Crowdfunding spült frisches Kapital in die Kasse

Kik: Großangriff auf Messenger-Markt dank Krypto-Investitionen?

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Noch nichts von 'Kik' gehört? Das könnte sich bald ändern. Mit einer Investitionsspritze von rund 100 Millionen US-Dollar wird der kanadische Instant Messenger von jetzt auf gleich zum bislang größten teilfinanzierten Internetunternehmen mithilfe von Kryptowährung.

Nein, dieser einigermaßen verbreitete Kurznachrichtendienst ist kein digitaler Marktschreier des deutschen Textil-Discounters "KIK", der euch Schnäppchen und Angebote der neuen Herbst-/Winter-Kollektion per Chatnachricht zusendet. Vielmehr reiht sich der kostenlose Instant Messenger in dieselbe Riege ein, in der auch Dienste wie Facebook Messenger, WhatsApp oder iMessage um die Gunst der Nutzer buhlen.

Der Begriff ICO anhand seiner Anfangsbuchstaben erklärt

ICO ist ein neues, auf Kryptowährung beruhendes Finanzierungsmodell, das Wikipedia mit einem Börsengang vergleicht. Investoren kaufen sich monetäre oder handelbare Einheiten von einem Unternehmen, die in ihrer Funktion variieren können. Experten schätzen das Modell für Investoren eher kritisch ein.  

Quelle: (g0d4ather)  Shutterstock.com 

Der Begriff ICO anhand seiner Anfangsbuchstaben erklärt

ICO ist ein neues, auf Kryptowährung beruhendes Finanzierungsmodell, das Wikipedia mit einem Börsengang vergleicht. Investoren kaufen sich monetäre oder handelbare Einheiten von einem Unternehmen, die in ihrer Funktion variieren können. Experten schätzen das Modell für Investoren eher kritisch ein.  

Quelle: (g0d4ather)  Shutterstock.com 

Obwohl Kik vor allem für deutsche Nutzer bisweilen völlig unter dem Radar geflogen ist, verkündete der Dienst zuletzt einen frischen Geldfluss an Investitionen in einer Größenordnung von rund 100 Millionen US-Dollar - keine geringe Summe für eine App, die es in statistischen Erhebungen offenkundig nicht unter die Top 5 Instant Messenger schafft. Wirklich bemerkenswert ist jedoch, wie die Kapitalbeschaffung ablief, nämlich durch 'Initial Coin Offerings' (ICOs) – eine Crowdfunding-Methode durch den Verkauf von Firmenanteilen in Form von Kryptowährung, auch bekannt als 'Kin Tokens'. Experten halten dieses Finanzierungsmodell für sehr unsicher – es gilt als zu intransparent für Investoren und risikobehaftet, denn man erwirbt quasi eine neue Kryptowährung, die es in dieser Form noch nicht gibt und setzt auf deren Erfolg. Wo kommt also dieses Vertrauen her, das Investoren in Kik setzen?

Unter US-Teens ist Kik weit verbreitet

Mit fast 100 Millionen US-Dollar an Anteilsverkäufen ist Kik das bislang erfolgreichste teilfinanzierte Internetunternehmen, das auf dieser Grundlage an ICO-Investitionskapital gelangte. Selbst Kik-Gründer Ted Livingston ist vom Erfolg dieses Modells überrascht und hätte Anfang des Jahres nicht damit gerechnet, wie er TechCrunch erzählt:

"If you had told me back in January that we would sell $100 million of a new cryptocurrency in September, I wouldn’t have believed you."

[...] the aim is to develop a decentralized ecosystem that is not reliant on revenue from advertising or e-commerce.

Ted Livingston | TechCrunch.com

Das Vertrauen in das 2009 gegründete Messaging-Unternehmen ist demnach gewaltig - unter anderem auch deshalb, weil vor allem US-amerikanische Teens auf den kanadischen Dienst fliegen und Kik mit geschätzten 300 Millionen Usern insgesamt eine große Fanbase aufweist. Auch wenn offizielle Statistiken kaum existieren oder Kik selten in Vergleiche der Top-Messenger reinrutscht - so häufen sich die Angaben aus öffentlichen Quellen und News-Sites, die Nutzern ein hohes Interesse an Kik attestieren und Kik-Nutzer selbst als durchaus engagiert bezeichnen, wenn es um Verweildauer oder die bloße Anzahl versendeter Kurznachrichten geht.

Im Unterschied zu WhatsApp, Threema oder iMessage empfängt Kik zudem auch Nachrichten ohne den Dienst mit der Mobilfunknummer zur koppeln. Zur Anmeldung genügt ein einmaliger Nickname, mit dem man auch Kontakte außerhalb seiner Telefonliste aufnehmen kann. Dadurch ähnelt es in gewisser Weise ICQ, das dem Nutzer eine einmalige Kennziffer zuwies.

Darüber hinaus wird Messengern bereits seit einigen Jahren nachgesagt, die Zukunft der digitalen Unternehmenskommunikation darzustellen. Sie verändern die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren – auch Unternehmen erhoffen sich durch Messenger neue Möglichkeiten der direkten Markenkommunikation mit der Zielgruppe.

(@deBeneke)
Großangriff auf den Messenger-Markt?

Ob die genannten Gründe ausreichen, um dem Instant Messenger Kik mit einer Investitionsspritze von rund 100 Millionen US-Dollar auszustatten – vor allem, wenn Experten diesem Finanzierungsmodell Intransparenz und "Regeln wie im wilden Westen" nachsagen – mag ich nur schwer einschätzen. Es ist dennoch immer wieder verwunderlich, was abseits der Platzhirsche eines zukunftsträchtigen Sektors passiert und welche Möglichkeiten sich aus Kryptowährungen ergeben.

Und dieses Finanzierungsmodell scheint die Runde zu machen, denn nach Angaben von TechCrunch trieben Unternehmen mithilfe von ICOs in 2017 bereits 1,7 Milliarden Dollar auf. Die Einnahmen ermöglichen dem Kik-Gründer nun auf jeden Fall die Entwicklung eines "dezentralen Ökosystems" – abseits von der Notwendigkeit, mithilfe von Werbung oder Webhandel weiteres Einkommen zu generieren.

Vielleicht startet Kik also bald zum Großangriff auf den Messenger-Markt.

Hier erfährst du mehr über: Instant Messenger und FinTech

Sag uns deine Meinung!