehirn dabei hin und wieder einen gehörigen Streich. Der Knackpunkt ist: Wie bewerten wir die Bewertungen der Hotels für uns selbst? "Das menschliche Gehirn ist biologisch betrachtet so verdrahtet, dass es sich wohlfühlt, wenn seine Erwartungen erfüllt werden", erklärt Dr. Snehasish Banerjee.

Wenn also ein Luxus-Hotel eine gute und eine vermeintlich miese Absteige eine schlechte Bewertung bekommt, hinterfragen wir das Rating tendenziell weniger kritisch. Anders formuliert: Erst, wenn ein Ritz-Carlton mit einem von fünf Sternen angezeigt wird, werden wir wachsam. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen 'Bestätigungsfehler' (Confirmation Bias): Die Interpretation einer unbekannten Situation wird verzerrt, indem unbewusst Informationen bevorzugt werden, die unseren eigenen Erwartungen entsprechen.

Schlechte Reviews sind für Billig-Hotels schlimmer, weil Nutzer negative Kommentare hier eher als verlässlich einstufen.

Snehasish Banerjee

Das hat durchaus einen Nutzen, denn so spart das Gehirn Ressourcen - eine Art Abkürzung für den Gehirnschmalz sozusagen. Der offenkundige Nachteil: Sind Meinungen erst einmal gefestigt, wird es immer schwieriger, sie zu relativieren. Selbst beste Argumente sind dann mitunter wirkungslos. Ihr diskutiert öfters mit Dickköpfen und wundert euch über deren Immunität gegenüber Logik und Vernunft? Jetzt wisst ihr warum.

Die Erkenntnisse sind auch deshalb so bedeutend, weil laut den Wissenschaftlern bis zu 30 Prozent aller Hotel-Reviews getürkt sind. Wenn wir ein billiges Hotel mit einer guten Bewertung pauschal des Betrugs bezichtigen, sind wir womöglich einfach nur Opfer unserer Gehirnwindungen geworden, die eine bequeme Abkürzung genommen haben. Umgekehrt gilt das genauso: Ein Luxushotel mit einer guten Bewertung ist nicht unbedingt weniger verdächtig, nur weil wir einem 5-Sterne-Hotel eher eine gute Benotung zutrauen.

Quelle: Science Daily

Hier erfährst du mehr über: Gesundheit

Sag uns deine Meinung!