Soderbergh nutzt interaktives Storytelling

In HBOs interaktiver Mini-Serie Mosaic ist alles eine Frage der Perspektive

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Andere Blickwinkel und vielschichtige Schlussfolgerungen in der linear erzählten Mini-Serie 'Mosaic'. Steven Soderbergh versucht sich in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Fernsehsender HBO an der interaktiven Umsetzung eines Serienformats mithilfe der gleichnamigen App.

Mal ehrlich: Wie oft habt ihr einen Film gesehen, in dem ihr schon vorher sagen konntet, was im nächsten Moment geschieht? Filme, Serien oder komplette Genres folgen gerne Abläufen, die sich als altbewährt rausgestellt haben.

"Wir teilen uns auf!" - typischer Anfängerfehler in Horrorfilmen und Kopf-Klatsch-Moment. "Wer ist das? - Mein Ex-Freund." oder "Ich hab ein Job-Angebot bekommen - das wollte ich schon immer machen." - kennt ihr? Liebesfilme erzeugen häufig Momente, in denen das totale Glück auf die Probe gestellt wird. Es könnte doch alles so schön sein, aber wir sind halt erst bei Minute 64 von 90.

A Story, that you navigate!

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Thriller setzen hingegen gerne auf Verschleierung oder falsche Fährten, um den Zuschauer absichtlich in die Irre zu führen bis das letzte Puzzleteil den Täter entlarvt. Selbst wenn das Ende oft überraschend kommt, gibt es auch hier wiederkehrende Momente. "So früh zeigen sie den Täter noch nicht!", gern stellt man dem ersten Tatverdächtigen einen Freibrief aus.

In der neuen Mini-Serie 'Mosaic' setzen Regisseur Steven Soderbergh und Ed Solomon als Drehbuchautor diesmal neben einer linearen Story auf die gleichnamige 'Mosaic App', die dem Zuschauer nicht nur die vorgegebene Perspektive erlaubt, sondern den Handlungsverlauf aus unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht. Obwohl HBO nicht der erste Sender ist, der App-Unterstützung für seine Formate anbietet, wirkt dieser Versuch durchaus gelungen.

Mosaic: Viele kleine Steine bilden das große Ganze

'Mosaic' setzt nicht auf die gängige interaktive Formel, den Ausgang durch die Wahl der Figur zu beeinflussen, denn die Story bleibt immer dieselbe. Vielmehr nutzen die handelnden Personen unterschiedlich verfilmte Sichtweisen, bei denen der Zuschauer bestimmten Charakteren folgt und dabei nicht mehr in der Situation ist, am Ende jede Handlungsweise nachvollziehen zu können.

Der Trailer zeigt einen Zuschauer, der sich an bestimmten Handlungspunkten entscheiden muss, welchem Charakter er weiterhin folgt. Die Perspektivwechsel erzeugen unterschiedliche Story-Wege, vernachlässigen dafür andere Handlungsstränge und führen den Zuschauer dennoch ans selbe Ende. Während die Mini-Serie für Anfang 2018 auf HBO angekündigt ist, steht die Mosaic-App bereits im November für iOS zur Verfügung - Android-Besitzer gehen hier - zumindest momentan - leer aus. Soderbergh selbst bezeichnet das Ergebnis dieses dreijährigen Entwicklungsprozesses als "simple, intuitive Erfahrung" und als eine "elegante" Form des interaktiven Storytellings.

Wir dürfen also gespannt sein, was Mosaic aus den angepriesenen Möglichkeiten letztendlich wirklich herauskitzelt. Die Besetzung kann sich mit Sharon Stone und Garrett Hedlund schon mal sehen lassen.

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