Studie lässt aufhorchen

Krank und einsam durch zu viel Social Media?

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Wenig Kontakt zu anderen Menschen führt schnell zu Einsamkeit, kann Auslöser für Krankheiten sein und sogar die Lebenserwartung verringern. Wer fehlende menschliche Nähe aber in den sozialen Medien zu kompensieren versucht, könnte sich laut einer aktuellen Studie auf dem Holzweg befinden - und alles nur noch schlimmer machen.

Soziale Isolation, also die Abwesenheit von regelmäßigen Kontakten zu anderen Menschen, ist für gesellige Wesen wie uns Menschen nicht nur ungesund, sondern verkürzt sogar unser Leben. Zahlreiche Studien, wie zuletzt eine aus dem Jahr 2015 von Holt-Lunstad et al., wollen dies nachgewiesen haben. Ganz unmittelbar ist diese wahrgenommene soziale Isolation zunächst einmal schlicht unangenehm – denn wer fühlt sich schon gern einsam?

Viele flüchten sich deshalb in die sozialen Medien. Schließlich bieten Facebook, Twitter, Instagram und Co. jede Menge Möglichkeiten, sich mit Freunden auszutauschen und sich vermeintlich aus der Isolation zu befreien. Paradoxerweise könnte genau das ein folgenschwerer Trugschluss sein: In einer aktuellen Studie des American Journal of Preventive Medicine finden die Autoren einen eindeutigen, positiven Zusammenhang zwischen wahrgenommener sozialer Isolation und erhöhtem Gebrauch sozialer Medien.

Social-Media-Poweruser bis zu 3 Mal anfälliger

1.787 US-Amerikaner zwischen 19 und 32 Jahren haben die Forscher zu ihrem Verhalten auf den elf größten Social-Media-Portalen befragt. Die wahrgenommene soziale Isolation wurde im Anschluss anhand der etablierten 'Promis-Skala' ermittelt. Die Ergebnisse scheinen eindeutig: Diejenigen mit der längsten in sozialen Medien verbrachten Zeit wiesen demnach eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit auf, an wahrgenommener sozialer Isolation zu leiden, wie diejenigen, die sich kaum auf einschlägigen Portalen bewegen. Teilnehmer mit Social-Media-Nutzung von mehr als 58 Mal pro Woche seien sogar drei Mal so gefährdet.

"...Gesteigerte Nutzung sozialer Medien wurde in einer nationalen, repräsentativen Stichprobe junger Erwachsener mit wahrgenommener sozialer Isolation deutlich und unabhängig assoziiert."

Brian A. Primack et al.

In welche Richtung dieser Zusammenhang wirkt, ist - das räumen die Autoren auf Seite sechs der Studie selbst ein - aber noch nicht einwandfrei nachgewiesen. Ebenso gut könnten Personen, die sich bereits isoliert fühlen, erst in der Folge verstärkte Social-Media-Nutzung an den Tag legen. Um diese klassische Henne-und-Ei-Problematik zu lösen, müsse also weitere Forschung betrieben werden.

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