In der Öffentlichkeit sind Kopfhörer empfohlen

Interaktive Karte der menschlichen Emotionen: Sie stöhnt, lacht, kreischt

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von Julius Zunker -

Menschliche Emotion findet viele Ausdrucksformen. Vieles davon äußern wir verbal verständlich, allerdings bleiben eine Menge Gefühle ohne direkte Erklärung. Eine Gruppe von Wissenschaftlern der UC Berkeley hat nun diese Ausbrüche analysiert. Das Ergebnis ist so unheimlich wie eindrucksvoll: Eine hörbare, interaktive Karte unserer Emotionen.

Wer mit dem Cursor über diese interaktive Karte der menschlichen Gefühlswelt fährt, dem schreit, stöhnt, ächzt, lacht, kreischt, und quietscht es nur so entgegen. Bei hoher Geschwindigkeit steigert es sich zu einem unheimlichen, kakophonischen Crescendo des Wahnsinns, bei langsamer Bewegung enthüllt sich, wie nahe gegensätzliche Emotionen doch tatsächlich beieinander liegen.

Eine Kakophonie der Emotionen

Doch mit jedem kleinen, berührten Dreieck dieser Datenbank gesellt sich ein weiterer Klang dazu, der teils noch nachhallt, und schnell ist man wieder beim beschleunigten Eindruck: Menschen auf einer Orgie, Schreckensschreie einer eingesperrten Menge, kollektiver Ekel dröhnt aus Kopfhörern oder Boxen. Das Gemeinschaftsbüro ist sicherlich der falsche Ort um sich mit dieser wissenschaftlichen Arbeit zu beschäftigen.

Die stöhnende Karte ist als Teil der Ergebnis-Darstellung einer US-Studie aus dem Dezember 2018 entstanden. Die Studie selber wurde im 'American Psychologist' veröffentlicht und ist auf 37 Seiten nachlesbar. Ziel der Autoren war es sogenannte "Vocal Bursts", also kurze, nonverbale Ausbrüche und Laute zu analysieren. Mehr als 2.000 Lacher, Stöhner, Aufschreier von 56 sowohl weiblichen, als auch männlichen Kandidaten wurden dafür aufgenommen.

Crowdgesourcte Analyse via Amazon

Ein paar dieser Lautgeber sind professionelle "Voice Actor", andere sind komplette Stimm-Laien. Sie stammen von überall: Aus den USA, Indien, Europa, Afrika und Asien. Das Team der UC Berkeley hatte für eine Mitarbeit auf Amazons Crowdsourcing Marktplatz "Mechanical Turk" (kurz: MTurk, benannt nach Wolfgang von Kempelens 1769 gebauten, vermeintlichen Schachcomputer) geworben, um die einzelnen Sounds zu analysieren und dort 1.000 Mitarbeiter gefunden.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter entdeckten dabei schnell, dass sich die Ergebnisse der crowdgesourcten Analyse in mindestens 24 Arten von Emotionen einordnen lassen: Von Belustigung, Wut, Ehrfurcht, Verwirrung, Ablehnung über Begehren, Enttäuschung, Ekel, negativen Stress, Ekstase, Begeisterung, Verlegenheit, Furcht, Interesse, Schmerz, Erkenntnis, Erleichterung, Traurigkeit, positive wie negative Überraschung, bis hin zu Sympathie und Triumph.

Reaktions-Sampling dank YouTube

Im nächsten Schritt nahm das Team gleichartige Reaktionen auf ausgewählte YouTube-Clips auf: Darunter Klassiker wie Kuscheln mit jungen Hundewelpen bis hin zu Schreckensszenen herabfallender Babys. Die so gewonnen Sounds wurden erneut von 88 Mitarbeitern abgehört und in die 24 Kategorien eingeteilt.

Die Sounds selber und die dazugehörigen Analysen wurden dann auf einem interaktiven Streudiagramm ausgebreitet, welches die Basis für die Seite bildet. Wer nicht nur hektisch über der Karte kreist, erkennt, dass zu den einzelnen Samples Angaben ablesbar sind - diese lassen erkennen, wie die bewertenden Teilnehmer der Studie das entsprechende Sample eingeordnet haben.

In einem öffentlichen Statement zur Studie erklärte der federführende Autor Alan Cowen, seines Zeichens Ph. D. Student der Psychologie an der UC Berkeley: "Die Ergebnisse zeigen, dass emotionale Ausdrücke unsere sozialen Interaktionen mit geistigen Aussagen unserer inneren Emotionen färben, die schwer falsch vorzugeben sind - und dass unsere Freunde, Mitarbeiter und Partner sich darauf verlassen diese Laute in Bezug auf unsere wahren Motive richtig beurteilen zu können."

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