Kommt jetzt die Wende?

#LoveTwitter – Keine Partystimmung am 10. Geburtstag

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von Sandra Eichhorn (@sandra_rockt)-

Was vor genau 10 Jahren mit Jack Dorseys erstem Tweet „Just setting up my twttr“ begann, ist heute so gut wie jedem ein Begriff. Die 140-Zeichen-Nachrichten sind zum Kult geworden. Trotzdem kämpft Twitter mit stagnierenden Nutzerzahlen und einer Aktie, die im Keller ist. Ein Resümee zum 10. Geburtstag.

Schneller als Nachrichtenagenturen

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist vor 10 Jahren ganz zufällig bei einem Brainstorming entstanden, als der Gründer Jack Dorsey damals vorschlug, kurze Statusmeldungen an alle Kollegen via SMS zu senden. Zu dem Zeitpunkt hat wohl niemand damit gerechnet, wie groß das soziale Netzwerk einmal werden würde. Zahlreiche Höhepunkte verhalfen Twitter in den folgenden Jahren zu dem Ruf, schneller als die großen Nachrichtenagenturen zu sein.

Zu den Highlights gehörten zum Beispiel der Tweet über das Flugzeug, das im Hudson River landete oder Ellen DeGeneres Gruppen-Selfie von den Oscars 2014 - beides Bilder, die um die ganze Welt gingen. Heute feiert das soziale Netzwerk seinen 10. Geburtstag. Unter dem Hashtag #LoveTwitter werden in der ganzen Welt Geburtstagsgrüße getwittert. Die Feier wird jedoch von Sorgen überschattet: Trotz der großen Bekanntheit und des Kultstatus hinkt Twitter den anderen sozialen Netzwerken weiter hinterher und kämpft zudem mit stagnierenden und teils sogar rückläufigen Nutzerzahlen.

Ende 2015 ist die Zahl der User sogar erstmals seit dem Börsengang 2013 zurückgegangen: Mit 320 Millionen aktiven Nutzern verzeichnete das soziale Netzwerk zwei Millionen User weniger als noch drei Monate zuvor. Zum Vergleich: Facebook kommt auf 1,6 Milliarden aktive Nutzer und wächst stetig. Sogar das Fotonetzwerk Instagram, das erst vier Jahre nach Twitter an den Start ging, hat mittlerweile mehr aktive Nutzer (rund 400 Millionen). Zudem schreibt das Unternehmen dauerhaft rote Zahlen und auch die Aktie ist im Keller.

Rettungsversuche sind umstritten

Erstmals deutsche Nutzerzahlen

Zum 10. Geburtstag wurden erstmals Nutzerzahlen für Deutschland bekannt gegeben: Jeden Monat kommen etwa 12 Millionen Menschen in Deutschland mit Twitter in Berührung. Wie genau sich diese Zahl zusammensetzt, wurde aber nicht näher erläutert.

Twitter versucht jetzt alles, um die Inhalte attraktiver zu machen und mehr Nutzer zu generieren, die auch eine Zeit lang auf der Seite verweilen. Bislang kamen die geplanten Maßnahmen allerdings weniger gut an - vor allem bei den bereits registrierten Usern. Die Kunst wird es jetzt sein, die Stamm-Nutzer nicht zu verärgern und trotzdem neue User für den Kurznachrichtendienst zu begeistern. Im Januar kursierte aufgrund eines kuriosen Tweets von Jack Dorsey das Gerücht, dass die 140-Zeichen-Begrenzung aufgehoben und durch eine 10.000-Zeichen-Grenze ersetzt werden soll.

Für Privatnachrichten gilt diese Grenze schon lange nicht mehr, für die Tweets wäre das jedoch eine 180-Grad-Wende - schließlich basiert das gesamte Twitter-Konzept auf den telegrammartigen 140-Zeichen-Tweets. Zahlreiche User haben die Idee kritisiert und ihren Unmut geäußert. In einem NBC-Interview hat Jack Dorsey den Spekulationen jedoch vor einigen Tagen ein Ende gemacht: „Es bleibt. Es ist eine gute Beschränkung für uns.“ Damit ist die 10.000-Zeichen-Idee wohl endgültig vom Tisch.

Neue Timeline-Sortierung führt zum Hashtag #RIPTwitter

Ab sofort könnt Ihr für Eure Timeline eine andere Darstellung wählen, die Euch dabei hilft, die wichtigsten Tweets der Nutzer, denen Ihr auf Twitter folgt, immer im Blick zu haben.

Mitte Februar wurde eine neue Timeline eingeführt, die die Inhalte nach Relevanz sortiert. Auch das ist eine einschneidende Veränderung, wurde bei Twitter als Echtzeitmedium doch bislang alles streng chronologisch aufgeführt. Im Twitter-Blog wird die neue Funktion folgendermaßen erklärt: „Kennt Ihr das auch? Auf Twitter folgt Ihr hunderten, wenn nicht gar tausenden Leuten und wenn ihr Twitter öffnet, habt Ihr manchmal das Gefühl, die wichtigsten Tweets verpasst zu haben. Ab sofort könnt Ihr für Eure Timeline eine andere Darstellung wählen, die Euch dabei hilft, die wichtigsten Tweets der Nutzer, denen Ihr auf Twitter folgt, immer im Blick zu haben.“

Die Sortierung erinnert sehr stark an Facebook und neuerdings auch an Instagram. Ist in den Einstellungen das Häkchen „Zeige mir die besten Tweets zuerst an“ aktiviert, erscheinen die Tweets, die Twitter für den User am interessantesten hält, ganz oben in der Timeline. Wer das nicht möchte, kann das Häkchen allerdings jederzeit deaktivieren und seine Timeline wie gewohnt chronologisch durchscrollen. Die User sind allerdings auch von dieser Neuerung wenig begeistert. Unter dem Hashtag #RIPTwitter gehen die Nutzer sogar soweit, das soziale Netzwerk aufgrund dieses Schrittes, den viele für eine Zensur halten, für tot zu erklären. Bleibt nur zu hoffen, dass der neu eingeführte Algorithmus wenigstens einige neue User anlockt.

Auf die nächsten 10 Jahre?

Die nächsten Jahre werden auf jeden Fall spannend. Twitter muss sich einiges einfallen lassen, um mit der Konkurrenz, also vor allem mit Facebook und Instagram, mithalten zu können. Es gilt jetzt einen Spagat zwischen dem Halten von Stamm-Usern und dem Gewinn von neuen Nutzern hinzubekommen. Um weitere Änderungen wird der Kurznachrichtendienst wohl nicht herumkommen - wie genau das aussehen kann, wird nur die Zukunft zeigen.

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