Wenn der eigene Körper zum Gefängnis wird

Keine Likes für Leid: Instagram will gefährdete Personen besser schützen

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Foto von Sven Schäfer

von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

In der jüngsten Vergangenheit kam es immer häufiger vor, dass auf Instagram Fotos von Selbstverletzungen und anderen selbstschädigenden Verhaltensweisen aufgetaucht sind. Diese Bilder wurden (zur allgemeinen Verwunderung) derart oft geliked, dass sich die soziale Plattform nun dazu entschlossen hat, einige Änderungen vorzunehmen, um gefährdete Personen besser schützen zu können.

Vorab ein paar Worte in eigener Sache: wir von Netz.de wollen euch unterhalten, euch die spannendsten News aus dem Internet präsentieren und natürlich auch informieren. Doch es gibt Themen, die keinen Spaß machen, dafür aber noch ein Stück weit wichtiger sind, als die reine Unterhaltung. Der folgende Artikel behandelt eine neue Herangehensweise der sozialen Plattform Instagram an Themen wie Selbstverletzungen und Suizid -– und Möglichkeiten zur deren Prävention. Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, hier keine potentiell unpassenden Bilder verwenden, doch könnten die folgenden Inhalte trotzdem für einige Leser verstörend wirken. Für Menschen, die selber mit Depressionen zu kämpfen haben oder unter einem selbstverletzenden Verhalten leiden, gibt es die Möglichkeit, die Telefonseelsorge zu kontaktieren, die unter der Rufnummer 0800 – 1110111 eine anonyme und kostenlose Beratung anbietet.

Den Verantwortlichen bei Instagram ist diese negative Entwicklung schon vor einiger Zeit aufgefallen. Dies führte laut einer offiziellen Stellungnahme dazu, dass man sich mit internationalen Experten, Akademikern und Medizinern zusammengetan hat, um Wege zu finden, wie man zukünftig verhindern kann, dass sich Fotos mit selbstverletzenden Darstellungen derart rasant verbreiten können. Dabei standen, neben dem allgemeinen Jugendschutz, auch die Wahrung der psychischen Gesundheit von potentiell gefährdeten Personen und ebenso die Suizidprävention im Vordergrund.

Wenn der Instagram-Post zum stummen Hilferuf wird

Bei einem derart wichtigen und zugleich komplexen Thema besteht natürlich die Gefahr, dass Instagram mehr falsch als richtig machen kann. Daher haben sich die Verantwortlichen dazu entschlossen, derartige Postings nicht direkt zu löschen, da diese den betroffenen Personen dabei helfen können, die Unterstützung zu erhalten, die sie in ihrer komplizierten Situation dringend benötigen. Gleichzeitig besteht jedoch die Möglichkeit und somit die Gefahr, dass diese Fotos von selbstzugefügten Schnittverletzungen, versuchten Selbsttötungen und anderen zum Teil extremen Selbstschädigungen negative Auswirkungen auf andere Personen haben könnten – und daher das Potential besitzen, weitere Selbstverletzungen ungewollt zu fördern.

Aus diesem Grund wird Instagram diese Fotos in Zukunft grundsätzlich nicht mehr zulassen. Wie bereits erwähnt, werden diese jedoch auch nicht sofort gelöscht. Stattdessen will Instagram versuchen, den Menschen die Möglichkeit zu geben, um mit spezialisierten Support-Communities und anderen Institutionen in Kontakt treten zu können. Bei extremen Bildern, die zum Beispiel einen versuchten Selbstmord oder möglicherweise eine Art "Anleitung" dazu beinhalten, will Instagram allerdings sofort tätig werden.

Darüber hinaus wird die soziale Plattform zukünftig vermehrt darauf achten, dass spezielle Hashtags oder auch die 'Empfohlenen Inhalte' intensiver und häufiger geprüft werden. So möchte man verhindern, dass vor allem psychisch labile oder depressive Kinder und Jugendliche diese Suchbegriffe als Aufforderung oder gar als Inspiration verstehen. Langfristig möchte Instagram dafür sorgen, dass die Community diesen Themen eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommen lässt und die Betroffenen unterstützt – allerdings steht dem Erfolg dieses Vorhabens noch ein weiter und steiniger Weg bevor.

Was wird sich in Zukunft bei Instagram ändern?

Die neuen Regeln zum Schutz von gefährdeten Personen, werden von den Verantwortlichen bei Instagram folgendermaßen definiert:

  • "Wir lassen keine Bilder/Fotos von Selbstverletzung – wie zum Beispiel das Schneiden oder auch Ritzen der Haut – mehr zu, auch wenn diese zuvor geduldet wurden. Wir haben niemals Beiträge erlaubt, die Selbstmord, (schwere) Selbstverletzungen oder -verstümmelungen fördern, und werden sie auch weiterhin direkt entfernen, wenn sie gemeldet werden."

  • "Derartige Inhalte sollen zukünftig auch nicht unter den Hashtags und unter dem Menüpunkt 'Durchsuchen' anzeigt werden – und wir werden diese auch nicht (als Trend) empfehlen. Wir entfernen diese Art von Inhalten nicht vollständig von Instagram, da wir nicht möchten, dass Personen, die möglicherweise in Not geraten sind, stigmatisiert oder isoliert werden und diese selbstschädigenden Inhalte als Hilferuf veröffentlicht haben."

  • "Wir möchten Menschen in ihrer Not unterstützen – deshalb konzentrieren wir uns auch darauf, mehr Ressourcen für diese Personen bereitzustellen, die Inhalte zum Thema Selbstverletzung veröffentlichen oder aktiv danach suchen, und sie an Organisationen weiterzuleiten, die helfen können."

  • "Wir beraten uns weiterhin mit Experten, um herauszufinden, was wir noch tun können. Dazu gehört etwa auch das Entschärfen von Inhalten, die sich auf selbstverletzende Themen beziehen. Das soll mit einem sogenannten 'Sensitivity Screen' erreicht werden, der verhindert, dass solche Bilder sofort sichtbar/erkennbar sind."

Quelle: Instagram Info Center

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