Ob ihr wollt oder nicht ...

Interaktion statt Konsum: Facebook will Newsfeed ändern [Update]

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von Benjamin Krämer -

Facebook ändert ständig die Struktur seines Newsfeeds und den dahinterstehenden Algorithmus. Das geht vielen Nutzern auf den Geist, ändert es doch nicht nur die Inhalte, sondern auch die Interaktions- und Sichtmöglichkeiten. Nachdem sich viele Nutzer in den letzten Wochen über eine massiv eingeschränkte Reichweite ärgerten, kommt jetzt wohl schon die nächste Neuerung.

Eine Änderung des Newsfeeds. Na gut. Aber da war doch was? Mir fiel in den letzten Wochen als erstes auf, dass sich etwas verändert hat, als ich ständig die Nachricht bekam: "Benjamin, bewerbe jetzt deinen Beitrag XY für 10 Euro und erhalte die x-fache Reichweite." Offenbar hatte ich einmal auf den Button "Beitrag bewerben" geklickt und es dann doch nicht getan. Seither erinnert mich Facebook ausdauernd daran, dass ich doch bitte Geld ausgeben möge. Mit dieser Erfahrung war ich nicht der einzige. Hinzu kam, dass die Reichweite von Beiträgen deutlich eingeschränkt wurde. Mehr Reichweite bekommt man natürlich durch beworbene Beiträge, die Geld kosten - ein Schelm, wer böses denkt. Der Ärger darüber entlud sich weniger bei Privatpersonen, die den Reichweiteneinbruch nicht so sehr bemerkt haben dürften, sondern eher bei Bloggern und Unternehmern. Jetzt kommt schon wieder eine Änderung des Newsfeeds.

Neuer Newsfeed für "mehr Interaktion"

Mark Zuckerberg nannte es eine Änderung für "mehr Interaktion und weniger passiven Konsum". Inhalte, die häufiger kommentiert und geliked werden, sollen bevorzugt werden vor jenen, die einfach nur angeklickt werden, ohne, dass eine nennenswerte Interaktion stattgefunden hätte. Dafür will Facebook herausfinden, über welche Themen wir wohl gerne mit unseren Freunden in Kontakt treten. "Wir fühlen uns verantwortlich Facebook nicht nur zu einem lustigen Ort zu machen, der Spaß macht, sondern zu einem, der zum Wohlbefinden seiner Nutzer beiträgt." Wie genau die Änderungen praktisch aussehen werden, steht noch in den Sternen. Es darf jedoch vorsichtig angezweifelt werden, ob Beiträge, die heiß diskutiert werden und viele Kommentare bekommen, wirklich per se zu unserem Wohlbefinden beitragen. Immerhin sind unter anderem AfD-Beiträge solche mit sehr hoher Interaktion. Die Diskussionen darunter haben bisher nicht zu meinem Wohlbefinden beigetragen.

+++ (Update 16.01.2018) +++

Mit der geplanten Änderung wagt Facebook einen Schritt zurück in Richtung Soziales Netzwerk und weg von reinen Investoren-Interessen.

Ich wäre ein schlechter Redakteur, würde ich bei weiterer Recherche nicht die Möglichkeit offen lassen, meine Meinung zu ändern. Also: Ich habe meine Meinung geändert. Nachdem die letzten Tage das Internet vor lauter 'Facebook ändert wieder seinen Newsfeed'-Nachrichten überzuquellen schien, ergibt sich für mich ein etwas anderes Bild: Bisher war Facebook eine Art Internet im Internet. Viele User brauchten Facebook gar nicht mehr verlassen, um Informationen über Gott und die Welt zu erhalten und das war ganz im Sinne von Zuckerberg und seinem weißen 'F'. Die kommende Änderung scheint aber tatsächlich so auszusehen, dass private Inhalte deutlichen Vorrang vor News und bezahlten (Firmen-)Inhalten bekommen. Und nicht nur das: Es wird errechnet, welche Interessen wir mit unseren Freunden gemeinsam haben und welche Themen uns verbinden. Das oben genannte Beispiel mit AfD-Posts dürfte sich also erübrigen, da ich keine Freunde in meiner Freundesliste habe, die AfD-Interessen haben.

Die Konsequenzen für Facebook sind potenziell gewaltig und scheinen vom Konzern aus Palo Alto (trotz sicherlich sinkendem Shareholder Value) akzeptiert zu werden. Die Konsequenz dieser Änderung wird nämlich sein, dass Facebook schrumpft, weil die User wieder auf Drittseiten ihre Nachrichten des Tages suchen. Falls Mark Zuckerberg diesen Weg also geht, ziehe ich meinen Hut davor, denn das wäre ein Weg weg vom immer ausufernderen Auktionshaus für Werbeplätze zurück zu dem Gedanken eines Sozialen Netzwerks, das diesen Namen auch verdient. Das wird natürlich nicht heißen, dass es keine monetären Interessen mehr gibt, aber das ist auch gar nicht nötig. Ein kleiner Schritt von monetär zu sozial reicht mir schon, zeigt er doch immerhin in die richtige Richtung.

+++ (Ende Update 16.01.2018) +++

Ein Video von CBS zu den Änderungen seht ihr hier:

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