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wann wird zu viel Internet zum Problem?

Ist das Internet schlecht für uns? Internationales Expertennetzwerk gegründet

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Wann wird das Internet zum Problem für Nutzer? Und was genau verursacht diese Probleme? Fragen, auf die es bislang noch immer keine eindeutigen Antworten gibt. Ein gestern gegründetes Expertennetzwerk will das nicht länger hinnehmen und begibt sich daher auf die Suche nach Antworten. Ein paar gibt es bereits - und die sind einigermaßen beruhigend.

Habt ihr schon mal einen harmlosen Schnupfen gehabt und trotzdem panisch eure Symptome gegoogelt? Eure(n) Ex auf Instagram gestalkt? Nächtelang ein neues Online-Game gezockt oder euch zu viele Erwachsenenvideos auf gewissen Streamingseiten angesehen? Klar habt ihr das, machen wir uns nichts vor. Und nicht selten habt ihr deswegen vielleicht sogar ein latent schlechtes Gewissen gehabt. Doch ist das auch wirklich unnormales oder schädliches Verhalten? Und falls ja: Was genau verursacht eigentlich ein solches Verhalten im Web und wie lässt es sich kurieren?

"Problematische Verwendung des Internets ist ein ernster Sachverhalt. Fast jeder nutzt das Internet, aber es fehlen noch immer Informationen über bedenkliche Nutzung", meint die Professorin Naomi Fineberg, beratende Psychiaterin an der University of Hertfordshire und Vorsitzende des gestern gegründeten 'European Problematic Use of the Internet (EU-PUI) Research Network'.

Wir kennen die Ausmaße des Problems nicht, was schädliche Nutzung verursacht, oder ob verschiedene Kulturen unterschiedlich anfällig dafür sind.

Naomi Fineberg, University of Hertfordshire

Insgesamt 123 Experten unterschiedlicher Fachbereiche aus ganz Europa forschen unter diesem Banner ab sofort an den Ursachen für und den Auswirkungen von exzessivem Gaming, Online-Glücksspiel, Internetpornografie, der oben angesprochen Cyberhypochondrie und mehr. Das geloben die Forscher in einem (leider momentan nicht verfügbaren) Manifest. Immerhin 520.000 Euro lässt die EU sich das kosten.

Internetsucht: Verfügbarkeit ist nicht das Problem

Ist das Problem also größer, als wir dachten? Sind wir alle gefährdet? Schwer zu sagen, der wahre Umfang des Problems sei noch nicht bekannt, betont die Professorin in einer Veröffentlichung der Cambridge University. Bedeutet eine durchzockte Nacht im schlimmsten Fall aber automatisch, dass wir Internet- oder Computerspiel-süchtig sind? Glücklicherweise nicht, wie Professor Zsolt Demetrovics, ein weiterer Autor des Manifests, gegenüber dem englischen Guardian betont.

Auch nicht dann, wenn dadurch ehemalige offline-Handlungen ersetzt würden - wie zum Beispiel das Nachschlagen von Symptomen in Fachliteratur. Für so manche sicher ebenfalls beruhigend: "Verfügbarkeit allein verursacht die Probleme nicht. Niemand wird zu einem problematischen Internet-Nutzer oder einem Pornosüchtigen, nur weil es (das Internet; Anm. d. Red.) einfacher erreichbar ist. Das Vorhandensein all dieser internetfähigen Geräte bedeutet schließlich auch, dass Hilfe für diesen Zustand ebenfalls verfügbarer ist."

Quellen: University of Cambridge, The Guardian

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