Tut ihm leid ...

Kogan packt aus: So habe ich Cambridge Analytica geholfen - mit Facebooks Wissen

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Cambridge Analytica und Facebook hatten im Zuge des Datenskandals schnell einen Hauptschuldigen an der Hand, weil man ja selbst auf keinen Fall schuldig sein konnte: Alexandr Kogan, ein britischer Professor von der University of Cambridge, der für die Datenfirma zur Informationsgewinnung auf den 87 Millionen Profilen angeheuert worden war. Nun äußerte er seine Sicht der Dinge.

Das ist schon ein starkes Stück: Da wird bekannt, dass die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica, die sich auf Kunden aus der Politik spezialisiert hat, mindestens 87 Millionen Userprofile von Facebook gestohlen hat, um Trump zum Wahlsieg zu verhelfen und russische Propaganda in dem sozialen Netzwerk zu streuen. Dann stellt sich dieselbe Firma hin und offenbart zum einen den Namen desjenigen, der die entsprechenden Daten ausgewertet hat und zeigt im selben Atemzug mit dem Finger auf ihn. Er habe das getan. Mark Zuckerberg freute sich auch über die Möglichkeit, mit dem Finger von sich wegdeuten zu können und tat es der angeprangerten Firma gleich: Kogan habe eine Lücke im Appsystem missbraucht und das sei moralisch verwerflich. Man ist bei den Hauptbeschuldigten also offenbar der Auffassung, dass nicht diejenigen, die jemanden für eine illegale Handlung bezahlen, schuldig sind, sondern der Handelnde selbst.

Kogan zeigt sich reuig und offenbart, dass Facebook von allem wusste

Mark Zuckerberg

Zuckerberg hat von Beginn an Front gegen Alexandr Kogan gemacht: Zu Unrecht?  

Quelle: (Frederic Legrand - COMEO)  Shutterstock.com 

Mark Zuckerberg

Zuckerberg hat von Beginn an Front gegen Alexandr Kogan gemacht: Zu Unrecht?  

Quelle: (Frederic Legrand - COMEO)  Shutterstock.com 

Alexandr Kogan ist ein 28 Jahre alter Psychologieprofessor, der sich in einem ausgedehnten Interview der New York Times gestellt hat. In diesem Interview erklärte er, dass er sich als Bauernopfer von Cambridge Analytica und Facebook betrachte, die alle Schuld auf ihn abwälzen wollten. "Damals dachten wir, es wäre okay [das zu tun]. Jetzt hat sich meine Meinung wirklich geändert", sagte er gegenüber dem Traditionsblatt und fügte hinzu: "Ich denke, dass die Grundidee, die wir hatten - jeder weiß es, niemanden kümmerts - falsch war. Dafür entschuldige ich mich in aller Form."

Besonders kritisch zeigte sich Facebook gegenüber Kogan, sperrte seinen Account und versicherte, dass sie der Professor darüber, wie die Daten genutzt würden, in die Irre geführt habe. Kogan selbst widerspricht dieser Darstellung jetzt vehement und versicherte, dass er gegenüber Facebook zu jeder Zeit deutlich kommuniziert habe, wie und wofür die Daten genutzt würden - es habe schlicht niemanden gestört. Wie immer ist es in der Aufarbeitung solcher Fälle, die von Falschaussagen und PR-Kalkül durchzogen sind, schwierig jemanden auszumachen, der wirklich die Wahrheit sagt.

Quelle: New York Times

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