digitale Themen, leicht verständlich.

Lifestyle, Fitness und ein bisschen Hass

Instagram: Nicht nur Facebook und Twitter kämpfen mit Propaganda

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Die sozialen Medien werden immer mehr zum Spielfeld der Mächtigen: Fabrizierte News auf Facebook, Fake- und Bot-Accounts auf Twitter, politisch motivierte Posts an jeder Ecke. Von Instagram war dabei lange nicht die Rede – dabei scheint sich die Plattform bestens zur Stimmungsmache zu eignen.

Die Zeiten, in denen wir Facebook als "unschuldiges" Werkzeug genutzt haben, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben und banale Urlaubsfotos zu teilen, sind vorbei. Stattdessen laden sich die Schlagzeilen rund um das soziale Netzwerk mit Negativität auf. Fake-News, Bot-Accounts, Propaganda, Hassrede, Wahlmanipulation – solche Begriffe bestimmen momentan die Wahrnehmung. Twitter ergeht es ähnlich, in den USA steht auch Reddit in der Kritik. Auffällig still blieb es hingegen rund um Instagram. Hat die Foto-Plattform die aktuellen Probleme vielleicht einfach besser im Griff? Nicht wirklich, sagt eine detaillierte Untersuchung.

Instagram wird mindestens genauso häufig für politische Propaganda benutzt wie Twitter

Jonathan Albright, ein amerikanischer Professor für Medienforschung, hat sich intensiv mit politischer Stimmungsmache auf Instagram auseinandergesetzt. Sein Fazit ist eindeutig: Instagram sei einer der größten Verbreitungskanäle für politisch motivierte Memes und werde mindestens genauso häufig für solche Zwecke genutzt wie Twitter. Umso schwerer wiege es seiner Auffassung nach, dass Propaganda-Posts auf Instagram tendenziell mehr Feedback, mehr Interaktion anziehen als vergleichbare Beiträge auf Twitter. Das liege in der Natur der Plattform und gelte für bestimmte Teile der Bevölkerung besonders stark.

Seine Untersuchungen beziehen sich auf Posts der russischen Firma 'Internet Research Agency' (IRA), die auch für einen Großteil der Facebook-Propaganda rund um den US-Wahlkampf von 2016 verantwortlich gewesen sein soll. Satte 170 von der IRA ins Leben gerufene Accounts, die insgesamt rund 120.000 Beiträge produzierten, haben die Sicherheitsbeauftragen von Instagram auf der Plattform ausgemacht und geschlossen. Obwohl der Medienforscher Albright nur 28 von den insgesamt 170 Accounts näher betrachtete, konnte er mehr als 2,5 Millionen Interaktionen mit den hetzerischen Posts nachweisen – und damit ist explizit nicht die Zahl der bloßen Aufrufe gemeint. Die muss um ein Vielfaches höher liegen.

Propaganda hält sich hartnäckig

Das größte Problem ist jedoch nicht die Reichweite, sondern die "Beständigkeit" der eingeschleusten Botschaften, wie die New York Times an einem Beispiel-Post (siehe unten) belegt: Das islamophobe Meme geht erwiesenermaßen ebenfalls auf das Konto der russischen IRA – der Account, mit dem es zuerst gepostet wurde, ist längst gebannt. Doch wie bei Instagram (und allen anderen sozialen Netzwerken) üblich wurde das Bild von anderen Nutzern heruntergeladen und über den eigenen Account erneut verteilt. Es hat den Kosmos der russischen Propaganda-Maschinerie längst verlassen und sich verselbstständigt.

Welchen Effekt solche hetzerischen Posts haben, lässt sich an diesem Beispiel leider bestens ablesen: Die Kommentare sind ein Sumpf aus Beleidigungen, Hass und Intoleranz. Politische Propaganda dieser Art soll Gräben ziehen, die Bevölkerung spalten – leider gelingt ihr das offenbar sehr "erfolgreich":

Quellen: Jonathan Albright, The New York Times

Hier erfährst du mehr über: Facebook

Sag uns deine Meinung!