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Mit erfundener Krankheit Geld verdient

Krebs-Lüge: Bloggerin muss hohe Strafe zahlen

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Nach einem Gerichtsurteil muss eine australische Wellness-Bloggerin und Influencerin nun rund 300.000 € Strafe zahlen. Sie hatte vorgegeben, ihren Hirntumor mit alternativen Heilmethoden und einer gründlichen Ernährungsumstellung besiegt zu haben. Nichts davon stimmte – doch über ihren Blog und Social Media kassierte sie kräftig ab.

Belle Gibson im Interview

Belle Gibson im Interview mit dem australischen Fernsehen.  

Quelle:  YouTube 

Belle Gibson im Interview

Belle Gibson im Interview mit dem australischen Fernsehen.  

Quelle:  YouTube 

Der Fall der 25-jährigen Australierin Belle Gibson macht es wieder einmal deutlich: Man sollte nicht alles glauben, was im Internet zu lesen steht. Mit einem großen Lügenkonstrukt hatte sich die junge Frau in den vergangenen Jahren eine goldene Nase verdient. Auf ihrem Blog ('The Whole Pantry', mittlerweile gelöscht) berichtete sie davon, wie sie ihren Hirntumor mit alternativen Heilmethoden besiegte, nachdem die Schulmedizin keine Heilung bringen konnte. Alles erfunden, Belle Gibson war nie an Krebs erkrankt.

Besonders perfide: Kinder und Erwachsene, die tatsächlich an Krebs erkrankt und auf der Suche nach Hoffnung waren, saßen ihren Lügen auf, befolgten ihre Ratschläge. Gibson empfahl ayurvedische Medizin, Sauerstofftherapie und den Verzicht auf Gluten und raffinierten Zucker. Sie legte nahe, eine "natürliche" Heilung sei effektiver und könne die Schulmedizin ersetzen. Außerdem sprach sie sich gegen Impfungen oder für die umstrittene, potentiell gefährliche 'Gerson-Therapie' aus. Ihr Blog boomte, eine eigene App und ein erfolgreiches Kochbuch folgten.

Lügenimperium brachte der Bloggerin viel Geld

Sie baute ein Social-Media-Imperium auf, das mehrere Hunderttausend Dollar Profit abwarf. Öffentlichkeitswirksam kündigte die junge Frau immer wieder an, große Teile dieses Gewinns an wohltätige Organisation und betroffene Familien zu spenden. Diese Versprechen blieb Gibson allerdings schuldig: Nur knapp 10.000 Dollar spendete sie insgesamt. Stattdessen mietete sie ein Haus in bester Lage, leaste ein Luxusauto, kaufte Designerkleidung. Als sie in den Fokus der Medien geriet, verstrickte sie sich in Widersprüche und ihr Lügengerüst stürzte sukzessive in sich zusammen.

If there is one theme or pattern which emerges through her conduct, it is her relentless obsession with herself and what best serves her interests.

Richterin Debbie Mortimer

Nun hat ein australisches Gericht sie der vorsätzlichen Täuschung schuldig befunden und eine Strafe von 410.000 australischen Dollar (rund 300.000 Euro) verhängt. Die Strafzahlung soll nicht an den Staat fließen, sondern gemeinnützigen Organisation zu Gute kommen.

Ob die Verurteilte die Strafe überhaupt zahlen kann, ist allerdings offen – ihre finanzielle Situation ist unklar. Zu den Gerichtsterminen war Gibson außerdem nicht persönlich erschienen. Auf eine E-Mail des Gerichts reagierte sie nur mit den Worten "Danke für das Update".

Ein wenig Skepsis kann nicht schaden

Natürlich ist dieser Fall ein Extrembeispiel. Dennoch waren hier die grundlegenden Mechanismen am Werk, derer sich Influencer, Social-Media-Stars und Blogger heute täglich bedienen: Gezielt setzen sie auf die eigene Reichweite und das Vertrauen, das ihre Follower ihnen entgegenbringen, um Werbung für alle möglichen Produkte, Marken und Services zu machen. Ob sie abseits der Werbeverträge und Werbeeinnahmen von diesen Empfehlungen in jedem Fall aufrichtig überzeugt sind, steht auf einem anderen Blatt.

Wir alle wissen allerdings, wie selten ein Produkt letztlich das bietet, was die Werbung verspricht. Ein wenig Skepsis kann also nicht schaden. Oder wie seht ihr das?

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